Gnosen

Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.  

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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.  

Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat. 

Editorial: Gnose und Gnu


  • Gnose

    Russisches YouTube

    YouTube war die letzte westliche Social-Media-Plattform in Russland, die noch frei zugänglich war. Wer unabhängige Informationen zum Krieg gegen die Ukraine sucht, kann sie dort finden. Viele geblockte Medien sind deswegen zu YouTube gewechselt. Allerdings konkurrieren sie dort mit den Fakes und der massiven Desinformation der russischen Staatspropaganda. Wohl deswegen war YouTube in Russland lange Zeit nicht gesperrt.

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  • Gnose

    Deutschrap und der russische Krieg gegen die Ukraine

    Capital Bra (geb. 1994) brachte 2018/2019 innerhalb von 12 Monaten 13 Nummer-eins-Chart-Hits heraus. Auch andere Rapper ukrainischer und russischer Herkunft sind in Deutschland heute so populär wie nie zuvor. Trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine setzen viele von ihnen die Ukraine mit Russland und auch Belarus gleich. 

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  • Gnose

    Heldenstadt Minsk

    Minsk ist die Hauptstadt von Belarus und eine Metropole, in der ein Fünftel der belarussischen Bevölkerung zuhause ist. Im ganzen Land leben rund neun Millionen Menschen. Erstmals im Jahr 1067 erwähnt, blickt Minsk auf eine über tausendjährige Geschichte zurück, in der die Stadt unter wechselnden Herrschaftseinflüssen stand. Im Mittelalter war sie Teil des Großfürstentums Litauen, in der Neuzeit des russischen Zarenreichs. 70 Jahre Sowjetunion prägen Minsk bis heute. So weist die Stadt sowohl sozialistische Traditionen als auch europäische Kulturmuster auf, während große postmoderne Paläste die Insignien des herrschenden Autoritarismus unter Alexander Lukaschenko bilden.

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    Ilja Jaschin

    Ilja Jaschin (geb. 1983) ist einer der bedeutendsten russischen Oppositionspolitiker. Er gehörte zunächst der Oppositionspartei Jabloko an, schließlich folgte er Boris Nemzow in die PARNAS. Mit seinem Einsatz für freie Wahlen und aufgrund mitunter spektakulärer Protestaktionen erregte er größere Aufmerksamkeit. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 entschied sich Jaschin, in Russland zu bleiben. Er verurteilte den Krieg lautstark und öffentlich – trotz des im März 2022 in Kraft getretenen Zensurgesetzes. Auf dessen Grundlage wurde er im Dezember 2022 schließlich wegen „Verbreitung von Fake-Nachrichten über den Krieg“ zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

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  • Gnose

    Die Beziehungen zwischen Belarus und der Ukraine seit 1991

    Das Verhältnis zwischen Belarus und der Ukraine war lange Zeit weitgehend konfliktfrei. Im Vordergrund stand für beide Länder, im wirtschaftlichen Interesse gut miteinander auszukommen. Grund für mögliche Spannungen gab es, allen voran die russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Der belarussische Machthaber Lukaschenko erkannte die Krim offiziell nicht an, blieb aber an der Seite des Kreml. Doch erst das Jahr 2020, als Lukaschenko die Freiheitsbewegung in seinem Land niederschlagen ließ, führte zu ersten, tiefen Rissen zwischen Belarus und der Ukraine. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Partnerschaft in ihren Grundfesten erschüttert.

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    Serhij Zhadan

    Serhij Zhadan, geboren 1974 in der ostukrainischen Kleinstadt Starobilsk, ist ein ukrainischer Lyriker, Schriftsteller, Übersetzer, Musiker und Kulturaktivist. Zudem promovierte er über den ukrainischen Futurismus. Mit Romanen wie Anarchy in the UKR (2007), Die Erfindung des Jazz im Donbass (2012), Mesopotamien (2015) oder Internat (2018) wurde er zu einer der prägendsten Stimmen der jüngeren ukrainischen Literatur. In seinem Werk befasst er sich mit den Folgen der gesellschaftspolitischen Umbrüche seit der Unabhängigkeit der Ukraine. Auch mit seiner Ska-Band Zhadan i sobaky genießt er große Popularität in seiner Heimat und anderen europäischen Ländern.

