Ein Partisan im Kampf gegen die Sowjetunion

Zimoch Chwedaschtschenja wurde als antisowjetischer Partisanenführer bekannt. Das Foto stammt möglicherweise aus seinem Dienstausweis bei der Polnischen Armee / Foto © Nasha Niva

In Belarus gab es nach der Machtergreifung durch die Bolschewiki zwischen 1917-1919 und der Gründung der Sowjetunion 1922 deutliche Widerstände gegen die neuen Herrscher. Über diesen Kampf antisowjetischer Partisanen ist allerdings wenig bekannt. Auch in der Geschichtswissenschaft ist dieses Thema immer noch schlecht erforscht.

Zimoch Chwedaschtschenja war einer dieser Partisanen, die sich für einen unabhängigen belarussischen Staat einsetzten. In der Zeit zwischen Erstem Weltkrieg, Russischem Bürgerkrieg, Polnisch-Sowjetischem Krieg und Zweitem Weltkrieg befanden sich die Menschen im Orkan gewaltiger historischer Umwälzungen, entsprechend entwickelten sich Biografien häufig wie apokalyptische Abenteuerromane.

Das belarussische Onlineportal Zerkalo hat solch eine Geschichte1 aufgeschrieben, durch die man eine eindrückliche Ahnung von dieser Epoche bekommt. Erzählt wird sie anhand des Lebens von Zimoch Chwedaschtschenja, das nach Jahrzehnten schier unglaublicher Verwerfungen und Verkettungen in Warschau endete.


Heute würde man diese Menschen wohl als Warlord bezeichnen, damals nannte man sie „Atamane“. Sie traten auf die Bildfläche, als nach dem Ersten Weltkrieg und nach der Revolution von 1917 das Russische Reich am Boden lag und sich ein Fenster für die Gründung unabhängiger Staaten und für neue Anführer öffnete. Diese Leute verfolgten ihre Ziele nicht in Amtszimmern, sondern mit der Waffe in der Hand. Einer von ihnen war Zimoch Chwedaschtschenja (russ. Timofej Chwedtschenja, poln. Tymoteusz Fiedoszczenia).

Aussagen über seine jungen Jahre sind nicht leicht zu treffen. Die wichtigste Quelle für die Lebensdaten dieser Rebellenführer sind Ermittlungsakten, in denen die Aussagen der Atamane gegenüber polnischen und sowjetischen Behörden festgehalten sind. Abhängig von der Situation machten sie widersprüchliche Angaben zur eigenen Person. So wurde Chwedaschtschenja der einen Aussage zufolge in eine relativ wohlhabende Familie im Kreis Luninez geboren, laut einer anderen stammt er aus Baranawitschy und sein Vater war Eisenbahnschaffner. Dieselbe Unklarheit gilt für sein Geburtsdatum (mal 1893, mal 1897) und seine Ausbildung.

Chwedaschtschenjas Lebensweg ist deutlich von den Ereignissen des Ersten Weltkriegs geprägt. Er wurde in die Armee einberufen und zur Offiziersschule nach Charkiw entsandt, die er im Sommer 1916 mit dem Rang eines Fähnrichs abschloss. Eine zeitlang diente er in einer Wachkompanie, dann wurde er an die Front geschickt, wo er sich zum Oberleutnant und Kompanieführer hochdiente. Bei Kampfhandlungen in der Nähe von Krewa und Smarhon erlitt er im Sommer 1917 Verletzungen. Für die Teilnahme am Krieg gegen die Deutschen wurde er mit dem Georgsorden 3. Klasse ausgezeichnet.

Einsatz für ein unabhängiges Belarus 

Anfang Dezember 1917 erkrankte Chwedaschtschenja an Typhus und wurde aus der Armee entlassen. Er ging nach Minsk, wo just zu dem Moment der Erste Allbelarusische Kongress stattfand. Die Teilnehmenden konnten das Recht der Belarussen auf Selbstbestimmung und Errichtung einer Demokratie beschließen, zu weiteren Ergebnissen bezüglich der Zukunft des Landes kam es jedoch nicht: Die Bolschewiken lösten den Kongress auf. Bald darauf trafen die Delegierten sich im Untergrund wieder und wählten die Rada des Allbelarussischen Kongresses und deren Exekutivkomitee. Zimoch Chwedaschtschenja schloss sich nach der Auflösung des Kongresses dem 1. Belarussischen Nationalen Regiment an, das in Minsk gegründet wurde. Zudem bewachte er die Sitzungen der Rada.

