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Nikolaj Leskow

Maxim GorkiMaxim Gorki (1868–1936) war ein russischer Schriftsteller. Er verkehrte in revolutionären Kreisen und begründete 1905 die bolschewistische Zeitung Nowaja Shisn (dt. Neues Leben) mit, bei der Lenin als Chefredakteur arbeitete. Spätestens nach der Veröffentlichung seiner beiden Theaterstücke Der Kleinbürger (1902) und Nachtasyl (1904) wurde er in Russland so populär, dass die verschiedenen Versuche der politischen Führung, gegen ihn vorzugehen, immer wieder große Proteste auslösten. Ab 1913 kam es zwischen Gorki und Lenin zu Auseinandersetzungen über die Revolution und deren Ziele, die zu einer zeitweisen Emigration Gorkis aus Russland führten. Nach Lenins Tod wurde er 1927 offiziell als proletarischer Schriftsteller anerkannt. Seine Geburtsstadt Nishni Nowgorod wurde ihm zu Ehren 1932 in Gorki umbenannt, sein Werk Die Mutter sollte fortan als Vorbild für die neue sowjetische Literatur dienen. hielt seine Bücher für geschriebene Ikonen, TolstoiLew Tolstoi (1828–1910) war einer der bedeutendsten Schriftsteller der russischen Literatur. Sein literarisches Schaffen umfasst drei große Romane (Krieg und Frieden, Anna Karenina und Auferstehung), viele Erzählungen, Dramen und religionsphilosophische Traktate. Während er in der Literatur als von allen geliebter Superlativ gilt, wurde seine religiöse Lehre stark kritisiert und ihm selbst Moralismus und Utopismus vorgeworfen. sah in ihm den russischsten aller Autoren. Seine Geschichten hörte er dem Volk ab und verarbeitete sie in kühnen, mitunter schwer verständlichen Sprachexperimenten. Von vielen Zeitgenossen angefeindet, ist Nikolai Leskow (1831–95) der vielleicht eigentümlichste Schriftsteller unter den großen russischen Realisten. Seine Biographie erschütterten literarische Skandale.

Leskows Ahnentafel war bunt gemischt: die Mutter aus verarmtem Adel, der Vater Untersuchungsbeamter zu Gericht und der Großvater ein Priester. Nikolaj ging in Orjol zur Schule, 1849 folgte der Umzug nach Kiew. Jahre später nahm er einen Reisejob in der Handelsfirma seines Onkels an, der ihn in viele Regionen des Reiches führte. Leskows Biographen betonen, dass die Eindrücke dieser Fahrten auf ihn wie ethnographische Studien wirkten und er dort mit den Sitten des Volkes und den sozialen Realitäten vertraut wurde: Eine Erfahrung, die sein literarisches Werk entscheidend stimulieren sollte.

Serow-Portrait von 1894 © GemeinfreiLeskow schrieb im verfänglichen intellektuellen Milieu der zweiten Jahrhunderthälfte, als erbitterte politische Konflikte mithilfe von Literatur ausgetragen wurden. Autoren und Kritik waren hier zu politischen Positionierungen gezwungen, und Leskow, der sich weder auf die Seite der radikalen Demokraten noch auf die der Konservativen schlagen mochte, fand sich in diesem radikalisierten Klima schnell isoliert.

Er begann 1860 als Journalist und veröffentlichte nach dem Umzug nach St. Petersburg auch literarische Texte. Im März 1862 kam es zu einem ersten Konflikt mit der politischen Linken: Nachdem auf zwei Märkten Feuer ausgebrochen waren, entstanden Gerüchte, dass radikale Studenten dafür verantwortlich seien. In einem Artikel wollte Leskow die Studenten gegen diesen Vorwurf verteidigen und forderte eine Aufklärung der Vorkommnisse. Die Linke interpretierte dies jedoch als Angriff gegen sich und brandmarkte ihn als Reaktionär. Leskow verarbeitete diese Anschuldigungen 1864 in seinem ersten Roman Nekuda (dt. Ohne Ausweg), einer Polemik auf die radikale Bewegung der 60er Jahre, doch galt er nun als Persona non grata unter den Radikalen.

