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Erste Russische Kunstausstellung in Berlin

Am 15. Oktober 1922 eröffnete in Berlin auf der Prachtmeile Unter den Linden die Erste Russische Kunstausstellung, die zum Highlight des Berliner Kunstherbstes wurde. Miriam Leimer über die Ausstellung, die heute noch als Meilenstein in der Moderne gilt, sowie über die politischen Signale Sowjetrusslands an die Weimarer Republik.

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Napoleon Bonaparte in Russland

Kein Ereignis hat die russische Kultur im 19. Jahrhundert so stark beeinflusst wie der Vaterländische Krieg von 1812Als Vaterländischer Krieg ging Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812 in die russische Geschichtsschreibung ein. Die russische Armee, für die der Überfall unerwartet kam, unternahm einen über mehrere Wochen dauernden Rückzug bis in die Tiefe des Landes hinein. Die erste große und blutige Schlacht, die für den Ausgang des Krieges entscheidend zu sein schien, fand in Borodino bei Moskau statt. Zwar hat die Grande Armée taktisch gesiegt und im Anschluss Moskau besetzt, jedoch waren die Verluste so groß, dass Napoleon bald selbst den Rückzug antreten musste. Im Dezember 1812 wurde Napoleons Armee an der russischen Grenze nahezu vollständig vernichtet. Mehr dazu in unserer Gnose – und kein Herrscher die Gemüter und Geister mehr bewegt als Napoleon Bonaparte. Doch erschöpft sich beider Geschichte nicht in der Erzählung von der Abwehr einer existentiellen Bedrohung von außen und dem „nationalen Erwachen“ russischer Patrioten. Vielmehr erschließt sich aus Briefen und Tagebüchern, Bildzeugnissen, Memoiren und Presseartikeln, Gedichten, Volksliedern und Romanen eine komplexe Wirkungsgeschichte, die wie ein roter Faden auch die Erinnerung von Familien über Generationen hinweg durchzieht. 

In unterschiedlichen sozialen Milieus wurde kontrovers über die Folgen der französischen Revolution sowie über Glanz und Elend unbeschränkter Macht in der großen Politik wie im privaten Leben debattiert. Im Zuge dieser Auseinandersetzung entstanden Schlüsselwerke, die zum Grundbestand der „russischen Idee“ zählen. Explizit oder nebenbei, metaphorisch oder symbolisch kreisen sie um die Figur des namenlosen Aufsteigers, der sich den französischen Kaiserthron dienstbar machte, militärisch von Sieg zu Sieg eilte und einem halben Weltreich seinen Willen diktierte, bevor er in den Tiefen des russischen Raumes monströs scheiterte.

Feldzug nach Russland: Schlusskapitel eines Meisterwerks?

Napoleons Feldzug gegen Russland wurde von den Zeitgenossen als ohne Beispiel in der Neuzeit empfunden. Fjodor Glinka, ein Dichter und hoher Staatsbeamter, forderte deshalb bereits 1816, eine monumentale Geschichte dieses Krieges in Auftrag zu geben. Er war nach dem Einmarsch der Grande Armée 1812 in den russischen Militärdienst eingetreten und hatte vieles aus unmittelbarer Anschauung miterlebt: die Gefechte um Smolensk Mitte August, die große Schlacht bei BorodinoDie Schlacht von Borodino war die größte Kampfhandlung im napoleonischen Russlandfeldzug 1812. Viele russische Künstler verewigten das Motiv der Schlacht in monumentalen Bildnissen. Eines der bekanntesten (und größten) davon wurde vom russischen Maler Franz Roubaud (1856–1926) gemalt, es ist das zentrale Ausstellungsstück im Moskauer Panoramamuseum der Schlacht von Borodino. Anfang September und wenig später die dramatische Wende in Moskau, die Räumung der Stadt durch die russischen Truppen und den nachfolgenden Großbrand. 

Daraus ergab sich für ihn die Notwendigkeit, dieses außerordentliche, gewaltige Geschehen mit Sinn zu füllen. Den unzähligen Gerüchten etwa über die Gründe, warum dem auf russisches Territorium vordringenden Massenheer Napoleons keine Entscheidungsschlacht aufgezwungen wurde, sollte Einhalt geboten werden. Statt eines frühen Gegenschlags hatten Krankheiten, Hunger und zahllose Scharmützel die Moral der Invasionsarmee zermürbt. Lediglich ein Bruchteil der weit über 400.000 Soldaten, die am 22. Juni die Memel (polnisch: Niemen) überquert hatten und denen in der Folge weitere knapp 200.000 zugeführt wurden, erreichte gegen Mitte September „Mütterchen Moskau“, das sakrale Zentrum „Mutter Russlands“. Der Armee Napoleons stand eine zarische Streitmacht gegenüber, die nominell ebenfalls über 600.000 Mann verfügte.