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    Russland und die Türkei

    Als einziges NATO-Mitglied hat sich Ankara nicht den vom Westen verhängten Sanktionen gegen Moskau angeschlossen. Russland ist vom westlichen Know-How abgeschnitten und will das durch intensivere Handelsbeziehungen mit der Türkei kompensieren. Auch für die Türkei ist die Zusammenarbeit mit Russland nur schwer verzichtbar. Gleichzeitig erlaubt gerade die Bindung an den Westen der Türkei, den Dialog mit Russland auf Augenhöhe zu führen.

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    Francisk Skorina

    Francisk Skorina (1470 bis ca.1551, belarus. Francysk oder Francišak Skaryna) war der erste Ostslawe, der Bücher druckte. Sein Meisterwerk, dem er seinen Ruhm verdankt, ist die Biblija ruska, mit der er die Heilige Schrift möglichst vielen ostslawisch-orthodoxen Gläubigen zugänglich machen wollte. Die Skorina-Bibel wurde 1517 bis 1519 in Prag gedruckt, wo er die Hochzeit seines Druckerlebens verbrachte. Die nächste Station war Vilnius, wo er vor 500 Jahren das Kleine Reisebuch druckte. So ist Skorina heute auch eine Symbolfigur für die multikulturelle Gesellschaft Litauens – und letztendlich ein Visionär in der Kulturgeschichte einer ganzen Region.

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    Echo Moskwy

    Echo Moskwy wurde 1990 gegründet und war der erste unabhängige Rundfunksender der Sowjetunion. Der Sender erreichte täglich in vielen Regionen Russlands einige Millionen Zuhörer und befand sich stets unter den Top Ten der Moskauer Radiosender. Echo Moskwy wurde oft als eine Bastion der Opposition verstanden. Am Abend des 1. März 2022, nur wenige Tage nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die gesamte Ukraine, wurde der Sender abgeschaltet, die Website gesperrt.

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    Politische Talkshows

    Politische Talkshows zählen zu den erfolgreichsten TV-Formaten auf den russischen Staatssendern. Seit 2014 erlebt dieses Genre, das erst während der Perestroika aufkam und als Forum des neuen Meinungspluralismus diente, eine Renaissance – allerdings unter veränderten Vorzeichen. Heute dienen die täglichen Sendungen vor allem der Selbstaufwertung Russlands und dem Schaffen und Pflegen von Feindbildern. Ein rauer Ton und inszenierte Skandale zählen zum Standardrepertoire von Sendungen wie 60 minut oder Wremja pokashet (dt. Die Zeit wird es zeigen).

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    Finnisch-russische Beziehungen

    Die Staatswerdung Finnlands war im 19. Jahrhundert konstitutiv an das Russische Kaiserreich geknüpft. Ehemals eine schwedische Provinz ist Finnland Anfang des 19. Jahrhunderts zum autonomem Teil des russischen Imperiums geworden und erhielt erst nach der Revolution 1917 die Unabhängigkeit, die jedoch über keine Garantien verfügte. Nach dem Winter- und dem Zweiten Weltkrieg führte Finnland eine Politik der Selbst-Neutralisierung ein: Die Souveränität des Landes sollte nicht losgelöst von der Nachbarschaft mit Russland betrachtet werden. Die Entscheidung der NATO beizutreten, stellt eine fundamentale politische Zäsur dar. 

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    Swetlana Tichanowskaja

    Swetlana Tichanowskaja (geb. 1982, belarussisch: Swjatlana Zichanouskaja) ist eine parteilose belarussische Politikerin. Bei der Präsidentschaftswahl im August 2020 ist sie als Kandidatin gegen den amtierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko angetreten. Die Wahl war offensichtlich manipuliert, das offizielle Wahlergebnis von rund 80 Prozent für Lukaschenko war teils nachweislich gefälscht. Tichanowskaja, die den Wahlsieg zunächst für sich reklamiert hat, musste Belarus offenbar unfreiwillig in Richtung Litauen verlassen. Seither ist sie aus dem Exil heraus die wichtigste Leitfigur der organisierten belarussischen demokratischen Opposition.

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