Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Russland exportiert in die afrikanischen Länder vor allem Rüstungsgüter und Kraftwerkstechnik. Mit einem Handelsvolumen von rund 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr gehört Russland dabei zu den kleineren Handelspartnern von afrikanischen Ländern: Das entsprechende Volumen der EU-Länder beträgt rund 300 Milliarden US-Dollar.
Ostalgie ist untrennbar mit Dingen verbunden. Der Schrott der Geschichte wurde nicht entsorgt, sondern gehortet. Nicht in Russland, nur in Deutschland. Während die Ostdeutschen Elektronik aus DDR-Zeiten sammelten und für ihr Ampelmännchen kämpften, sehnten sich die ehemaligen Sowjetbürger in den krisengeschüttelten 1990er Jahren in die „goldenen 1970er“ der Sowjetunion zurück.
AIDS wurde in der Sowjetunion als Resultat vermeintlich kapitalistischer Übel, wie etwa Homosexualität, Prostitution und Drogen wahrgenommen – und daher lange ignoriert. Nach dem Bekanntwerden der ersten Fälle im eigenen Land wurden die Erkrankten stigmatisiert und die Bevölkerung nur schleppend aufgeklärt.
Gazprom ist das international größte Erdgasunternehmen: Auf Gazprom entfallen rund 69 Prozent der russischen und 12 Prozent der weltweiten Gasförderung. Die Aktienmehrheit gehört dem russischen Staat. Das Unternehmen beschäftigt knapp eine halbe Million Menschen und ist der größte Gas-, Strom-, und Wärmelieferant in Russland.
Vom Fall der Mauer erfuhr Moskau erst aus den Nachrichten, der Botschafter selbst hatte geschlafen. Wobei die sowjetischen Medien zunächst zurückhaltend bis gar nicht berichteten – es war ein heikles Thema und, was noch schwerer wog, es gab genug eigene innenpolitische Probleme, die breit diskutiert wurden und täglich auf die Agenda drängten. Am 9. November 1989 war die UdSSR zu einem Beobachter geworden. Da Michail Gorbatschow Gewalt ausschloss, musste Moskau die neuen Realitäten akzeptieren.
SWR (Slushba wneschnei raswedki, dt. Dienst der Außenaufklärung) ist der russische Auslandsnachrichtendienst. Er wird seit Oktober 2016 von Sergej Naryschkin (geb. 1954) geleitet und untersteht direkt dem Präsidenten Russlands.
Michail Gorbatschow (1931–2022) gilt in Russland heute oft als „Totengräber der Sowjetunion“. Die Gründe, warum er im eigenen Land derartig ungeliebt ist, lassen sich drei Bereichen zuordnen: Erstens hängt dies unmittelbar mit Gorbatschows politischem Handeln in seiner Regierungszeit zusammen, zweitens lässt sich die Kritik an ihm auf ein sehr lückenhaftes historisches Gedächtnis der russischen Bevölkerung zurückführen und drittens haben die auf ihn folgenden Regierungen seine Reformen gezielt dämonisiert, um mit dieser Abgrenzung den eigenen politischen Kurs zu legitimieren.
Seit den zahlreichen Konzertverboten Ende 2018 und der aktiven Teilnahme einiger Musiker an den Protesten im Sommer 2019 wachsen die Fangemeinden von Künstlern, die in ihren Liedern Kreml- und gesellschaftskritische Töne anschlagen. Gleichzeitig sucht der Kreml nach einer Strategie, mit der er die gegenkulturell orientierte Musik in kontrollierbare Bahnen lenken kann.
Erdöl war die Grundlage der Wirtschaft in der UdSSR und ist es im heutigen Russland immer noch. Metaphorisch auch als „Blut der Erde“ oder „Schwarzes Gold“ bezeichnet, gilt es nicht nur als wichtigste Energiequelle, sondern auch als Motor der Geschichte insgesamt. Ilja Kalinin über kulturhistorische Aspekte des Erdöls.
In einer Menschenkette zwischen Tallinn, Vilnius und Riga demonstrierten am 23. August 1989 über eine Millionen Menschen friedlich für die Unabhängigkeit der baltischen Republiken von der Sowjetunion. Das Datum war nicht zufällig gewählt, es war der 30. Jahrestag des Hitler-Stalin-Pakets: Das Zusatzprotokoll des Bündnisses hatte die Aufteilung Osteuropas geregelt, 1940 hatte die Sowjetunion die baltischen Republiken annektiert. Die Menschenkette 1989 hatte vor allem eine große smybolische Kraft, auch in westlichen Medien wurde darüber berichtet. Die Unabhängigkeit erlangten die baltischen Republiken allerdings erst in Folge des Augustputsch 1991.
Am 23. August 1939 unterzeichneten Hitlers Außenminister Joachim von Ribbentrop und Stalins Außenkommissar Wjatscheslaw Molotow in Moskau den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag. Das Vertragswerk sah die Neutralität bei Konflikten mit Dritten vor und einen Verzicht auf gegenseitige Gewaltanwendung. In einem geheimen Zusatzprotokoll, dessen Existenz von der Sowjetunion jahrzehntelang geleugnet wurde, legten beide Regime ihre Einflusszonen in Osteuropa fest. Der so genannte Hitler-Stalin-Pakt bildete die Grundlage für den Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa.
Der Vaterländische Krieg von 1812 und die für den Krieg zentrale Figur von Napoleon Bonaparte haben die russische Kultur im 19. Jahrhundert sehr stark beeinflusst. Die Persönlichkeit des französischen Kaisers wurde in Briefen, Publizistik und literarischen Werken kontrovers diskutiert. So entstanden unterschiedliche Bilder von Napoleon, sie reichen vom Idealbild des romantischen Helden bis hin zu einem Kriminellen, der sich gottgleich wähnte.