Vergeblich erwartete der bisher erfolgsverwöhnte französische Kaiser auf dem „VerneigungshügelDer Poklonnaja-Hügel ist eine der höchsten natürlichen Erhebungen in Moskau. Der Ort besitzt seit dem Mittelalter eine wichtige historische Bedeutung. Heute befindet sich hier mit dem Park des Sieges ein zentraler Gedenkort für die Opfer des Großen Vaterländischen Krieges. Mehr dazu in unserer Gnose “ vor Moskau eine Schlüsselübergabe durch Emissäre der Stadt. Als schließlich große Teile der überwiegend hölzernen Viertel durch Brandstiftung ein Opfer der Flammen wurden, saß Napoleon mit seiner Generalität im steinernen Kreml fest. Ein schreckliches Drama nahm seinen Lauf: Zum entscheidungslosen Abzug gezwungen, wurden die Reste der Grande Armée auf dem Rückweg Opfer des einbrechenden Winters, grassierender Seuchen und der Angriffe frischer regulärer Kräfte und mobiler Partisaneneinheiten an den Flanken. 
Im November kam es an der Beresina zur Katastrophe, als russische Truppen die Hauptroute für den Rückzug abschnitten. Zwar gelang der französischen Restarmee durch ein geschicktes taktisches Manöver die Überquerung des Flusses. Die strengen Fröste dezimierten aber unerbittlich die Reihen der nurmehr in Lumpen gekleideten Davongekommenen. Schätzungsweise 20.000 bis 80.000 kehrten aus Russland zurück. Die Verluste auf russischer Seite werden auf 200.000 bis 300.000 beziffert.

Ob Napoleon den Feldzug gegen Russland als Schlusskapitel eines Meisterwerks plante, ist strittig. Sollte Napoleon mit dem Marsch auf Moskau tatsächlich nach der Weltmacht gegriffen haben, so stieß er ins Leere. Er hatte das in einem Jahrzehnt errichtete Imperium aufs Spiel gesetzt und innerhalb von sechs Monaten an den Rand des Ruins gebracht. Der Nimbus des unbesiegbaren Militärstrategen war zerstört, weil in diesem Krieg die bisherigen Trümpfe nicht stachen. Von seiner Hybris zeugte, dass Napoleon im Angesicht der vernichtenden Niederlage die Pflicht des Oberbefehlshabers verletzte und am 5. Dezember seinen Soldaten den Rücken kehrte, um auf der Flucht nach Paris wieder ausschließlich in die Rolle des Kaisers und Staatsmanns zu schlüpfen. In diesem wohl dunkelsten Moment seiner militärischen Karriere dachte er nicht an Kapitulation, sondern an die Aushebung einer neuen Armee.

Alltägliche Tyrannen

Um solche Unbedingtheit zu fassen, bedurfte es adäquater Begriffe und Ausdrucksformen, denn offensichtlich hatte die französische Revolution die Grenzen individueller Macht verschoben. Napoleon schien moralische Schranken hinter sich lassen, absolut frei entscheiden, seinen Willen zum Maß der Politik machen und das Glück zwingen zu können. 
Der Russlandfeldzug markiert diesbezüglich eine Zäsur: Offener denn je wurden Herrschaft und Persönlichkeit zutiefst ambivalent wahrgenommen. Außerordentliche Leistungen wie etwa das Bürgerliche Gesetzbuch, das allgemeine und gleiche Wahlrecht, eine funktionale staatliche Verwaltung, die Beschleunigung der internationalen Kommunikation und ein überregionales Verkehrswegenetz traten in den Schatten. Die verlustreichen Massenkriege, die imperiale Expansion, polizeistaatliche Überwachung, der Nationalismus von Portugal bis Russland, der sich in einander verstärkenden Freiheitsbewegungen manifestierte, oder die zunehmend maßlose Eigenpropaganda traten umso greller hervor. 

