Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Nur unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren die belarussisch-polnischen Beziehungen von einer gewissen Offenheit und Konstruktivität geprägt. Mit der Wahl Alexander Lukaschenkos zum Präsidenten in Belarus und mit der Rückkehr zum Autoritarismus verkomplizierte sich das Verhältnis, das auch immer wieder durch die staatlichen Repressionen gegen die polnische Minderheit in Belarus auf die Probe gestellt wird. Nach der Niederschlagung der Proteste 2020 sind zehntausende Belarussen nach Polen geflohen. Die belarussische Führung hat sich unheilvoll in den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verstrickt. Dies hat die polnisch-belarussischen Beziehungen fast vollständig zum Erliegen gebracht.
Alexej Gromow (geb. 1960) ist einer der zwei Ersten stellvertretenden Leiter der Präsidialadministration. Er gilt als ein enger Vertrauter des Präsidenten und verantwortet laut zahlreichen Hinweisen die russische Propaganda in den analogen Medien. Sein Kollege Sergej Kirijenko (geb. 1962) ist ebenfalls Erster stellvertretender Leiter der Präsidialadministration. Er gilt unter anderem als Verantwortlicher für die Propaganda in den Onlinemedien.
Noch bis ins 18. Jahrhundert sprachen die Menschen auf den Gebieten des heutigen Russland, Belarus und der heutigen Ukraine zahlreiche ostslawische, baltische oder finnische Mundarten. Als Schriftsprachen dominierten das Polnische im Großfürstentum Litauen und das Kirchenslawische im Moskauer Reich. Russisch als Standardsprache entwickelte sich im 18. Jahrhundert aus mittelrussischen Mundarten rund um Moskau und aus Elementen des Kirchenslawischen. Das Ukrainische und das Belarussische als Standardsprachen entwickelten sich auf der Grundlage verschiedener ukrainischer und belarussischer Mundarten. Die Kiewer Rus war ein sprachlicher melting pot, bei dem an das Russische, das Ukrainische und das Belarussische, so wie wir es heute kennen, noch gar nicht zu denken war.
Alexej Djumin (geb. 1972) ist seit 2016 Gouverneur der Region Tula. Der frühere stellvertretende Verteidigungsminister erregte im Juni 2023 Aufsehen durch seine mutmaßliche Beteiligung an der Abwendung von Prigoshins „Marsch“ nach Moskau. Als Putins ehemaliger Leibwächter pflegt er enge Beziehungen zum russischen Präsidenten.
Die Vereinigung KRP (Klub rassershennych patriotow, Klub der zornigen Patrioten) ist im März 2023 auf Initiative von Igor Strelkow als eine Reaktion auf die militärischen Misserfolge der russischen Invasion in der Ukraine entstanden. Der Klub positioniert sich als Kriegspartei und Plattform zur Konsolidierung der rechten Opposition in Russland.
Im Juni 1953 kam es in mehreren Städten und Ortschaften der DDR zu massenhaften Protestaktionen, die ihren Höhepunkt am 17. Juni erreichten. Die kommunistische Partei verlor zunehmend die Kontrolle. Nachdem die Nachricht die Sowjetunion erreichte, ergriff Moskau die Initiative und der Aufstand wurde mit dem Einsatz von sowjetischen Panzern und Soldaten brutal niedergeschlagen. Als Reaktion auf den Aufstand wurde in der DDR der Überwachungs- und Repressionsapparat ausgebaut.
Weltweit sprechen etwa 258 Millionen Menschen Russisch als Mutter-, Erst- oder Zweitsprache. Keineswegs alle von ihnen identifizieren sich als Russinnen oder Russen. Alessandro Achilli, Miriam Finkelstein und Nina Frieß über die weltweit verteilten Inseln russophoner Kulturen und die Strategien, den russischen Vertretungsanspruch einzudämmen und zurückzudrängen.
Alexej Balabanow (1959–2013) war ein russischer Regisseur, Szenarist und Produzent. Die meisten seiner Filme spielen im Russland der späten 1980er und 1990er Jahre. Die Protagonisten sind oft in die Ecke gedrängte Außenseiter, die aus ihrer Situation mit Gewalt ausbrechen. Wegen seiner ständigen Frage nach gängigen gesellschaftlichen Normen und Verstößen wurde Balabanow oft mit Dostojewski verglichen.
Jewgeni Roisman (geb. 1962) ist ein oppositioneller russischer Politiker, von 2013 bis 2018 war er Bürgermeister der Stadt Jekaterinburg. Wegen seiner wiederholt kritischen Aussagen zum russischen Krieg gegen die Ukraine wurde der Politiker 2022 zu mehreren Geldstrafen verurteilt. Im November 2022 wurde er zum sogenannten „ausländischen Agenten“ erklärt. Außerdem ist er unter anderem wegen „Diskreditierung der russischen Streitkräfte“ angeklagt, ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft.
YouTube ist die letzte westliche Social-Media-Plattform in Russland, die noch frei zugänglich ist. Mit über 90 Millionen Nutzerinnen und Nutzern pro Monat ist die Reichweite immens, viel größer als von Instagram oder Twitter (beide blockiert). Wer unabhängige Informationen zum Krieg gegen die Ukraine sucht, kann sie dort finden. Viele geblockte Medien sind deswegen zu YouTube gewechselt. Allerdings konkurrieren sie dort mit den Fakes und der massiven Desinformation der russischen Staatspropaganda. Wohl auch deshalb hat die Staatsführung YouTube bisher nicht gesperrt.
Capital Bra (geb. 1994) brachte 2018/2019 innerhalb von 12 Monaten 13 Nummer-eins-Chart-Hits heraus. Auch andere Rapper ukrainischer und russischer Herkunft sind in Deutschland heute so populär wie nie zuvor. Trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine setzen viele von ihnen die Ukraine mit Russland und auch Belarus gleich.
Minsk ist die Hauptstadt von Belarus und eine Metropole, in der ein Fünftel der belarussischen Bevölkerung zuhause ist. Im ganzen Land leben rund neun Millionen Menschen. Erstmals im Jahr 1067 erwähnt, blickt Minsk auf eine über tausendjährige Geschichte zurück, in der die Stadt unter wechselnden Herrschaftseinflüssen stand. Im Mittelalter war sie Teil des Großfürstentums Litauen, in der Neuzeit des russischen Zarenreichs. 70 Jahre Sowjetunion prägen Minsk bis heute. So weist die Stadt sowohl sozialistische Traditionen als auch europäische Kulturmuster auf, während große postmoderne Paläste die Insignien des herrschenden Autoritarismus unter Alexander Lukaschenko bilden.