Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Die ersten Anzeichen einer Entstalinisierung zeigten sich bereits unmittelbar nach Stalins Tod 1953. Zentral dafür wurde jedoch erst die Geheimrede Nikita Chruschtschows, die er 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU hielt. Die Phase der Sowjetgeschichte, die als Tauwetter bekannt wurde, erlaubte eine deutliche Liberalisierung des Kulturbereichs und eine Abkehr von Repression und Gewalt.
Am 21. September 1993 brach der russische Präsident Boris Jelzin die noch geltende sozialistische Verfassung des Landes, indem er per Dekret das Parlament auflöste. Jelzin wurde seinerseits des Amtes enthoben, behielt aber Rückhalt in der Gesellschaft und Kontrolle über die Armee, die am 5. Oktober den Widerstand gegen den Präsidenten brach. Bei den zehntägigen Zusammenstößen in Moskau gab es mehr als einhundert Tote und Verletzte. Diese Ereignisse bilden die Geburtsstunde der heute geltenden russischen Verfassung. Sie prägen nachhaltig den gegenwärtigen Staatsaufbau sowie die politische Kultur Russlands.
Sachar Prilepin (geb. 1975) ist ein russischer Schriftsteller. Neben seinen Büchern verfasst er auch journalistische Artikel, in denen er sich häufig gegen liberale Tendenzen in der russischen Gesellschaft wendet. Prilepin war Mitglied der inzwischen verbotenen Nationalbolschewistischen Partei des umstrittenen Oppositionellen Eduard Limonow. Medienberichten zufolge befehligte er ab März 2017 als Major ein Bataillon im Donbass. Derzeit ist er stellvertretender Leiter des Gorki Künstlertheaters in Moskau.
Bei der Sowjetisierung kam es vor allem 1932–1933 zu einer verheerenden Hungersnot: Schätzungen zufolge starben dabei über sieben Millionen Menschen. Besonders betroffen waren die Ukraine, Kasachstan, das Wolgagebiet und der Nordkaukasus. Die Hungersnot war eine direkte Folge der stalinschen Kollektivierung der Landwirtschaft und des Drucks der sowjetischen Regierung auf die Landbevölkerung. In der Ukraine ist der Holodomor heute integraler Bestandteil der nationalen Erinnerungskultur ist und gilt als Genozid. Diese Klassifizierung ist jedoch umstritten.
Pawel Durow (geb. 1984) ist Gründer von VKontakte (dt. „InKontakt“), dem in Russland populärsten sozialen Netzwerk, und Telegram, einem der weltweit beliebtesten Messenger-Dienste. Aufgrund von Konflikten mit dem russischen Nachrichtendienst FSB, der die Herausgabe sensibler Nutzerdaten verlangte, verließ der angesichts seiner exzentrischen Selbstinszenierung umstrittene Jungunternehmer 2014 das Land. Aktuell schickt sich der bekennende Weltbürger mit einer Initiative im Bereich der Kryptowährungen an, die globale digitale Ordnung zu revolutionieren.
Leonid Wolkow (geb. 1980) ist ein russischer Oppositionspolitiker und IT-Spezialist. 2013 leitete er Alexej Nawalnys Kampagne für die Moskauer Bürgermeisterwahlen, 2017–18 für die Präsidentschaftswahlen. Er gilt als überzeugter Liberaler mit Talent für den effizienten Einsatz digitaler Technologien – insbesondere für die Koordination von politischem Aktivismus.
GRU (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije, dt. „Hauptverwaltung für Aufklärung“) ist die ehemalige (aber immer noch geläufige) Abkürzung für den Auslandsgeheimdienst des Verteidigungsministeriums und des Militärs. 2010 wurde der Geheimdienst umbenannt in Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte.
Juri Norstein (geb. 1941) ist ein russischer Trickfilmer und einer der weltweit bekanntesten Animationskünstler. Viele seiner Werke bekamen wichtige Filmpreise, die Animation Joshik w Tumane (dt. „Der Igel im Nebel“) aus dem Jahr 1975 wurde als bester Animationsfilm aller Zeiten ausgezeichnet.
In den 1980er Jahren über Breakdance zur Subkultur geworden, entwickelt der russischsprachige Hip-Hop seit den 1990er Jahren allmählich eine eigene stilistische und musikalische Identität, fern von der Anpassung an US-amerikanische Formen. Heutzutage steht er als ein eigenständiges Phänomen und als „dominante Gegenwartskultur“ da und auch in erster Linie als kulturelles Gut, das zudem nicht unrentabel ist.
Monostädte sind Arbeitersiedlungen, die in der Sowjetunion ab den 1930er Jahren rund um einen einzigen Betrieb oder ein Kombinat errichtet wurden, insbesondere im Bereich der Metall- und Rohstoffverarbeitung. Sie bildeten einst das Rückgrat der sowjetischen Wirtschaft: Über 400 Monostädte erwirtschafteten rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Spätestens seit den 1990er Jahren befinden sich viele Monostädte im wirtschaftlichen Niedergang.
Perm-36 war der inoffizielle Name eines sowjetischen Arbeitslagers für politische Häftlinge, die sich mutmaßlich „besonders gefährlicher Staatsvergehen“ schuldig gemacht hatten. Auf dem Gelände der ehemaligen Kolonie befindet sich seit 1995 ein Museum. Es ist das einzige Museum in Russland am Ort eines stalinistischen Gulag-Lagers. 2014 wurde es auf Betreiben der Regionalregierung verstaatlicht. Der ehemalige Trägerverein wurde des Geländes verwiesen, 2015 dann zum sogenannten ausländischen Agenten erklärt. Nach vielen erfolglosen Versuchen, mit der Regionalregierung eine Einigung über eine weitere Tätigkeit auf dem Lagergelände zu erzielen, stellte die NGO ihre Tätigkeit im Jahr 2016 ein.
Am 25. August 1968 fand sich auf dem Roten Platz in Moskau eine kleine Gruppe von Dissidenten zusammen, um gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei zu demonstrieren. Der Protest wurde zwar nach wenigen Minuten von Sicherheitskräften gewaltsam aufgelöst, gilt jedoch als eine der wichtigsten Aktionen der sowjetischen Dissidenten, auf die noch heute Bezug genommen wird.