Strenger Frost dezimierte unerbittlich die Reihen der sich zurückziehenden Grande Armée / Illarion Prjanischnikow, „Im Jahr 1812“, 1874

Wer war Bonaparte wirklich, und was geschah mit Menschen, die „Napoleon sein“ wollten, indem sie dies mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten gleichsetzten? Alexander Puschkin stilisierte in seinen Gedichten in einer Zeit fortdauernder „Gallomanie“ den Kaiser der Franzosen zum Idealbild des romantischen Helden. Obwohl 1812 manch hochtrabender Traum zerstob, blieb der Glanz eines kometengleichen Aufstiegs. Für seine Grundlegung einer „nationalen“ russischen Literatur aus napoleonischem Geist lobte der Kritiker Wissarion BelinskiWissarion Belinski (1811–1848) war der Erfinder der modernen Literaturkritik in Russland. Er lag im Dauerclinch mit dem zaristischen Regime und war der geistige Vater der Radikalen der 1860er Jahre. Literatur sah er als ein Vehikel politischer Agitation, er kämpfte für soziale Veränderungen und schrieb mit unbändiger Leidenschaft über Literatur. In der Sowjetunion als Vordenker eines utopischen Sozialismus beispiellos glorifiziert, sind noch heute Hunderte von Plätzen und Straßen nach ihm benannt. Mehr dazu in unserer Gnose den Dichter. Denn der große Franzose galt ihm vor allem als Symbol des Protests gegen die Unterdrückung, zumal in Russland, wo die Bauern ebenso aufbegehrten wie junge Offiziere in Geheimgesellschaften. 

Auf Napoleon beriefen sich aber auch Anhänger nicht-orthodoxer religiöser Gemeinschaften, etwa die zahlreichen AltgläubigenAltgläubige (in der wörtlichen Übersetzung: Altritualisten) ist eine Sammelbezeichnung für Gruppen orthodoxer Gläubiger, die sich im Laufe der 1650er und 1660er Jahre von der russisch-orthodoxen Kirche lösten. In dieser Zeit reformierte Patriarch Nikon die Riten und Texte des Gottesdienstes, um sie griechischen und südslawischen Praktiken anzugleichen. Gegner der Reformen wurden verfolgt und zu Tausenden hingerichtet. Um den Repressionen zu entkommen, siedelten viele sich in entlegenen Landesteilen an, wo sie teilweise bis heute ihren Glauben praktizieren. oder die radikale asketische Sekte der „Skopzen“. Sie verbanden Napoleon mit dem vergegenwärtigten Mythos des kommenden Messias, der sie von den Bedrängnissen der Gegenwart erlösen sollte. 
Wieder andere erwarteten die Wiederkunft des „Antichristen“ gemäß der Johannes-Apokalypse, der über Gläubige wie über Ungläubige richten würde, um sie dem ewigen Leben beziehungsweise der ewigen Verdammnis zuzuführen. Noch am Vorabend des Ersten WeltkriegsRussland ist dem Ersten Weltkrieg an der Seite der Alliierten Anfang August 1914 beigetreten. Nach anfänglichen spektakulären Erfolgen kam es zu Rückschlägen und bald stellte sich heraus, dass der russische Staat den Belastungen eines modernen Krieges nicht gewachsen war. Die Transportprobleme und schlechte Versorgung der Städte führten Anfang 1917 zu großen Demonstrationen, die in die Februarrevolution mündeten. Die Frage von Frieden und Krieg war auch nach der Abdankung Nikolaus´ II. von entscheidender Bedeutung. Die Provisorische Regierung führte den Krieg weiter, was zu einem militärischen und innenpolitischen Desaster führte. Erst nach der Oktoberrevolution wurde am 3. März 1918 ein separater Friedensvertrag zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten geschlossen. Russland musste erhebliche Verluste an Territorium, Produktionskapazitäten und Bevölkerung hinnehmen. Mehr dazu in unserer Gnose behauptete der Schriftsteller Dmitri Mereshkowski, Napoleon verkörpere ein ganzes Jahrhundert. 

Russische Truppen schnitten im November an der Beresina die Hauptroutefür den Rückzug ab / Januari Suchodolski, „Die Grande Armée überquert die Beresina“, 1866