Am 21. Februar 1918 nahmen deutsche Truppen die Stadt ein und entwaffneten das Regiment. Die Rada blieb in Minsk und wählte schließlich den Kurs in Richtung Unabhängigkeit, der zur Ausrufung der Belarussischen Volksrepublik führte. Zimoch Chwedaschtschenja stand zu diesem Zeitpunkt am Rande des Geschehens. Es gibt Hinweise, dass er nach Sluzk fuhr und die Bolschewiken unterstützte, hierzu müsste eingehender geforscht werden.

Ende 1918 begab sich der Belarusse nach Dawyd-Haradok und schloss sich einem lokalen Freiwilligenbataillon an, das sich kurz darauf nach Pinsk verlegte und die Stadt auf der Seite der Polen vor einem Angriff der Roten Armee verteidigte. Einer der Kameraden erinnert sich an Zimoch als redlichen Soldaten, der sich bei Kämpfen um Zimkawitschi im Gebiet Sluzk gut behaupten konnte. Im April 1919 nahm er mit demselben Bataillon an einem antibolschewistischen Aufstand in Mir teil. Nach der Niederschlagung des Aufstandes fiel Zimoch eigenen Aussagen zufolge in die Hände der Bolschewiken. Man brachte ihn nach Minsk, wo er in den Arrest kam. Er konnte fliehen und versteckte sich im Gebiet Sluzk, wo er auf die nahenden polnischen Truppen wartete.

Zimoch Chwedaschtschenja sah seine Zukunft nicht in der regulären Armee. Zunächst schloss er sich Ataman Lukasch Semenjuk an, der eine Partisaneneinheit aus Bauern gebildet hatte, die nicht in der Roten Armee dienen wollten. In dieser Einheit war er für die Waffen verantwortlich. In der zweiten Hälfte des Jahres 1919 nahm Zimoch Kontakt zum polnischen Geheimdient auf, wurde Agent für die polnische Aufklärung und gründete in Minsk eine Diversionsgruppe, um im Hinterland gegen die Rote Armee zu kämpfen. Eine Chance für die belarussische, unabhängige Demokratie sah er in General Stanislau Bulak-Balachowitsch. Dieser begann im Herbst 1920 in Polesien mit polnischer Unterstützung einen bewaffneten Angriff auf die Rote Armee. Bei ihm war Zimoch für die Anwerbung neuer Freiwilliger verantwortlich, fuhr regelmäßig mit Aufträgen nach Sluzk und führte zudem ein eigenes Bataillon.

Stanislau Bulak-Balachowitsch (links) im Gespräch mit dem Befehlshaber der estnischen Armee, Johan Laidoner, beim Besuch in Pskow am 31. Mai 1919 / Foto © Public Domain

Der Feldzug von Bulak-Balachowitsch verlief erfolglos, er wurde schnell zurückgeschlagen. Zimoch legte die Waffen jedoch nicht nieder. Die größte Organisation, die damals weiterkämpfte, war die Belarussische Bauernpartei Grüne Eiche. Die Polen, die zur Gründung der Partei beigetragen hatten, wollten deren und andere Kräfte gegen die Bolschewiken vereinen. Zimoch Chwedaschtschenja wollte aber nicht auf den Posten als Kommandeur einer eigenen Partisaneneinheit verzichten. Also nahmen ihn die Polen Ende April 1921 fest und übergaben ihn dem Vorsitzenden der Grünen Eiche, Wjatschaslau Adamowitsch, Feldname Dsjarhatsch (Wachtelkönig).

Die Mehrzahl der Grüneichler kämpfte ausschließlich gegen die bolschewistische Macht sowie die Mobilisierung in die Rote Armee. Zimoch dagegen hatte klar definierte nationale Ansichten und trat für die Schaffung eines unabhängigen belarussischen Staates mit polnischer Unterstützung ein. Für die folgende Zeit hatten sie jedoch das gleiche Ziel. Deshalb einigten sich die beiden Anführer schließlich, ihre Aktivitäten eigenständig fortzuführen, jedoch miteinander zu koordinieren. Zimoch gründete eine Organisation, die er Bewaffnete Gruppe der Volksgemeinschaft „Vaterland“ nannte.