Waren die frühen Erzähltexte stärker sozialkritisch, so rückten mit dem Roman Soborjane (dt. Die Klerisei) zu Beginn der 1870er Jahre religiöse und moralische Themen ins Zentrum. Leskow war jedoch kein Anhänger der orthodoxen KircheDie Russisch-Orthodoxe Kirche ist die christliche Kirche mit der größten Glaubensgemeinschaft in Russland. Prägend für ihr Verhältnis zum russischen Staat ist das von der byzantinischen Mutterkirche übernommene Ideal der Symphonie, d. h. einer harmonischen Beziehung zwischen Staat und Kirche. Vor 1917 galt die Orthodoxie neben der Autokratie und dem „Volk“, genauer: einem volksverbundenen Patriotismus, als eine der wichtigsten Stützen des russischen Staates und des Zarenreichs – eine Traditionslinie, die heute wieder wirksam scheint., sondern vertrat ein moralisches Christentum und warb besonders in seinen späten Werken für religiöse Toleranz. Er verfasste Satiren auf die offizielle Kirche und nutzte religiöse Motive, um Themen der nationalen Identität und des Russischseins zu entfalten. Davon zeugt etwa die Erzählung um die IkonenDie Ikonenverehrung ist ein zentrales Element der orthodoxen Glaubenspraxis. Als Kultbilder der orthodoxen Kirchen zeigen sie Christus, die Gottesmutter Maria und andere Heilige, zuweilen auch biblische Szenen. Um nach traditioneller Praxis verehrt werden zu können, muss eine Ikone von der Kirche geweiht sein. Durch die Ikone gelangen Gläubige in einen direkten Kontakt mit den dargestellten Heiligen und indirekt auch zu Gott. einer Gruppe AltgläubigerAltgläubige (in der wörtlichen Übersetzung: Altritualisten) ist eine Sammelbezeichnung für Gruppen orthodoxer Gläubiger, die sich im Laufe der 1650er und 1660er Jahre von der russisch-orthodoxen Kirche lösten. In dieser Zeit reformierte Patriarch Nikon die Riten und Texte des Gottesdienstes, um sie griechischen und südslawischen Praktiken anzugleichen. Gegner der Reformen wurden verfolgt und zu Tausenden hingerichtet. Um den Repressionen zu entkommen, siedelten viele sich in entlegenen Landesteilen an, wo sie teilweise bis heute ihren Glauben praktizieren. Zapetschatljonny angel (dt. Der versiegelte Engel) von 1873.

Eine wichtige Quelle war die Volksdichtung: Die legendenhafte Erzählung Otscharowanny strannik (dt. Der verzauberte Pilger) oder etwa Lewscha (dt. Der Linkshänder, 1881) imitieren mündliche Erzähltraditionen und wurden als folkloristische Loblieder auf die Stärke Russlands und die moralischen Tugenden des einfachen Volkes patriotisch interpretiert.

Leskows stilistische Experimente bestanden oft in virtuosen Imitationen von mündlichen Redestilen einzelner Sprechertypen, nicht selten Figuren aus dem einfachen Volk wie Bauern, Soldaten oder Geistliche: Er schuf in diesem skaz genannten Verfahren eine radikale Vielstimmigkeit, die er mitunter bis zur Künstlichkeit übersteigerte.

Im Spätwerk rückte der Aspekt der moralischen Erziehung durch Kunst in den Blick Leskows. Er näherte sich hier – wie auch in der Ablehnung von Staat und orthodoxer Kirche – den Positionen Lew TolstoisLew Tolstoi (1828–1910) war einer der bedeutendsten Schriftsteller der russischen Literatur. Sein literarisches Schaffen umfasst drei große Romane (Krieg und Frieden, Anna Karenina und Auferstehung), viele Erzählungen, Dramen und religionsphilosophische Traktate. Während er in der Literatur als von allen geliebter Superlativ gilt, wurde seine religiöse Lehre stark kritisiert und ihm selbst Moralismus und Utopismus vorgeworfen. an, dem er 1887 begegnete und den er als Persönlichkeit verehrte. Zermürbt von Zensur und enttäuscht vom autoritären zaristischen StaatsregimeZar Alexander III. (1845–1894) regierte Russland als vorletzter Kaiser (1881–1894). Seine Regierungszeit prägten eine repressive Innen- und eine auf Ausgleich bedachte Außenpolitik. Am Ende des 19. Jahrhunderts fühlte er sich zunehmend vor Herausforderungen der Moderne gestellt, sei es in Gestalt politischer Ideen wie des Liberalismus oder durch technische Innovationen wie dem Projekt der Transsibirischen Eisenbahn. am Jahrhundertende waren seine letzten Texte von Pessimismus und Verbitterung gekennzeichnet. Er starb vereinsamt in Moskau an den Folgen einer jahrelangen Herzerkrankung.

Wenngleich Leskow ein Opfer der politischen Grabenkämpfe seiner Zeit war, galt er doch bereits zu Lebzeiten als einer der wichtigsten Prosaautoren des 19. Jahrhunderts, der insbesondere auf moderne Autoren wie Tschechow oder Remissow großen Einfluss ausübte. In der Sowjetunion wegen der Vielzahl an religiösen Themen suspekt beäugt, erschienen dort seine Werkausgaben nur unvollständig und gekürzt. Erst seit Mitte der 1990erDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. Jahre wird in Russland an einer vollständigen Gesamtausgabe gearbeitet.

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Szene aus dem Film Mne dwadzat Let (All rights reserved)