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Batenka

Die Welt spielt verrückt? Für Jegor Mostowschtschikow und seine Freunde steht das lange fest, als sie dieser verrückten Welt eine Plattform bieten wollen, die die Skurrilitäten um sie herum in Worte zu fassen versucht. Poetisch manchmal, philosophisch oft oder eben einfach nur voller Rätsel und Empörung. 2007 ist das, in Kiew, als die Idee für batenka.ru entsteht. Ein kunstvoll gemachtes Online-Magazin, das nach eigenen Angaben mehr als 40.000 Leser im Monat hat.

„Batenka“ heißt eigentlich „Väterchen“, auch „Alter“. Es klingt liebevoll und verachtend zugleich. Der volle Name des Online-Mediums lautet allerdings Batenka, da wy Transformer (dt. „Batenka, Sie sind ja ein Transformer“), wobei die Macher ihr Produkt nicht als Medium, sondern als SamisdatDer Begriff Samisdat kommt aus dem Russischen und bedeutet Selbstverlag. Er beschreibt die Herstellung und Verbreitung von Texten in den sozialistischen Staaten Ost(mittel)europas ohne offizielle Druckgenehmigung an den staatlichen Zensurbehörden vorbei. Seit Anfang der 1960er Jahre wurde die Herstellung und Verbreitung von illegaler Literatur in der Sowjetunion als „antisowjetische Agitation und Propaganda“ verfolgt. Auch in Polen, der Tschechoslowakei oder Ungarn blieben derartige Aktivitäten nicht ungeahndet. Mehr dazu in unserer Gnose bezeichnen, als Selbstverlag. Wie der Samisdat zu Sowjetzeiten nicht systemkonforme Literatur verbreitet hat, so will auch Batenka eine Alternative zu nachrichtengesättigten Medien sein. Inzwischen entstehen unter der Dachorganisation Mamichlapinatana neben Batenka auch ein Radio, ein Buchverlag, eine Nachrichtenagentur, ein Hotel samt Kunstraum in Moskau und Games. Das Geld für diese Projekte verdienen die Batenka-Gründer inzwischen über Content Marketing, Medienberatung und verschiedene Dienstleistungen (Design, Programmierung etc.), die sie bei Mamichlapinatana anbieten.

Für Batenka selbst schreiben namhafte russische Journalisten genauso wie Studenten der Journalistik. Auch die Gründer, die stets einen Blick auf die sich transformierende Welt werfen, haben Journalistik an der Moskauer Staatsuniversität (MGU) studiert. Jegor Mostowschtschikow hat als Autor für einige russische Zeitungen geschrieben, wie Novaya Gazeta, Kommersant, The New Times, Russki Reporter, und war später Online-Chefredakteur von Snob – bis Batenka nicht mehr nur nebenher zu machen war. Chefredakteur wurde Grigori Tumanow, der sagt: „Die Medien heute sind mehr Community denn Information.“

Batenka bedient sich keiner Fotos, die bereits irgendwo anders zu sehen waren. Stattdessen wird jeder Text eigens für die Seite illustriert. Auch das Maskottchen der Seite ist von Designern entworfen. Es soll den reisenden und stets suchenden Wissenschaftler Theodor Glagolew darstellen, dessen Notizbuch die Batenka-Gründer einst auf einem Flohmarkt in London gefunden haben. Ein Mann mit Schnurrbart, der sich im 19. Jahrhundert viele Gedanken über die Apokalypse machte. Genau das, was auch Jegor Mostowschtschikow und dem Mitinitiator Anton Jarosch beim Akquirieren von Texten so wichtig ist.

Batenka bietet sieben Rubriken. Bei „Ressourcen“ geht es um Themen wie Suizid, Sex und Alkohol, bei „Zusammenschluss“ um Bereiche wie Familie, Partei, Religion, „Verehrung“ zählt „Diktatoren der Woche“ und „Muskeln der Welt“ auf, Ästhetik bietet Bücher-, Film- und Kunstbesprechungen, beim Radio Glagolev-FM werden Lieder abgespielt. Dabei greift Batenka durchaus die aktuelle Nachrichtenlage in der Welt auf, geht die Themen aber stets kunstvoll an. Die Texte sind oft mehr literarischer denn journalistischer Natur.

Text: Inna Hartwich
Stand: Februar 2019

Eckdaten

Gegründet: 2007
Gründer: Jegor Mostowschtschikow, Anton Jarosch
Chefredakteur: Grigori Tumanow
URL: www.batenka.ru


Teil des Dossiers „Alles Propaganda? Russlands Medienlandschaftgefördert von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
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Selbstgedreht, 1987, Foto © Gennady Bodrov/The Lumiere Brothers Center for Photography (All rights reserved)