Um die Konspiration zu wahren, gab es in der Organisation das System der Fünf: Der Anführer jeder Fünf durfte seinen Kameraden nichts über die Mitglieder der anderen Fünfergruppen verraten. Die Verbindung zwischen den Gruppen wurden durch persönliche Treffen aufrechterhalten, Versammlungen der gesamten Gemeinschaft wurden nur in Ausnahmefällen durchgeführt. Das Statut erforderte strenge Disziplin, Verrat wurde mit dem Tod bestraft. Zum Erhalt der Disziplin wurde eine „terroristische Sektion“ gegründet.

Beginn der Partisanen-Aktivitäten 

Im Oktober 1920 schlossen Moskau und Warschau einen Waffenstillstand. Beide Seiten wollten jedoch die Situation hinter der „Grenze“ des jeweils kontrollierten belarussischen Territoriums destabilisieren und schickten Sabotagegruppen auf die andere Seite. Dies machte Zimochs Gruppe sich zunutze und begann mit Erlaubnis der polnischen Behörden, Freiwillige in den Reihen der Kriegsgefangenen zu werben.

Die Taktik sah kurzfristige Gebietseroberungen vor, die Zerstörung von Einrichtungen der Sowjetmacht, die Untergrabung der Sowjetmacht durch wirtschaftliche Diversion, die physische Liquidation neuer Beamter sowie die Vernichtung von Einheiten der Strafbehörden und der Roten Armee. Klammert man die kriminellen Gruppen aus, die sich im Wald versteckten und die lokale Landbevölkerung ausraubten, so betrug die Gesamtzahl der Partisanen, die bewaffnet gegen die Sowjetmacht kämpften, den niedrigsten Angaben zufolge mindestens 10.000 Personen.

Im März 1921 unterzeichneten Moskau und Warschau den Frieden von Riga, der das belarussische Territorium aufteilte. Der westliche Teil ging an Polen und wurde bald darauf als Westbelarus bezeichnet. Das östliche Belarus fiel unter die Kontrolle des Kreml, hier wurde die Belarussische Sowjetrepublik gegründet und in die UdSSR integriert. Den Bedingungen des Vertrags zufolge sollte Polen bis Ende April 1921 die belarussischen antibolschewistischen Organisationen und Gruppierungen auflösen. Die polnischen Geheimdienste beeilten sich jedoch nicht damit, sondern bemühten sich eher, die Partisanen als Ressource zu wahren.

Belarusissche Karikatur in Antwort auf den Vertrag von Riga, 1921. Beschriftung: „Nieder mit der schandhaften Teilung von Riga. Lang lebe die freie, unteilbare, bäuerliche Belarus!“ / Illustration © Public Domain

Im Sommer 1921 überquerte Zimoch Chwedaschtschenja die Grenze auf die sowjetische Seite und begann, in den Gebieten um Babrujsk und Sluzk aktiv zu werden. Er vereinte die Partisanengruppen zu einer gemeinsamen Struktur. Schon Anfang Juli sandten der Vorsitzende des Tscheka Belarus, Jan Olski, der Volkskommissar für Inneres, Iosif Adamowitsch, und der Oberbefehlshaber des Gouvernements Minsk, Ieronim Uborewitsch, an alle militärischen und Verwaltungsbehörden ein besorgniserregendes Telegramm: „Wir warnen alle Vorsitzenden und Kommissare, dass das Banditentum auf dem Gebiet des Minsker Gouvernements kolossale Ausmaße angenommen hat; das Agieren der Banden hat organisierten Charakter und führt uns an den Rand eines kleinen kriegerischen Aufstandes, mit all seinen Eigenheiten und Besonderheiten.“ Dieser Sommer wurde zum Höhepunkt des Partisanenkriegs in der BSSR.

