Medien
Gnosen
en

Lager Seliger

Das Lager Seliger war ein von 2005 bis 2014 alljährlich stattfindendes Sommercamp für Jugendliche und junge Erwachsene am gleichnamigen Seligersee. Initiiert wurde es von der regierungsnahen Jugendorganisation „Naschi“Regierungsfinanzierte Jugendorganisationen (RFJ) werden in Russland seit 2000 oft als Reaktion auf ein isoliertes politisches Ereignis gegründet oder um (oppositionelle) öffentliche Personen zu diskreditieren. Die sichtbarste und bekannteste dieser Jugendorganisationen ist die im Jahr 2005 gegründete Demokratische Antifaschistische Bewegung Naschi. Sie wurde 2008 in mehrere Unterorganisationen aufgespalten und 2013 faktisch aufgelöst. („Die Unseren“). Der Seligersee liegt inmitten eines Naturschutzgebietes im Nordwesten Russlands, etwa 350 km entfernt von Moskau.

Als Erfinder des Lagers Seliger gilt Wassili JakemenkoWassili Jakemenko, Gründer der kremltreuen Jugendbewegung Naschi, ist Günstling und Spielball der Polit-Technologen im Kreml zugleich. Sein Erfolg mit Naschi und seine Karriere in der Regierung beruhten im Wesentlichen auf der Rückendeckung des Putin-Beraters Surkow. Jakemenkos Fall 2012 ist aber auch das Ergebnis persönlicher Fehltritte. Allerdings scheint der Kreml ihn in jüngster Zeit für seine Zwecke wiederentdeckt zu haben.  , ein russischer Politiker und Geschäftsmann, der einst Vorsitzender der Jugendorganisation Naschi war. Die Gründung von Naschi 2005 war eine direkte Antwort auf die sogenannten FarbrevolutionenAls Farbrevolutionen bezeichnet man eine Reihe friedlicher Regimewechsel in post-sozialistischen Ländern. Diese wurden unter anderem durch gesellschaftliche Großdemonstrationen gegen Wahlfälschungen ausgelöst. Aufgrund der Farben beziehungsweise Blumen, mit denen die Bewegungen assoziiert werden, ist der Sammelbegriff Farbrevolutionen entstanden. Stellt der Begriff für die politische Elite in Russland eine Bedrohung ihrer Macht dar, verbinden oppositionelle Kräfte damit die Chance auf einen Regierungswechsel. in Georgien, der Ukraine und Kirgisistan. Da der Kreml eine ähnliche Entwicklung im eigenen Land verhindern wollte, etablierte er Naschi „als Gegenbewegung zu den regimekritischen Jugendorganisationen im postsowjetischen Raum“.1 Noch im selben Jahr rief JakemenkoWassili Jakemenko, Gründer der kremltreuen Jugendbewegung Naschi, ist Günstling und Spielball der Polit-Technologen im Kreml zugleich. Sein Erfolg mit Naschi und seine Karriere in der Regierung beruhten im Wesentlichen auf der Rückendeckung des Putin-Beraters Surkow. Jakemenkos Fall 2012 ist aber auch das Ergebnis persönlicher Fehltritte. Allerdings scheint der Kreml ihn in jüngster Zeit für seine Zwecke wiederentdeckt zu haben.   das erste Sommercamp am Seligersee ins Leben, das als Forum Seliger Bekanntheit erlangte. 3.000 Jugendliche kamen, besuchten Vorlesungen und Seminare, nahmen an Sportveranstaltungen und Exkursionen teil. Zwar wird immer wieder behauptet, dass die wesentliche Aufgabe des Lagers darin bestehe, einen neuen russischen Patriotismus zu schaffen. Doch scheinen die TeilnehmerInnen dem stark emotionalen Gruppenerlebnis weitaus größere Bedeutung beizumessen als der politischen Ideologie.2

Bis 2008 war das Camp ausschließlich Mitgliedern der Jugendorganisation Naschi vorbehalten. 2009 wurde es zum Allrussischen Jugend-Bildungsforum erklärt und steht seither den OrganisatorInnen zufolge allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem In- und Ausland offen. Längst nicht alle BesucherInnen kommen aus politischem Interesse. Einige junge RussInnen sind auf der Suche nach privaten Geldgebern für ihre Geschäftsideen und wollen dabei die Vernetzungsmöglichkeiten nutzen, die das Lager bietet.3 TeilnehmerInnen aus dem Ausland führen nicht selten Abenteuer- oder Reiselust sowie die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, als Gründe für ihren Besuch an.4

