Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Häusliche Gewalt ist ein verbreitetes Problem in Russland und wird dennoch als Normalität akzeptiert. Allein in den Jahren 2021-2022 sind in Russland fast 1000 Frauen von ihren Partnern oder nahen Verwandten getötet worden. Mit der Rückkehr kriegstraumatisierter russischer Soldaten aus den Kämpfen gegen die Ukraine verschärft sich die Situation, zumal bereits verurteilte Straftäter unter ihnen sind. Eine Gnose von Regina Elsner über die Entwicklung häuslicher Gewalt und die Rolle von Staat, Kirche und Zivilgesellschaft.
Polazk, älteste Stadt im heutigen Belarus, war im 12. Jahrhundert – neben Kyjiw und Nowgorod – eins der wichtigsten wirtschaftlichen sowie kulturellen Zentren der Kyjiwer Rus. Durch skandinavische Einflüsse und polnische Kontakte stand die Stadt dabei viele Jahrhunderte lang unter lateineuropäischem Einfluss. Erst im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde Polazk – im Zuge der Teilung von Polen-Litauen – Teil des Zarenreichs. Darauf folgte eine Russifizierung des Gebietes. Bekannt ist Polazk unter anderem für den Buchdrucker Franzysk Skorina (1470 bis ca. 1551), der dort geboren wurde.
Kolonialimperien – das sind immer die anderen? Der russländische Staat hat seit dem 16. Jahrhundert sein Territorium bis auf das 22-Fache vergrößert. Von der Eroberung Sibiriens bis zur angeblichen „Brüderlichkeit der Sowjetvölker“ zeigt sich die Kontinuität des russischen Kolonialismus im heutigen Krieg gegen die Ukraine besonders deutlich. Wie sähe eine Dekolonialisierung Russlands aus?
Olga Skabejewa (geb. 1984) ist eine russische Fernsehmoderatorin. Seit 2016 moderiert sie zusammen mit ihrem Mann die Talkshow 60 minut auf dem Staatskanal Rossija-1. Die Sendung ist eine zentrale Stimme der Kreml-Propaganda, Skabejewa befindet sich seit der russischen Vollinvasion in die Ukraine auf zahlreichen Sanktionslisten westlicher Staaten.
Margarita Simonjan (geb. 1980) ist die Chefin des 2005 gegründeten Auslandssenders RT (ehemals Russia Today) und der Staatlichen Medienholding Rossija Sewodnja. Im Fernsehen und auf Social Media erreicht sie mit ihrer anti-westlichen Desinformationspropaganda ein Millionenpublikum.
Bereits ab Ende der 1990er Jahre haben die belarussische und chinesische Staatsführung ihre Beziehungen intensiviert. Aber erst mit der Wahl von Xi Jinping zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei und später zum Präsidenten Chinas wurde Belarus zu einem wichtigen Partner für die wirtschaftlichen Interessen und Strategien der Volksrepublik. Kamil Klysinski erklärt, in welcher Hinsicht sich die Beziehungen erfolgreich entwickelten und wo eher enttäuschend.
Die Sopranistin Anna Jurjewna Netrebko (geb. 1971) erhielt ihre Ausbildung am Leningrader Konservatorium. Sie zählt zu den bekanntesten Opernsängerinnen der Gegenwart, ihre Auftritte sind regelmäßig ausverkauft. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hat sie sich zwar vom Krieg distanziert, nicht jedoch von ihrem Förderer Wladimir Putin.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs setzten viele Jüdinnen und Juden große Hoffnungen in den neuen sozialistischen Staat. Denn im Zarenreich war es immer wieder zu grausamen antisemitischen Pogromen gekommen. Von der Sowjetunion erhofften sich Jüdinnen und Juden nun eine Verbesserung ihrer Lebenssituation, die nach der Februarrevolution zunächst auch tatsächlich einzutreten schien. Doch anders als von einigen marxistischen Theoretikern vorhergesagt, verschwanden die antisemitischen Vorurteile im realsozialistischen Staat nicht – was vor allem unter Stalin auch immer wieder zu Diskriminierungswellen, antisemitischen Kampagnen und Fluchtbewegung führte.
Maria Sacharowa (geb. 1975) leitet seit 2015 die Pressestelle des russischen Außenministeriums. Sie ist bekannt für ihre ständige Präsenz in politischen Talkshows und äußert sich häufig in den sozialen Netzwerken. Damit wurde sie zu einem der meistzitierten russischen Diplomaten.
Noize MC (Iwan Alexejew, geb. 1985) ist einer der bekanntesten russischen Rapper. Sein vielseitiger Stil verbindet Hip-Hop mit dreckigem Gitarrensound und Anlehnungen an die Klassiker der russischen Poesie. Seit 2022 gilt Noize als sogenannter „ausländischer Agent“, er lebt mit seiner Familie im Exil in Litauen.
In Russland protestieren vor allem Frauen gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine. Allein oder in konspirativ organisierten Gruppen kämpfen sie gegen das Blutvergießen und für die Rückkehr ihrer Männer und Söhne.
Mit dem Untergang der Sowjetunion gingen auch deren Helden baden. Dabei hatten sich Generationen von „künftigen“ Champions und Helden an ihnen aufgerichtet.