Zimochs Einheit warb Freiwillige an, organisierte Waffen, überfiel einzelne Dörfer, entsandte Agenten in sowjetische Einrichtungen. In einigen Orten gaben sich die Partisanen als Einheit zum Kampf gegen Fahnenflucht aus. Allgemein gehörten bewaffnete Zusammenstöße, Überfälle auf Kleinstädte, Sabotageaktionen und Terroranschläge im Jahr 1921 zum Alltag im Sowjetischen Belarus. Ende August dieses Jahres bereiteten die ausländischen, antisowjetischen Zentren, darunter auch Zimochs Leute, einen bewaffneten Aufstand gegen die Sowjetmacht vor. Letztlich kam er aber nicht zustande: Die Polen stellten die Unterstützung ein, weil sie beschlossen, ihre Beziehungen zur UdSSR zu normalisieren.

Zimoch Chwedaschtschenja kehrte nach Westbelarus zurück, wo er im September vom polnischen Geheimdienst festgesetzt wurde, der ihm Illoyalität und Missbrauchs von Dienstgeheimnissen zur Last legte, ebenso antipolnische Tätigkeit und Zugehörigkeit zu einer verbotenen belarussischen Organisation. Das waren allerdings nur Vorwände, um sich eines unbequemen anerkannten Aktivisten zu entledigen.

Die polnischen Repressionen erwiesen sich als nicht sonderlich schlimm. Zimoch wurde noch im selben Monat auf Bewährung freigelassen und im Dezember aufgrund fehlender Beweise für seine Schuld auch von den Bewährungsauflagen freigesprochen. Es gibt Grund zu der Annahme, dass Zimochs Partisanentätigkeit damit nicht zu Ende war. Der Widerstand gegen Moskau dauerte auch 1922 an, obwohl die Sowjets die Aufständischen brutal verfolgten, ihre Familien aus Belarus in den russischen Norden verbannten, Eigentum konfiszierten und Höfe niederbrannten. Im Jahr 1923 zählte ein sowjetischer Spion in seinem Bericht Partisaneneinheiten auf, die von Zimochs Gefährten geführt wurden. Ob der Ataman sie aber selbst kommandierte, ist nicht belegt.

Mitte der 1920er Jahre kam der Partisanenkampf langsam zum Erliegen. Zimoch ließ sich schließlich in der Region Podlachien nahe dem Urwald von Białowieża nieder. Er heiratete eine Einheimische und sie bekamen zwei Töchter. Sein Geld verdiente er mit dem Ankauf von Reifen, aus denen er Schuhe herstellte und sie auf Märkten verkaufte. Im Jahr 1934 oder 1936 eröffnete er zudem eine Teestube in Hajnówka.

Kollaboration mit der deutschen Besatzung

Der Zweite Weltkrieg änderte Zimochs Schicksal wiederum. Im September 1939 besetzte die Sowjetunion das Gebiet Białystok und gliederte es in die BSSR ein. Zu dieser Zeit, so seltsam es auch scheinen mag, wurde Zimoch Lehrer für Belarussisch und Russisch an einer Schule in Białowieża, im Sommer 1941 leitete er sogar ein Pionierferienlager. Als Erklärung kann dienen, dass die Sowjets zu dieser Zeit ihre Verbundenheit mit den Belarussen demonstrieren wollten, um die Polen zu unterdrücken.

Belarussische Lehrer aus der Region Białystok im Jahr 1942 oder 1943, im Zentrum: Zimoch Chwedaschtschenja / Die Abbildung stammt aus der Zeitschrift Białoruskie Zeszyty Historyczne

Im Juni 1941 marschierten dann die Deutschen im Gebiet Białystok und dem Rest von Belarus ein. Die Aktivisten der belarussischen Bewegung wollten die Situation der vertriebenen Sowjetmacht ausnutzen, um ihre nationale Idee zu verbreiten, sie vereinigten sich im Belarussischen Nationalkomitee. Einer der Anführer war Zimoch Chwedaschtschenja, der die Sektion in Białowieża leitete und nebenbei weiter als Direktor und Lehrer an einer örtlichen belarussischen Schule arbeitete. Der ehemalige Partisan träumte davon, ein eigenständiges Belarus zu schaffen – auch wenn dafür die Hilfe der Deutschen in Anspruch genommen werden musste.

Zunächst beschränkte sich die Arbeit des Komitees auf die Organisation von Versammlungen und Festen, später wurden die Mitglieder auch zur Verwaltungsarbeit weitergebildet [um perspektivisch die Polen in der Lokalverwaltung ablösen zu können – dek]. Tatsächlich war ein Großteil der Mitglieder in die Organisation eingetreten, um materielle Privilegien oder Schutz vor dem Besatzungsterror zu erhalten.

