Medien
Gnose Belarus

Swetlana Tichanowskaja

Am 26. Mai haben Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo den Aachener Karlspreis erhalten. Faire freie Wahlen – mit diesem Ziel ging das Wahlbündnis um Swetlana Tichanowskaja in den politischen Kampf gegen den belarussischen Machthaber Lukaschenko. Seit sie ins Exil musste, entwickelte sich Tichanowskaja zur wichtigsten politischen Stimme ihres Landes. Das Porträt einer Politikerin, die nie eine sein wollte.

Gnose

NATO-Russland Beziehungen

Schweden und Finnland reagieren auf Russlands Krieg gegen die Ukraine und beantragen den NATO-Beitritt. Schon zuvor hangelten sich die Beziehungen zwischen dem Militärbündnis und Russland von einem Tiefpunkt zum nächsten. Ulrich Schmid zeichnet die gegenseitigen Hoffnungen und Enttäuschungen nach, von den 1990er Jahren bis heute. 

Gnose Ukraine

Odessa

Tor zum globalen Handel, Magnet für Kaufleute und Abenteurer, kultureller Schmelztiegel, wo „alles einen Hauch Europa versprüht“: Historiker Boris Belge über Odessa, die Stadt, die durch Umbrüche, vielfache Neuerfindung geprägt ist – und nun durch den russischen Angriffskrieg einer existentiellen Bedrohung ausgesetzt ist. 
 

Gnosen
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Die Präsidenten-Grants für Nichtregierungsorganisationen

Das Programm finanziert seit 2007 jährlich „sozial bedeutende“ Projekte von russischen NGOs und ist das Vorzeigeinstrument staatlicher Förderung der Zivilgesellschaft. Obwohl es dafür kritisiert wird, ineffizient zu sein und ideologisch-konservative Schlagseite zu haben, sind in der Vergangenheit auch oppositionelle Organisationen gefördert worden.

Nach dem Rückzug der meisten ausländischen Geldgeber in den 2000er Jahren klagen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) über enorme Ressourcenknappheit. Entgegen aller Vorwürfe aus dem In- und Ausland, dass die russische Zivilgesellschaft unterdrückt werde – zuletzt nach der Verabschiedung des Gesetzes „Über die ausländischen Agenten“ im Jahre 2012 – spricht Wladimir Putin seit vielen Jahren immer wieder davon, wie wichtig die Zivilgesellschaft für die Entwicklung des Landes sei. Eines der Instrumente staatlicher Unterstützung von NGOs sind die Präsidenten-Grants, ein seit 2007 alljährlich erneuertes Förderungsprogramm für „sozial bedeutende“ Projekte. Die zu vergebende Gesamtsumme ist stetig und deutlich gestiegen (2015 circa 4,2 Milliarden Rubel, etwa 55 Millionen Euro) und wird von gegenwärtig acht großen NGOs verteilt. Die Zuteilung erfolgt durch Wettbewerbe bezüglich verschiedener Themenbereiche, wie z. B. Bildung und Kultur, Schutz von individuellen Rechten und Freiheiten und soziale Versorgung von hilfebedürftigen Teilen der Bevölkerung.

Das Programm steht u. a. aufgrund fehlender Transparenz und Ineffizienz für die Kurzzeitförderung von weniger als einem Jahr in der Kritik.1 Demnach nutzt es vor allem schon etablierten, großen NGOs, trägt aber wenig zur Entwicklung kleiner und junger Organisationen bei. Außerdem ist zu beobachten, dass die Wettbewerbsresultate oft den politischen Kurs der Regierung widerspiegeln, wenn etwa  viele Projekte im Bereich patriotischer Bildung und Kultur mit besonders hohen Summen gefördert werden.2 Allerdings bekamen in der Vergangenheit auch oppositionell eingestellte Akteure Geld, so zum Beispiel im Jahre 2013 die Ural-Abteilung der Wahlbeobachtungsorganisation GOLOS oder die Organisation Memorial, die die Erinnerung an Verbrechen während der Stalin-Zeit bewahrt.3 Beide Organisationen waren als „ausländische Agenten“ (vgl. NGO-„Agentengesetz“​) gebrandmarkt worden. Ebenso wurden die Juristenvereinigung Agora, welche u. a. durch die Vertretung von Angeklagten in den Bolotnaja-Prozessen bekannt wurde, und die Moskauer Helsinki-Gruppe, die älteste Menschenrechtsorganisation Russlands, mit Fördergeldern bedacht.

