Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
mehr über Gnosen
Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Pjotr Tschaikowskis Ballett Schwanensee ist in Russland eine historische Referenz – Requiem für sowjetische Staatsmänner und Begleitmusik zum Untergang der Sowjetunion selbst. Mahnung an die Endlichkeit des Regimes und Erinnerung daran, dass am Ende das Gute über das Böse siegt.
Die Union von Brest aus dem Jahr 1596 hob die griechisch-katholische Kirche in Osteuropa aus der Taufe. Aus dieser gingen später die Belarussische Griechisch-Katholische Kirche (BGKK) und die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (UGKK) hervor. Die Gründung der griechisch-katholischen Kirche bedeutete eine Zäsur für Teile Osteuropas: Diese sogenannte unierte Kirche war ein offizieller Zusammenschluss zwischen orthodoxer und römisch-katholischer Kirche. Die Besonderheit ist bis heute, dass die Kirche weiterhin den orthodoxen Ritus pflegt, gleichzeitig aber dem Papst in Rom untersteht. Mit der Union strebten die orthodoxen Bischöfe nach rechtlicher Gleichstellung im katholisch geprägten Polen-Litauen. Religion war zur Frage politischer Loyalität geworden. Das russische Reich drängte die griechisch-katholische Kirche später wieder zurück, zu Sowjetzeiten war sie wegen Kollaborationsverdacht mit den deutschen Besatzern verboten. Die Kirche wurde 1991 offiziell wieder anerkannt. In Belarus bildet sie heute eine Minderheit.
Sergej Kirijenko (geb. 1962) ist einer der beiden Ersten stellvertretenden Leiter der Präsidialadministration. Er verantwortet unter anderem die Propaganda im Internet, die Jugendarbeit und die Integration der annektierten ukrainischen Gebiete. Sein gleichrangiger Kollege Alexej Gromow (geb. 1960) verwaltet vor allem die Propaganda in analogen Organen.
Wladimir Potanin (geb. 1961) ist Bankenmogul und Generaldirektor von Norilsk Nickel – einem der größten Buntmetall-Unternehmen der Welt. Auf seinen Impuls hin entstand 1995 das „Aktien-für-Kredite“-Programm, das als Geburtsstunde der Oligarchie gilt.
Konstantin Ernst (geb. 1961) ist seit 1999 Generaldirektor des Ersten Kanals – ein de facto staatlicher Fernsehsender und eines der zentralen Propagandaorgane des Kreml. Für „die Mitwirkung bei der Verbreitung von anti-ukrainischer Propaganda“ steht Ernst unter zahlreichen internationalen Sanktionen.
Nikolaj Statkewitsch (geb.1956), von seinen Anhängern Mikola genannt, ist ein belarussischer Oppositionspolitiker. Mit der Perestroika fand der Militärangehörige seinen Weg in die Politik. Er verschrieb sich den Ideen der Belarussischen Volksfront „Wiedergeburt“”, wurde aber letztlich der Anführer der sozialdemokratischen Partei Hramada, weil er soziale Themen für essentiell hielt, um die Zukunft von Belarus zu gestalten. Mit der Wahl Lukaschenkos 1994 wurde Statkewitsch zu einem seiner unbeugsamsten Widersachern. Die Folge: unzählige Haftstrafen. Bereits im Vorfeld der Proteste von 2020 wurde er erneut inhaftiert und schließlich zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.
Bis September 2023 gab es in Russland rund 20.000 Festnahmen wegen Antikriegshaltung. Gab es zu Beginn der breit angelegten russischen Invasion in die Ukraine noch größere Straßenproteste in russischen Städten, so wurde der Protest später viel anonymer. Wegen mehrerer neuer repressiver Gesetze verlagerte er sich ins Internet, ins Exil, in verschlüsselte Botschaften und Symbole.
Die russische Kriegspropaganda bedient sich zunehmend popindustrieller Mechanismen. Zahlreiche Lieder, virale Videos in sozialen Netzwerken, Serien, Filme, Graffiti und andere Formen patriotischer Massenkunst sollen die Richtigkeit dieser Politik vermitteln. Z-Pop zeichnet sich aus durch einfache Botschaften, die Wiederholung immer gleicher Formeln, hochemotionale sprachliche und visuelle Motive sowie eine Orientierung an unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.
Das Pionierlager Artek auf der Krim wurde 1925 erst als Sanatorium für Tuberkulosevorsorge eröffnet. Bereits in den 30er Jahren wurde das Lager zur Ikone stilisiert und ist zum Traumland und Wunschziel einiger Generationen der Pioniere geworden. Seit den 1960er Jahren verbrachten jeden Sommer insgesamt 20.000 Kinder ihre Ferien in Artek. Nach dem Zerfall der UdSSR wurde das Lager von der Ukraine weiterbetrieben und kam mit der Angliederung der Krim wieder unter russische Verwaltung.
Der als „Putins Koch“ bekannte Jewgeni Prigoshin (1961–2023) war der Chef der Söldnergruppe Wagner. Im Februar 2023 hat die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen gegen ihn eingeleitet. Außerdem galt Prigoshin als Gründer und Financier zahlreicher Desinformations- und Propagandakanäle. Am 23. Juni 2023 hat er seine Söldnertruppe zu einem aufsehenerregenden „Marsch der Gerechtigkeit“ auf Moskau geschickt, einen Tag später brach er seinen Aufstand ab. Zwei Monate später ist er mutmaßlich bei einem Flugzeugabsturz umgekommen.
Nur unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren die belarussisch-polnischen Beziehungen von einer gewissen Offenheit und Konstruktivität geprägt. Mit der Wahl Alexander Lukaschenkos zum Präsidenten in Belarus und mit der Rückkehr zum Autoritarismus verkomplizierte sich das Verhältnis, das auch immer wieder durch die staatlichen Repressionen gegen die polnische Minderheit in Belarus auf die Probe gestellt wird. Nach der Niederschlagung der Proteste 2020 sind zehntausende Belarussen nach Polen geflohen. Die belarussische Führung hat sich unheilvoll in den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verstrickt. Dies hat die polnisch-belarussischen Beziehungen fast vollständig zum Erliegen gebracht.
Alexej Gromow (geb. 1960) ist einer der zwei Ersten stellvertretenden Leiter der Präsidialadministration. Er gilt als ein enger Vertrauter des Präsidenten und verantwortet laut zahlreichen Hinweisen die russische Propaganda in den analogen Medien. Sein Kollege Sergej Kirijenko (geb. 1962) ist ebenfalls Erster stellvertretender Leiter der Präsidialadministration. Er gilt unter anderem als Verantwortlicher für die Propaganda in den Onlinemedien.