Im Sommer 2015 fand das Allrussische Jugend-Bildungsforum erstmals am Fluss Kljasma im Gebiet Wladimir statt. Die Bezeichnung Forum Seliger taucht nicht mehr auf. Stattdessen wurde das Lager in Terra Scientia (Territorija smyslow) umbenannt.5 Es ist schwierig zu beurteilen, welchen Einfluss Naschi bzw. die Regierungspartei Einiges RusslandDie Partei Einiges Russland ist der parlamentarische Arm der Regierung. Ihre Wurzeln entstammen einem Machtkampf zwischen Jelzin und seinen Herausforderern im Jahr 1999. Danach entwickelte sie sich schnell zu einer starken politischen Kraft: Seit 2003 hat sie eine absolute Mehrheit der Parlamentssitze inne. Obwohl sie durchaus eine Stammwählerschaft entwickelt hat, verdankt sie ihren Erfolg zu großen Teilen Putins persönlicher Beliebtheit. derzeit auf das Nachfolge-Camp ausüben. Die Erwartungen und Ansprüche der TeilnehmerInnen scheinen jedenfalls nur bedingt den Vorstellungen der OrganisatorInnen zu entsprechen. Daher ist fraglich, inwieweit die Leitung des Lagers ihre Ziele überhaupt umsetzen kann. Da das Camp aber weiterhin vom russischen Staat finanziert wird, ist eine regierungsnahe Ausrichtung zumindest naheliegend.


1.Heller, Regina (2008): Die russische Jugendbewegung „Naschi“: Aufstieg und Fall eines polittechnologischen Projekts in der Ära Putin, in: Russland-Analysen Nr. 168, S. 3
2.Schmid, Ulrich (2006): Naschi – Die Putin-Jugend: Sowjettradition und politische Konzeptkunst, S. 9f., in: Osteuropa 56 (5), S. 5-18
3.Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: Die Hüter des Feuers
4.Neue Zürcher Zeitung: Im politischsten Wald Russlands
5.siehe: Territorija smyslov na kljazʼme
dekoder unterstützen
Weitere Themen

Farbrevolutionen

Als Farbrevolutionen bezeichnet man eine Reihe friedlicher Regimewechsel in post-sozialistischen Ländern. Diese wurden unter anderem durch gesellschaftliche Großdemonstrationen gegen Wahlfälschungen ausgelöst. Aufgrund der Farben beziehungsweise Blumen, mit denen die Bewegungen assoziiert werden, ist der Sammelbegriff Farbrevolutionen entstanden. Stellt der Begriff für die politische Elite in Russland eine Bedrohung ihrer Macht dar, verbinden oppositionelle Kräfte damit die Chance auf einen Regierungswechsel.

Alexej Nawalny

Der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny wurde im sogenannten Kirowles-Prozess vor Gericht zu einer Haftstrafe von fünf Jahren auf Bewährung verurteilt. Doch seine Kampagne für die Präsidentschaftswahl 2018 geht zunächst weiter. Jan Matti Dollbaum über die Hintergründe.

Mitja Aleschkowski

Aleschkowski ist ein Fotograf, Blogger und Aktivist. In Russland wurde er 2012 bekannt, als er durch seine Koordination wesentliche Hilfe bei einer verheerenden Flutkatastrophe leistete. Anschließend baute er in Russland eine erfolgreiche zivilgesellschaftliche Hilfsorganisation auf.

Bolotnaja-Bewegung

Bolotnaja-Bewegung ist eine oft, aber nicht immer, abwertend gebrauchte Bezeichnung für die Proteste gegen Wahlfälschung und das Einiges Russland in den Jahren 2011–13, insbesondere deren Hochphase von Dezember 2011 bis Mai 2012. Der Begriff leitet sich vom Bolotnaja-Platz im Moskauer Stadtzentrum ab, auf dem drei der größten Demonstrationszüge (10.12.2011, 4.2.2012, 6.5.2012) endeten. Ein verwandter Begriff ist der Bolotnaja-Prozess. Dieser bezieht sich auf die Massenverhaftungen und anschließenden Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit dem Marsch der Millionen am 6.5.2012 auf dem Bolotnaja-Platz.

Sergej Gandlewski

Sergej Gandlewski (geb. 1952) ist ein bekannter russischer Schriftsteller, Dichter und Übersetzer.

Seit seiner Jugend schreibt er Gedichte, die allerdings bis zum Ende der 1980er Jahre nur im Ausland erscheinen konnten. Er war während der Sowjetzeit gemeinsam mit anderen Schriftstellern wie Lew Rubinschtein in sowjetischen literarischen Untergrundzirkeln aktiv und veröffentlichte in dieser Zeit im Samisdat. Für seine in mehrere Sprachen übersetzten Werke hat Gandlewski verschiedene Literaturpreise erhalten, darunter 2010 die wichtigste russische Auszeichnung für Dichter, den „Poet“.

Im September 2014 unterzeichnete Gandlewski zusammen mit 6.000 weiteren Intellektuellen eine Erklärung gegen die russische Aggression in der Ukraine.

Wassily Kandinsky

Wassily Kandinskys künstlerisches Erbe gehört zum Kanon der russischen und deutschen Kunstgeschichte. Dem expressionistischen Frühwerk folgte eine von den Klängen und Harmonien der Musik inspirierte Malerei. Kandinsky war 1911 Mitbegründer der Künstlervereinigung des „Blauen Reiters“ und in den 1920er Jahren Meister am Bauhaus in Weimar und Dessau.

weitere Gnosen
Szene aus dem Film Kin-dsa-dsa! (All rights reserved)