Die Präsidenten-Grants sind aber nicht das einzige Instrument staatlicher Zivilgesellschaftsförderung. Das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung hat seit einigen Jahren ein eigenes, russlandweites Programm installiert. Außerdem werden seit einiger Zeit gesetzliche und institutionelle Rahmen für Wohltätigkeitsaktivitäten von großen Unternehmen und privaten Spendern gesteckt und auch die Bedingungen für Freiwilligenarbeit verbessert.

 

1.opendemocracy.net: Russian NGOs: the funding realities
2.rbk.ru: Krupnye prezidentskie granty dostalisʼ proektam o knjaze Vladimire
3.tass.ru: Golos human rights association to receive presidential grant
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Gnose

„Agentengesetz“

Vor dem Hintergrund der Bolotnaja-Proteste hat die russische Staatsduma 2012 das sogenannte „Agentengesetz“ verabschiedet. Es sanktioniert „politisch aktive“ zivilgesellschaftliche Organisationen, die finanziell aus dem Ausland unterstützt werden. Seit November 2017 können zudem auch Medien zu „ausländischen Agenten“ erklärt werden. Die Gesetze sind unklar formuliert, sodass die russische Justiz nach eigenem Ermessen entscheidet, welche Organisationen mit dem aus der Stalinzeit stammenden „Agenten“-Label versehen werden. Betroffene Organisationen müssen strenge Vorschriften einhalten, die ihre Arbeit erheblich erschweren.

Gnose

AGORA

AGORA ist eine bekannte russische Menschenrechtsorganisation, die sich juristisch für die Rechte von Aktivisten, Journalisten, Bloggern und Künstlern einsetzt. In jüngster Zeit geriet die Organisation in die Schlagzeilen, da sie vom Justizministerium als sog. ausländischer Agent registriert wurde.

Gnose

Bolotnaja-Platz

Der Bolotnaja-Platz befindet sich zwischen dem Kreml und dem alten Kaufmannsviertel Samoskworetschje im Zentrum Moskaus. Er hat im Mittelalter zunächst als Handelsplatz gedient, später kam ihm immer wieder eine wichtige politische Bedeutung zu, zuletzt während der Proteste gegen die Regierung in den Jahren 2011/12.

Gnose

Farbrevolutionen

Als Farbrevolutionen bezeichnet man eine Reihe friedlicher Regimewechsel in post-sozialistischen Ländern. Diese wurden unter anderem durch gesellschaftliche Großdemonstrationen gegen Wahlfälschungen ausgelöst. Aufgrund der Farben beziehungsweise Blumen, mit denen die Bewegungen assoziiert werden, ist der Sammelbegriff Farbrevolutionen entstanden. Stellt der Begriff für die politische Elite in Russland eine Bedrohung ihrer Macht dar, verbinden oppositionelle Kräfte damit die Chance auf einen Regierungswechsel.

Gnose

Koordinationsrat der Opposition

Der Koordinationsrat der Opposition entstand im Zuge der Massenproteste 2011/2012 als gemeinsames Gremium der am Protest beteiligten politischen Akteure. Er stellte einen Versuch dar, die außerparlamentarische Opposition zu konsolidieren und institutionalisieren. Nach etwa einem Jahr gemeinsamer Arbeit wurde jedoch immer deutlicher, dass die unterschiedlichen politischen Ansichten nicht miteinander vereinbar waren, und so stellte der Koordinationsrat Ende Oktober 2013 seine Arbeit ein.

Gnose

Alexej Nawalny

Seit seiner Verurteilung Anfang 2021 sitzt der russische Oppositionelle in Haft. Die als politisch-motiviert eingestufte Strafe ging eigentlich bis Oktober 2023. Heute wurde Nawalny zu weiteren neun Jahren verurteilt. Jan Matti Dollbaum über den inhaftierten Oppositionspolitiker.

Gnose

Boris Nemzow

Er war einer der bekanntesten Politiker Russlands und galt als scharfer Kritiker Wladimir Putins. In zahlreichen Publikationen machte er auf Misswirtschaft und Korruption in Russland aufmerksam, was ihm viele einflussreiche Gegner einbrachte. Eduard Klein über den Oppositionspolitiker, der am 27. Februar vor sieben Jahren ermordet wurde.

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Anders sein – Dissens in der Sowjetunion, © Anna Che (All rights reserved)