Gegen diese Sicht setzte Lew TolstoiLew Tolstoi (1828–1910) war einer der bedeutendsten Schriftsteller der russischen Literatur. Sein literarisches Schaffen umfasst drei große Romane (Krieg und Frieden, Anna Karenina und Auferstehung), viele Erzählungen, Dramen und religionsphilosophische Traktate. Während er in der Literatur als von allen geliebter Superlativ gilt, wurde seine religiöse Lehre stark kritisiert und ihm selbst Moralismus und Utopismus vorgeworfen. Mehr dazu in unserer Gnose in den 1860er Jahren mit seinem monumentalen Roman Krieg und FriedenKrieg und Frieden ist einer der bekanntesten Romane von Lew Tolstoi (1828–1910). Er beschreibt die russische Gesellschaft in der Zeit der napoleonischen Kriege 1805–1812. Den Sinn seines Romans sieht der Autor darin, die Menschen „dazu zu bringen, das Leben in all seinen unzähligen und unerschöpflichen Erscheinungen zu lieben“.  ein Anti-Denkmal. Der „Übermensch“ Napoleon erleidet einen „Bankrott“ und schrumpft auf „Quasi-Größe“. Im Getümmel unübersichtlicher Schlachten hängt der Ausgang nicht von der Intuition eines großen Mannes, sondern vom Zufall ab. 
Wie ein Duell gestaltete auch Fjodor DostojewskiFjodor Dostojewski (1821–1881) gehört zu den bedeutendsten russischen Schriftstellern. Viele seiner Werke gelten als Klassiker der Weltliteratur, etwa Die Brüder Karamasow, Verbrechen und Strafe oder Der Idiot. Mit seinen erzählerischen Perspektiven, die verschiedene Interpretationen erlauben, entwickelte er eine allgemeine Charakteristik des modernen Romans. seine Abrechnung mit dem Heldenkult. Raskolnikow, der Protagonist des Romans Verbrechen und Strafe, imitiert in seinem schäbigen Dasein den Inhaber absoluter Macht und begeht aus reiner Willkür einen Mord. Napoleon steht für das ultimative Paradigma, einem freien Menschen sei „alles erlaubt“. Eine solche Binnenperspektive war beängstigend, entlarvte sie doch die außerordentliche Persönlichkeit als gewöhnlichen Kriminellen, der sich gottgleich wähnte und deshalb selbst ermächtigte, über Leben und Tod zu entscheiden.

Warten auf „Bonaparte“

Napoleon starb am 5. Mai 1821 im Exil auf Sankt Helena. Für Puschkin bedeutete dies, dass seither „die Welt leer“ war. Gleichgültig, ob das einstige Idol bewundert oder verdammt wurde, es hinterließ ein emotionales Vakuum. Machtökonomisch, sicherheitspolitisch und ideologisch schien alles offen. Solange er lebte, war Napoleon der perspektivische Fluchtpunkt nachrevolutionärer nationaler oder imperialer Bestrebungen gewesen. Von ihm aus definierten kühne Freiheitskämpfer und defensive Machtpolitiker ihre Ziele. Zwar hatte der Wiener Kongress 1815 dem Kontinent eine restaurative Reorganisation verordnet, doch wurde nach der turbulenten napoleonischen Herrschaft in und über Europa nichts wieder so wie es gewesen war.

Napoleon / Jacques Louis David, 1812Der Herrschertyp des charismatischen Soldaten auf dem Kaiserthron bot, zum wiederkehrenden Muster umgedeutet, eine Anleitung zum Staatsstreich in revolutionären Zeiten. Karl MarxEnde des 19. Jahrhunderts wurde Karl Marx in Russland zu einem der einflussreichsten Philosophen. Schon bald nach der deutschen Erstausgabe von 1867 gab es sein Kapital auch auf Russisch. Das Werk fand in Russland ein weitaus lebhafteres Echo als in Deutschland oder irgendwo sonst in Europa. Nach der Oktoberrevolution wurde ein vermeintlich texttreuer, dogmatischer Marxismus zu einer dominierenden und schließlich sogar absolut gesetzten Ideologie. Mehr dazu in unserer Gnose interessierte am „Bonapartismus“ weniger der „18. Brumaire 1799“, also der Ursprung der Legende vom automatisierten Regimewechsel, als vielmehr dessen Parodie durch den „zweiten Napoleon“, den Revolutionsgeneral Louis Napoleon. Der hatte am 2. Dezember 1851 die Nachwehen der Revolution von 1848 zum perfektionierten Coup d‘Ètat genutzt. Weder Bonapartes Neffe noch spätere Epigonen kamen dem Vorbild von 1799 nahe. Sich selbst die Krone aufzusetzen, war kein Privileg Napoleons gewesen. Doch transzendierte die pompöse Inszenierung den banalen Militärputsch in eine quasi-monarchische Zeremonie. 

