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„Krieg bedeutet vor allem Opfer“

Am 22. Juni 1941 überfiel NS-Deutschland die Sowjetunion. Der Historiker Alexander EtkindAlexander Etkind (geb. 1955) ist ein russischer Historiker, der seit 2013 als Professor für Geschichte russisch-europäischer Beziehungen am European University Institute in Florenz arbeitet. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Kolonisation Russlands, russische Protestbewegungen sowie Erinnerungskulturen in Osteuropa. Von 2010 bis 2013 leitete er das internationale Forschungsprojekt Memory at War: Cultural Dynamics in Poland, Russia, and Ukraine. spricht im Interview über die Erinnerung an den Großen Vaterländischen KriegAls „Vaterländischer Krieg“ ging Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812 in die russische Geschichtsschreibung ein. Die russische Armee, für die der Überfall unerwartet kam, unternahm einen über mehrere Wochen dauernden Rückzug bis in die Tiefe des Landes hinein. Die erste große und blutige Schlacht, die für den Ausgang des Krieges entscheidend zu sein schien, fand in Borodino bei Moskau statt. Zwar hat die Grande Armée taktisch gesiegt und im Anschluss Moskau besetzt, jedoch waren die Verluste so groß, dass Napoleon bald selbst den Rückzug antreten musste. Im Dezember 1812 wurde Napoleons Armee an der russischen Grenze nahezu vollständig vernichtet.Als Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte., den sowjetischen Sieg und über die Doppelrolle Stalins. Und er sagt, warum er es heute so wichtig findet, sich daran zu erinnern, dass der Kalte Krieg nie gänzlich eskaliert ist.

Quelle Meduza

Alexander Gorbatschow: Sie haben eingehend die Erinnerung an die Stalinschen RepressionenAls Großen Terror bezeichnet man die staatlichen Repressionen gegen die sowjetische Bevölkerung zwischen 1936 und 1938. Der Begriff wurde durch die gleichnamige Monographie des britischen Historikers Robert Conquest geprägt. Während des Großen Terrors wurden Schätzungen zufolge rund 1,6 Millionen Menschen verhaftet, etwa 680.000 von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Die Repressionen erfolgten in mehreren Wellen. Waren zunächst vor allem hohe Parteikader betroffen, gerieten im Laufe der Zeit immer neue Gesellschaftsgruppen ins Visier der Sicherheitsorgane. Eine juristische Aufarbeitung dieser Verbrechen fand bis heute nicht statt. erforscht und auch, wie der Schmerz und die Trauer um die Opfer des GulagDer Begriff Gulag steht im weitesten Sinne für das sowjetische Lagersystem und damit für den Terror und den Repressionsapparat, den die kommunistische Partei der Sowjetunion zum Erhalt ihrer Macht aufbaute. GULag ist die Abkürzung für Hauptverwaltung der Erziehungs- und Arbeitslager. Diese Verwaltungsstruktur existierte von 1922 bis 1956 und unterstand dem sowjetischen Sicherheitsdienst. in der heutigen Kultur weiterleben. Die Erinnerung an den KriegIm heutigen Russland gibt es kein homogenes „kollektives Gedächtnis“ an den Krieg, sondern mehrere mit-, neben-, und gegeneinander existierende und agierende Bilder der Kriegserinnerung. Die Verflechtung des politischen und individuellen Gedächtnisses ist das Spezifikum russischer Erinnerungskultur, zu welcher sowohl Siegesstolz als auch Trauer gehören. überschneidet sich gewissermaßen mit dieser anderen Erinnerung – zumindest chronologisch und im Schicksal tausender Menschen, die sowohl im Lager als auch im Krieg waren.

Foto © Andrej Romanenko/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0Alexander Etkind: Dieses Phänomen ist komplizierter, als es scheint. Es ist klar, dass sich die beiden Geschichten überschnitten haben: Mitunter haben Menschen im Gulag gesessen, dann an den Fronten des Zweiten Weltkriegs gekämpft, und sind schließlich wieder ins Lager gewandert. Oder die Überschneidung fand sich innerhalb der Familie: väterlicherseits saßen sie, mütterlicherseits waren sie an der Front – und allen soll gedacht werden.