Die Anführer des Komitees konnten den Landsleuten helfen. Nach dem Krieg erklärte Zimoch Chwedaschtschenja, er habe sich dem Komitee angeschlossen, um die belarussische Bevölkerung vor den Folgen der deutschen Besatzung schützen zu können. Er konnte die Deportation einiger Einwohner von Białowieża zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich verhindern, darunter auch seiner Töchter. Dank seiner Eingabe brannten die Deutschen ein Dorf nicht nieder und deportierten die Einwohner nicht zur Zwangsarbeit. Ebenso wurde dank Zimoch die Kirche in der Kleinstadt renoviert und er eröffnete einen Zeitungskiosk. Natürlich hatte all das seinen Preis. Die Tätigkeit des Komitees wurde vollständig von den Deutschen kontrolliert, Reden für Auftritte bei Veranstaltungen oder Texte für öffentliche Vorträge mussten mit ihnen abgestimmt werden.

Special

Feuerdörfer

Nach 50 Jahren erscheint Feuerdörfer erstmals auf Deutsch. Das Buch über die Wehrmachtsverbrechen in Belarus erschütterte die sowjetische Gesellschaft – ein Special, unter anderem mit der Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch. Die Übersetzung des Buches von Thomas Weiler ist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2025 nominiert.  

Im Sommer 1944 wurde das Gebiet Białystok von der deutschen Besatzung befreit. Zimoch Chwedaschtschenja konnte gen Westen fliehen. Aus unbekannten Gründen trennte er sich nahe Warschau von seinem Flüchtlingstreck und wartete auf die sowjetischen Truppen. Im September wurde der Belarusse in Mińsk Mazowiecki in die 1. Polnische Armee einberufen, die zusammen mit der Roten Armee gegen die Nazis kämpfte. Im selben Jahr kam er in eine Scharfschützenbrigade und wurde Hauptmann, war für das Proviant zuständig, später für die Unterbringung der Armeeangehörigen. Am Ende des Krieges war er Major.

Festnahme, Folter und Amnestie 

Die kommunistische Regierung vergab dem Belarussen seine früheren Aktivitäten jedoch nicht. Im August 1947 wurde Zimoch verhaftet, der unterdessen als stellvertretender Leiter des Krankenhauses des Verteidigungsministeriums in Warschau arbeitete. Man warf ihm vor, unter der deutschen Besatzung im Gebiet Białystok gearbeitet zu haben, unter anderem für das Belarussische Komitee. Zunächst hielt man ihn in Warschau fest, dann wurde er nach Białystok überstellt. Die Ermittler schlugen ihm Zähne aus, gossen ihm Benzin in die Nase, eines der Verhöre dauerte 56 Stunden.

Zimoch gelang es dennoch, während des Ermittlungsverfahrens eine Reihe von Fakten aus seiner Biografie zu verbergen. Schließlich wurde er 1951 zu sechs Jahren Freiheitsentzug und zu zehn Jahren Entzug der Staatsbürger- und Ehrenrechte verurteilt. Er bestand auf seiner Unschuld und legte in Briefen und Beschwerden mehrfach Widerspruch gegen das Urteil ein. Im März 1954 wurde seine Haftzeit im Rahmen einer Amnestie schließlich auf vier Jahre reduziert. Nach deren Verbüßung wurde er freigelassen.

Danach lebte Zimoch Chwedaschtschenja in Warschau, wo er 1977 starb und schließlich auch begraben wurde. Ungeachtet seines nicht einfachen Lebens war er als einer der Wenigen seiner einstigen Kameraden der belarussischen Idee treu geblieben. Von den etwa einhundertfünfzig belarussischen Bauernführern starb fast keiner eines natürlichen Todes. Zimoch Chwedaschtschenja war eine glückliche Ausnahme.

  1. Zentrale Quelle dieses Artikels ist dieser wissenschaftliche Beitrag: Hryboŭski, J. & Stužynskaja, N. Cimoch Chvedaščėnja — ataman belaruskaha antysaveckaha partyzanskaha ruchu, in: Białoruskie Zeszyty Historyczne, 58. S. 171-201.  ↩︎