Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Noize MC (Iwan Alexejew, geb. 1985) ist einer der bekanntesten russischen Rapper. Sein vielseitiger Stil verbindet Hip-Hop mit dreckigem Gitarrensound und Anlehnungen an die Klassiker der russischen Poesie. Seit 2022 gilt Noize als sogenannter „ausländischer Agent“, er lebt mit seiner Familie im Exil in Litauen.
In Russland protestieren vor allem Frauen gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine. Allein oder in konspirativ organisierten Gruppen kämpfen sie gegen das Blutvergießen und für die Rückkehr ihrer Männer und Söhne.
Mit dem Untergang der Sowjetunion gingen auch deren Helden baden. Dabei hatten sich Generationen von „künftigen“ Champions und Helden an ihnen aufgerichtet.
Wladimir Kara-Mursa (geb. 1981 in Moskau) ist ein russischer Oppositioneller und Sohn des früheren NTW-Nachrichten-Reporters Wladimir Kara-Mursa senior. Aufgewachsen ist er in London, studiert hat er in Cambridge, gearbeitet hat er vor allem als Journalist in Russland und in den USA. Seit April 2023 verbüßt er eine 25-jährige Haftstrafe in einem sibirischen Straflager – wegen kritischer Äußerungen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine (nach dem „Fake-News-Gesetz), der Zusammenarbeit mit einer „unerwünschten Organisation“ sowie „Hochverrat“. Das Urteil gilt als politisch motiviert. Kara-Mursa ist dafür bekannt, sich auf internationaler Ebene stets für Sanktionen gegen Russland eingesetzt zu haben. Auch auf sein Wirken geht die von den USA im Jahr 2012 verabschiedete sogenannte Magnitski-Liste zurück. Kara-Mursas Haftstrafe ist die höchste, die ein politischer Gefangener in der Geschichte Russlands bisher jemals erhalten hat.
Pjotr Tschaikowskis Ballett Schwanensee ist in Russland eine historische Referenz – Requiem für sowjetische Staatsmänner und Begleitmusik zum Untergang der Sowjetunion selbst. Mahnung an die Endlichkeit des Regimes und Erinnerung daran, dass am Ende das Gute über das Böse siegt.
Die Union von Brest aus dem Jahr 1596 hob die griechisch-katholische Kirche in Osteuropa aus der Taufe. Aus dieser gingen später die Belarussische Griechisch-Katholische Kirche (BGKK) und die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (UGKK) hervor. Die Gründung der griechisch-katholischen Kirche bedeutete eine Zäsur für Teile Osteuropas: Diese sogenannte unierte Kirche war ein offizieller Zusammenschluss zwischen orthodoxer und römisch-katholischer Kirche. Die Besonderheit ist bis heute, dass die Kirche weiterhin den orthodoxen Ritus pflegt, gleichzeitig aber dem Papst in Rom untersteht. Mit der Union strebten die orthodoxen Bischöfe nach rechtlicher Gleichstellung im katholisch geprägten Polen-Litauen. Religion war zur Frage politischer Loyalität geworden. Das russische Reich drängte die griechisch-katholische Kirche später wieder zurück, zu Sowjetzeiten war sie wegen Kollaborationsverdacht mit den deutschen Besatzern verboten. Die Kirche wurde 1991 offiziell wieder anerkannt. In Belarus bildet sie heute eine Minderheit.
Sergej Kirijenko (geb. 1962) ist einer der beiden Ersten stellvertretenden Leiter der Präsidialadministration. Er verantwortet unter anderem die Propaganda im Internet, die Jugendarbeit und die Integration der annektierten ukrainischen Gebiete. Sein gleichrangiger Kollege Alexej Gromow (geb. 1960) verwaltet vor allem die Propaganda in analogen Organen.
Wladimir Potanin (geb. 1961) ist Bankenmogul und Generaldirektor von Norilsk Nickel – einem der größten Buntmetall-Unternehmen der Welt. Auf seinen Impuls hin entstand 1995 das „Aktien-für-Kredite“-Programm, das als Geburtsstunde der Oligarchie gilt.
Konstantin Ernst (geb. 1961) ist seit 1999 Generaldirektor des Ersten Kanals – ein de facto staatlicher Fernsehsender und eines der zentralen Propagandaorgane des Kreml. Für „die Mitwirkung bei der Verbreitung von anti-ukrainischer Propaganda“ steht Ernst unter zahlreichen internationalen Sanktionen.
Nikolaj Statkewitsch (geb.1956), von seinen Anhängern Mikola genannt, ist ein belarussischer Oppositionspolitiker. Mit der Perestroika fand der Militärangehörige seinen Weg in die Politik. Er verschrieb sich den Ideen der Belarussischen Volksfront „Wiedergeburt“”, wurde aber letztlich der Anführer der sozialdemokratischen Partei Hramada, weil er soziale Themen für essentiell hielt, um die Zukunft von Belarus zu gestalten. Mit der Wahl Lukaschenkos 1994 wurde Statkewitsch zu einem seiner unbeugsamsten Widersachern. Die Folge: unzählige Haftstrafen. Bereits im Vorfeld der Proteste von 2020 wurde er erneut inhaftiert und schließlich zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.
Bis September 2023 gab es in Russland rund 20.000 Festnahmen wegen Antikriegshaltung. Gab es zu Beginn der breit angelegten russischen Invasion in die Ukraine noch größere Straßenproteste in russischen Städten, so wurde der Protest später viel anonymer. Wegen mehrerer neuer repressiver Gesetze verlagerte er sich ins Internet, ins Exil, in verschlüsselte Botschaften und Symbole.
Die russische Kriegspropaganda bedient sich zunehmend popindustrieller Mechanismen. Zahlreiche Lieder, virale Videos in sozialen Netzwerken, Serien, Filme, Graffiti und andere Formen patriotischer Massenkunst sollen die Richtigkeit dieser Politik vermitteln. Z-Pop zeichnet sich aus durch einfache Botschaften, die Wiederholung immer gleicher Formeln, hochemotionale sprachliche und visuelle Motive sowie eine Orientierung an unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.