Hingegen reduzierte später LeninNach der Februarrevolution, die zur einer Doppelherrschaft von Provisorischer Regierung und Arbeiter- und Soldatensowjet geführt hatte, fixierte sich Lenin auf den gewaltsamen Sturz der Provisorischen Regierung. Die bolschewistische Partei wurde zum Anziehungspunkt für alle unzufriedenen, radikalen und anarchistischen Elemente, die durch die revolutionären Ereignisse aufgewühlt worden waren. Nach dem misslungenen Juliaufstand nutzte Lenin die politische Krise und das Machtvakuum aus, um seine Strategie des bewaffneten Aufstandes im Oktober 1917 zu verwirklichen. Mehr dazu in unserer Gnose wie vor ihm Marx den vielschichtigen Vorgang ausschließlich auf den funktionalen Übergang in die Despotie. Ironischerweise lässt sich das retrospektiv abgeleitete Verlaufsschema keineswegs nur auf die gescheiterten Diktaturen KerenskisAlexander Kerenski (1881-1970) war russischer Politiker. Nach der Februarrevolution 1917 bekleidete er in der Provisorischen Regierung den Posten des Justizministers und war Minister für Armee und Flotte, zwischen Juli und Oktober 1917 war er Chef der Provisorischen Regierung. Nach der Oktoberrevolution wanderte er nach Frankreich aus, ging später in die USA. anwenden, sondern auch auf die Umsturztaktik der BolschewikiDie Bolschewiki (dt. etwa: Mehrheitler) unter Führung von Wladimir Lenin waren zunächst eine Minderheitenfraktion innerhalb der russischen Sozialdemokratie. Ihren Namen erhielten sie aufgrund eines einmaligen Abstimmungserfolges über die Menschewiki (dt. etwa: Minderheitler) auf einem Parteitag im Jahr 1903. Nach der Parteispaltung im Jahre 1912 konstituierten sie sich als revolutionäre Kaderpartei. Im Oktober 1917 organisierten sie den Sturz der Provisorischen Regierung in Russland und gingen aus dem anschließenden Bürgerkrieg siegreich hervor.  im Oktober 1917Am 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. Mehr dazu in unserer Gnose : Diese nahmen, wie Jacob Burckhardt vormals in anderem Zusammenhang formuliert hatte, mit ausgeprägtem Gespür für die Macht den Staat als „Beute“. Nach dem verheerenden BürgerkriegNach der Oktoberrevolution 1917 kam es zu Erhebungen unterschiedlicher antibolschewistischer Kräfte – der Weißen – gegen die neuen sowjetischen Machthaber – die Roten. Die Kämpfe wurden von beiden Seiten mit äußerster Brutalität geführt, vor allem auch gegen die Zivilbevölkerung. Dass die Weißen weder politisch noch organisatorisch eine Einheit bildeten, war letztendlich ein wesentlicher Grund für ihre Niederlage. Demgegenüber gelang den Bolschewiki der straffe Aufbau der Roten Armee, mit deren Hilfe sie auch die Niederschlagung von Konflikten erreichten, die parallel zur Auseinandersetzung mit den Weißen entstanden waren (Polnisch-Sowjetischer Krieg, Partisanenbewegungen, Abfall von Randgebieten). Der Sieg im Bürgerkrieg bedeutete die endgültige Machtkonsolidierung für die sowjetische Regierung. Mehr dazu in unserer Gnose grassierte in Russland die Sehnsucht nach einem „roten Napoleon“ oder „sozialistischen Kaiser“, zumal als Lenin 1924 gestorben war und der Machtkampf um das Erbe des nicht-militärischen Partei- und Staatsgründers eskalierte. Militärführer wie Michail Tuchatschewski, der vor kaltblütiger Gewalt gegen die Opposition in den eigenen Reihen nicht zurückschreckte, oder Wassili Blücher, waren zwei der fünf ersten sowjetischen Marschälle. Doch Blücher saß später in den Schauprozessen der 1930er Jahre über Tuchatschewski zu Gericht, um kurz darauf selbst dem Räderwerk des TerrorsAls Großen Terror bezeichnet man die staatlichen Repressionen gegen die sowjetische Bevölkerung zwischen 1936 und 1938. Der Begriff wurde durch die gleichnamige Monographie des britischen Historikers Robert Conquest geprägt. Während des Großen Terrors wurden Schätzungen zufolge rund 1,6 Millionen Menschen verhaftet, etwa 680.000 von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Die Repressionen erfolgten in mehreren Wellen. Waren zunächst vor allem hohe Parteikader betroffen, gerieten im Laufe der Zeit immer neue Gesellschaftsgruppen ins Visier der Sicherheitsorgane. Eine juristische Aufarbeitung dieser Verbrechen fand bis heute nicht statt. Mehr dazu in unserer Gnose zum Opfer zu fallen.

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Selbstgedreht, 1987, Foto © Gennady Bodrov/The Lumiere Brothers Center for Photography (All rights reserved)