Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
mehr über Gnosen
Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Der Lubjanskaja-Platz (Lubjanka) ist ein Platz im Zentrum Moskaus, an dem die Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB liegt. Im selben Gebäude hatten zuvor der sowjetische Geheimdienst KGB sowie seine Vorgängerorganisationen ihr Hauptquartier. Der Begriff Lubjanka wird in der Umgangssprache sowohl für den Platz als auch für die Organe der Staatssicherheit verwendet.
170.000 Zeugen Jehovas leben laut Angaben der Religionsgemeinschaft in Russland. Ab 2009 berichten russische Medien zunehmend über Verhaftungen, Verbote von Schriften und Übergriffen gegen sie. Im April 2017 hat das Oberste Gericht der Russischen Föderation die Organisation als extremistisch eingestuft. Auf dieser Grundlage wurden inzwischen mehrere Menschen zu Haftstrafen verurteilt. Viele Menschenrechtler, aber auch UN-Vertreter und ausländische Politiker sehen in Verhaftungen und Verurteilungen von Zeugen Jehovas eklatante Verstöße gegen die Religionsfreiheit.
Als Heldenstädte bezeichnet man eine Gruppe von 13 Städten in der ehemaligen Sowjetunion, die für ihren Kampf gegen die Nationalsozialisten im Großen Vaterländischen Krieg mit den höchsten Orden ausgezeichnet wurden. Die Heldenstädte genießen bis heute große Verehrung, vor allem in Russland.
Andrej Bitow (1937–2018) war ein russischer Schriftsteller, der als Stammvater der postmodernen Literatur Russlands gilt. Neben dem wohl berühmtesten Roman Das Puschkinhaus hat er mehrere weitere Romane und Erzählungen geschrieben. Fast alle Texte Bitows sind Teile eines wortgewaltigen Work in Progress, das der Autor im Verlauf seines Lebens immer wieder erweitert und verändert hat.
Sergej Dorenko (1959–2019) war ein russischer Journalist, Radio- und Fernsehmoderator. Er galt vielen Russinnen und Russen als eine TV-Ikone der späten 1990er Jahre und als einer, der Wladimir Putin zum Präsidenten gemacht hat. Nach heftiger Kritik an Putin im Jahr 2000 kehrte Dorenko dem Fernsehen den Rücken. Von 2014 bis zu seinem Tod im Mai 2019 leitete er die Redaktion des Radiosenders Govorit Moskva (dt. „Hier spricht Moskau“).
Im Rule of Law Index 2019 des World Justice Project findet sich Russland auf Rang 88 von 126 Staaten. Bei Menschenrechten ist das Land punktgleich mit Sambia und Tansania auf Platz 104, in der Kategorie „Bindung von Regierung und Staat an Recht und Gesetz“ steht Russland auf Rang 112, punktgleich mit Honduras. Seit dem Amtsantritt Putins im Jahr 2000 schlägt das Pendel der Bewertung von Recht und Rechtsstaat in Russland zurück ins Negative.
Der Handel zwischen Russland und China ist seit 2014 offiziell um rund 54 Prozent gewachsen. Auch sicherheitspolitisch haben sich die Länder seit der Krim-Angliederung 2014 angenähert. Die Intensivierung des 2012 vom Kreml proklamierten „Schwenks nach Asien“ sollte die sanktionsbedingten Einbußen Russlands ausgleichen, im Endeffekt versetzt er das Land allerdings zunehmend in die Rolle des Juniorpartners.
Der Samowar (dt. etwa: Selbstkocher) ist ein großes Wassergefäß, das aus Metallen, meistens Kupfer, gefertigt wird. Im Inneren befindet sich ein Kamin, der zum Anheizen durch ein Rohr verlängert wird. In seiner heutigen Form am Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt, hatte der Samowar im ausgehenden 19. Jahrhundert seinen Weg in nahezu alle Salons und Küchen des russländischen Imperiums gefunden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte sich der Samowar auf lange Sicht nicht gegen den elektrischen Wasserkocher und den Beuteltee durchsetzen, hat aber heute noch seinen festen Platz in vielen russischen Küchenregalen.
Sogenannte „ideologisch untragbare“ Musik wurde in der Sowjetunion strafrechtlich verfolgt. Seit den frühen 1980er Jahren versuchten staatliche Behörden, solche Musik in kontrollierbare Bahnen zu lenken. Dieser Kanalisierungsversuche scheiterten jedoch weitgehend. Heute gilt die damalige Musik als ein Motor der Perestroika: Sie habe, so die Argumentation, den Lebensstil der Protest- in die Massenkultur transportiert.
Das Haus der Regierung ist ein von 1928 bis 1931 errichtetes Wohnhaus unweit des Kreml. Es liegt am Ufer des Flusses Moskwa und wird deshalb üblicherweise als das Haus an der Uferstraße (dom na nabereshnoi) bezeichnet. Es verkörpert die Geschichte der frühen Stalin-Ära wie kaum ein anderes Gebäude: Hier lebten mitunter die mächtigsten Menschen der Sowjetunion, unter anderem Minister, Mitglieder des Politbüros, Marschälle und Admiräle. Rund 800 Bewohner des Hauses fielen 1936 bis 1938 dem Großen Terror zum Opfer. Heute gilt das Gebäude als eine der besten Adressen Moskaus.
FSB (Federalnaja slushba besopasnosti, dt. Föderaler Sicherheitsdienst) ist der Inlandsgeheimdienst Russlands. Er ging aus dem sowjetischen Geheimdienst KGB hervor, der nach dem Ende der Sowjetunion zerschlagen wurde. Heute gehören Spionageabwehr, Terrorismusbekämpfung, aber auch organisierte Kriminalität und Wirtschaftskriminalität zum Arbeitsgebiet des FSB. Schätzungsweise rund 350.000 Menschen arbeiten heute für die Behörde.
Die gebürtige Generalstochter Alexandra Kollontai (1872–1952) sagte sich früh von dem wohlhabenden Haus ihrer Eltern los. Sie war Berufsrevolutionärin, Volkskommissarin, welterste Diplomation und auch Literatin – ein Leben lang setzte sie sich vor allem für die Rechte der Frauen ein. Sie propagierte auch die freie Liebe und Sexualität, doch solche Vorstellungen wurden in der Sowjetunion bald zugunsten einer rigiden Sexualmoral abgelöst. Nach langen Jahren als Diplomatin im Ausland, setzte sie sich in Moskau zur Ruhe, wo sie schließlich starb. Kollontai war eine Anhängerin Stalins und fand allem Anschein nach bis zu ihrem Tod nicht die Kraft, sich von dem Regime loszusagen.