In der Kultur und im historischen Gedächtnis stehen diese Themen jedoch getrennt, wie zwei Kontinente, die sich zudem weiter voneinander entfernen. Und das, denke ich, ist ein Problem.

Wie ist es dazu gekommen?

Die Gründe hierfür sind wie immer politischer Art. Die Erinnerung an den Großen Vaterländischen KriegAls „Vaterländischer Krieg“ ging Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812 in die russische Geschichtsschreibung ein. Die russische Armee, für die der Überfall unerwartet kam, unternahm einen über mehrere Wochen dauernden Rückzug bis in die Tiefe des Landes hinein. Die erste große und blutige Schlacht, die für den Ausgang des Krieges entscheidend zu sein schien, fand in Borodino bei Moskau statt. Zwar hat die Grande Armée taktisch gesiegt und im Anschluss Moskau besetzt, jedoch waren die Verluste so groß, dass Napoleon bald selbst den Rückzug antreten musste. Im Dezember 1812 wurde Napoleons Armee an der russischen Grenze nahezu vollständig vernichtet. ist das Einzige, worauf die offizielle Historiographie zur Sowjetära weiterhin stolz ist. Dabei gibt es im Grunde nichts, worauf man stolz sein sollte. Nun, ja, der Krieg war siegreich, obwohl das nur so kam, weil der Krieg ein Weltkrieg war, und nicht nur ein Vaterländischer. Das heißt, alle Opfer, auch die sinnlosen, waren gerechtfertigt, denn am Ende stand der Sieg.

Der Große Vaterländische KriegAls „Vaterländischer Krieg“ ging Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812 in die russische Geschichtsschreibung ein. Die russische Armee, für die der Überfall unerwartet kam, unternahm einen über mehrere Wochen dauernden Rückzug bis in die Tiefe des Landes hinein. Die erste große und blutige Schlacht, die für den Ausgang des Krieges entscheidend zu sein schien, fand in Borodino bei Moskau statt. Zwar hat die Grande Armée taktisch gesiegt und im Anschluss Moskau besetzt, jedoch waren die Verluste so groß, dass Napoleon bald selbst den Rückzug antreten musste. Im Dezember 1812 wurde Napoleons Armee an der russischen Grenze nahezu vollständig vernichtet. ist das Einzige, worauf die offizielle Historiographie zur Sowjetära weiterhin stolz ist. Dabei gibt es nichts, worauf man stolz sein sollte

Der Gulag, das waren nur sinnlose Opfer und keinerlei Siege, es gibt kein Mittel, hierfür eine Rechtfertigung oder Sühne zu finden. Und deshalb sind diese beiden Erinnerungsräume voneinander getrennt.

Was meinen Sie, erfolgt das aufgrund einer zielgerichteten Tätigkeit des Staates, der diese beiden Räume gleichsam getrennt hält, oder kommen da dezentere, natürlichere gesellschaftliche Mechanismen zum Tragen?

Ich glaube allgemein nicht an schöpferische Fähigkeiten des Staates. Der Staat ist in der Regel geistlos, dumm und verschwenderisch. Natürlich gibt es dort auch Leute, die man heute als creatives bezeichnen würde, die staatliche Förderungen erhalten und versuchen, die kreativen Kräfte der Bevölkerung irgendwie zu steuern, doch diese Gelder laufen in der Regel ins Leere oder richten Schaden an.

Und wenn ich mir überlege, was wir jetzt beobachten können ... Zum Beispiel die Ausstellung Russland – meine GeschichteRussland – meine Geschichte ist eine Reihe von bislang 16 historischen Themenparks, die landesweit Grundlagen über die Geschichte Russlands seit dem Altertum vermitteln. Das Konzept wurde unter anderem vom Kulturrat des Patriarchen Russlands erarbeitet, es sieht vor allem multimediale Inhalte vor. Finanziert ist das Projekt überwiegend aus öffentlichen Geldern. Laut Verantwortlichen haben bereits einige Millionen Menschen die Ausstellungen besucht. Einige russische Historiker werfen den Machern mangelhaften Umgang mit historischen Quellen vor. Auch der didaktische Zugang und Geschichtsklitterung sind häufige Kritikpunkte. . Die Ergebnisse sind mehr als jämmerlich. Deswegen glaube ich nicht an den Begriff „Geschichtspolitik“.

Es kommt nicht auf den Staat an, sondern auf das Bemühen von Einzelpersonen mit unterschiedlichen Berufen und Bestrebungen – Historiker, Schriftsteller, Filmregisseure, Museumsmitarbeiter oder einfach Enthusiasten. Diese Menschen schaffen im Dialog miteinander, durch gemeinsame Anstrengungen, einen Sinnzusammenhang, den wir rückwirkend „historisches Gedächtnis“ nennen.

Wir sagen, dass voneinander losgelöst zwei Typen der Erinnerung existieren. Und doch gibt es eine Figur, durch die diese beiden Typen miteinander verbunden sind, nämlich die Figur Stalins. Und es scheint mir, dass immer dann die Funken fliegen, wenn diese beiden Rollen Stalins gleichsam aufeinanderprallen: die des Oberkommandierenden und die des Organisators der Massenmorde.

ChruschtschowNikita Chruschtschow (1894–1971) war zwischen 1953 und 1964 Parteivorsitzender der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Er übernahm das Amt nach Stalins Tod, 1956 initiierte er mit seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Entstalinisierung des Landes. Chruschtschow betrieb ein massives Programm der Aufrüstung, dessen Auswirkungen als eine der Ursachen für die Kuba-Krise 1962 gelten. Seine Annäherung an die BRD sowie seine tiefgreifende Parteireform kosteten ihn viele Unterstützer in der KPdSU-Führung: 1964 wurde Chruschtschow gestürzt, sein Amt übernahm Leonid Breshnew. hat seinerzeit den Begriff „Personenkult“ eingeführt. Zum damaligen Zeitpunkt passte der, aber es ist längst an der Zeit, ihn zu überdenken. Es geht hier nämlich um einen Staatskult.

Es gibt Leute und ganze politische Gruppierungen, für die es wichtig ist, den Glauben an die machtvolle und lebensstiftende Rolle des Staates zu befördern. Dieser Staat manifestiert sich in der Führerfigur.

Stalin ist die ideale Verkörperung dieses Kultes, weil er so viel Macht hatte, entschlossen und grausam war und militärische Siege errang. Und – so merkwürdig das erscheinen mag – weil er ein FremdstämmigerAnspielung darauf, dass Stalin ein ethnischer Georgier war. war.

In der russischen Tradition fügt sich dieser Umstand in den Kult vom Staat als einer fremden, mystischen Kraft, die von irgendwoher aus anderen Ländern kommt, für Ordnung sorgt und Siege bringt.

Das heißt, Stalin ist nicht an sich wichtig, sondern als Schnittpunkt dieser Parameter?

Genau, als Verkörperung der Ideale russischer Staatsgläubiger. Als oberster Führer, dem alles Gute zugeschrieben wird, der aber in keinster Weise für das Schlechte verantwortlich ist. Eine solche Figur wird natürlich auch jetzt im Massenbewusstsein konstruiert, auch wenn diese Figur kein Stalin ist.

Der Krieg ist vor 73 Jahren zu Ende gegangen. Gleichwohl bleibt er weiterhin das zentrale Ereignis in der neueren Geschichte Russlands – sowohl für den Staat als auch, so wie es aussieht, für die Gesellschaft. Zumindest ist der Tag des SiegesDer Tag des Sieges wird in den meisten Nachfolgestaaten der UdSSR sowie in Israel am 9. Mai gefeiert. Er erinnert an den Sieg der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland und ist in Russland inzwischen der wichtigste Nationalfeiertag. Der 9. Mai ist nicht nur staatlicher Gedenktag, sondern wird traditionell auch als Volks- und Familienfest begangen. von allen historischen Feiertagen eindeutig derjenige, der die Massen berührt, der am stärksten sakralisiert ist, und verbindet.

Wissen Sie, der Feiertag in Russland, der die Menschen am stärksten verbindet, das ist NeujahrEin geschmückter Tannenbaum mit wechselvoller Geschichte, ein überquellender Festtagstisch und der Fernseher als ständiger Begleiter: Das russische Neujahrsfest versammelt besinnliche und kuriose Traditionen aus verschiedenen Epochen. Nachdem Peter I. versucht hatte, erste Traditionen zum Jahreswechsel zu begründen, hielten im 19. Jahrhundert die europäischen Weihnachtsbräuche in Russland Einzug. Von den Bolschewiki als bürgerlich geschmäht und gleich darauf wieder zum Leben erweckt, verbanden sie sich mit dem konfessionsübergreifenden Neujahrsabend zu einem vergnüglichen, unverwechselbaren Fest.. Und warum Neujahr? Weil das kein religiöser Feiertag ist, sondern, grob gesagt, ein astronomischer, oder noch einfacher: ein recht sinnfreier. Da wird kein Geburtstag begangen, kein Todestag; das ist ein Ritual, zu dem sich die Menschen leicht vereinigen lassen.

Auch der Tag des Sieges ist so ein Ereignis. Es ist bezeichnend, dass es ausgerechnet der Tag des Sieges ist, nicht der Tag des Kriegsbeginns, nicht der Gedenktag für die Kriegsopfer.

Das heißt: So, wie die Rituale des Tages des Sieges gestaltet sind, ist das Trauma zwar da, doch betont wird hauptsächlich das Triumphierende. Wie korreliert das damit, dass der Krieg für die meisten seiner Teilnehmer vor allem Schmerz bedeutete?

Krieg, das bedeutet vor allem Opfer. Um des Sieges willen werden Opfer gebracht. Ein Mensch, der im Krieg kämpft und an die Ziele des Krieges glaubt, geht davon aus, dass die Opfer einen Sinn hatten, dass sie gerechtfertigt und richtig waren. Und er feiert dann dieses Gerechtfertigtsein.

Rückkehr sowjetischer Soldaten aus dem Krieg im Jahr 1945 / Foto © skaramanga_1972/<span class='ph_autolink ph_blurb_gnose instapaper_ignore entry-unrelated' data-href='/de/gnose/livejournal'>LiveJournal</span><span class='ph_autolink_teaser instapaper_ignore entry-unrelated'><em>LiveJournal</em> ist ein Soziales Netzwerk, das Weblogs anbietet. Ursprünglich ein amerikanisches Unternehmen, wurde es 2007 vom russischen Unternehmer Alexander Mamut (geb. 1960) gekauft. Bis in die 2010er Jahre hinein war <em>LiveJournal</em> die am häufigsten genutzte Blogplattform Russlands.</span>

Hätte sich in Russland auch ein anderer verbindender Feiertag ergeben können? Oder war es unausweichlich, dass gerade der Sieg zum bestimmenden, sakralen Ereignis der neueren Geschichte wird?

Ich denke, es gibt Dinge, auf die das postsowjetische Russland stolz sein kann. So kann man zum Beispiel auf die Ereignisse von 1991Als Augustputsch wird der Umsturzversuch bezeichnet, der zwischen 19. und 21. August 1991 in Moskau stattfand. Eine Gruppe führender Staatsfunktionäre, die sich als Staatskomitee für den Ausnahmezustand bezeichnete, ergriff die Macht mit dem Ziel, die Sowjetunion vor dem Zerfall zu bewahren. Doch Boris Jelzin rief zum Widerstand auf, Tausende Menschen schlossen sich an und gingen auf Barrikaden. Das Scheitern des Umsturzversuchs beschleunigte den Zerfall der Sowjetunion. stolz sein, auf den unblutigen Zerfall eines RiesenreichesDer Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik.. In Russland ist oft die Ansicht zu hören, dass der Zerfall des Imperiums eine Tragödie war, ein Verbrechen, eine KatastropheAls „größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts“ bezeichnete Präsident Wladimir Putin in seiner Rede zur Lage der Nation am 25. April 2005 den Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991.. Gut: Wenn es eine Katastrophe war, dann führt einen Gedenktag zu Ehren des verlorenen Sowjetstaates ein und gedenkt seiner feierlich. Aber das passiert nicht.

Die Menschen empfinden keine Trauer um die verlorene Sowjetunion. Sie trauern um Verwandte und Vorfahren, die zu Sowjetzeiten ums Leben kamen, das waren viele Millionen

Es werden Reden gehalten, Ausstellungen organisiert, doch daraus entwickelt sich kein Ritual. Und ich denke, das hat einen Grund: Die Menschen empfinden keine Trauer um die verlorene Sowjetunion. Sie trauern um Verwandte und Vorfahren, die zu Sowjetzeiten ums Leben kamen, das waren viele Millionen. Die Menschen empfinden Schuld und Befremden – darüber, wie das alles geschehen, wie es dazu kommen konnte. Warum und wozu?

Es gibt die Geschichte zweier totalitärer Staaten, die, verwickelt in ein diplomatisches Spiel, einen Krieg begannen. Ihre irrsinnigen Staatsführer schmiedeten politische Bündnisse und kündigten sie wieder auf, wechselten innerhalb weniger Jahre mehrmals Allianzen. All das endete in einer globalen Katastrophe; letztendlich errang eine der Seiten den Sieg.

Aber auch das Bündnis, das um des Sieges willen entstanden war, zerfiel sofort wieder, und es begann ein weiterer Krieg, Gott sei Dank ein kalter. Dessen relativ unblutiger Charakter ist wohl auch etwas, worauf man heute stolz sein kann: Trotz bergeweise rostiger Waffen ist es nicht zur Explosion gekommen, wurde nicht aus Versehen ein Krieg ausgelöst. Das erforderte riesige Anstrengungen, mitunter auch Heldentaten Einzelner.

Stolz sollte man nicht darauf sein, dass etwas in die Luft gegangen ist und Tod gebracht hat, sondern umgekehrt auf das, was man geschafft hat zu verhindern.

Meinen Sie, dass es Mechanismen gibt, die es ermöglichen, etwas kollektiv zu erfahren und zu erleben, was gar nicht gewesen ist?

Gute Frage. Natürlich ist das schwer: Wie ließe sich dazu eine Ausstellung machen oder eine Parade abhalten? Die Leistungen der namenlosen Offiziere oder Beamten, die die Katastrophe abwendeten, bleiben vergessen. Wir kennen in der Regel nicht einmal ihre Namen. Oder wir erfahren nur aus purem Zufall von jemandem, der sich entschied, eine Rakete mit Atombomben nicht loszuschicken, obwohl er etwas dabei riskierte.

Stolz sollte man nicht darauf sein, dass etwas in die Luft gegangen ist und Tod gebracht hat, sondern umgekehrt auf das, was man geschafft hat zu verhindern

Man sagt, so sei die Erinnerung strukturiert. Aber wessen Erinnerung ist es, die so strukturiert ist? Ich denke, es ist die Erinnerung des Staates, die so funktioniert, dass sie den Menschen ihren eigenen, staatlichen Hierarchien folgend einen Platz zuweist, ihnen Ränge und Posten verleiht, Museen einrichtet und Ehrentafeln schafft. Und durch dieses Verhalten des Staates bleiben die wirklichen Helden oft ohne Gedenken.

Der Staat hat kürzlich die Aktion Das Unsterbliche RegimentEine Aktion, die im Jahr 2012 im sibirischen Tomsk ihren Anfang nahm: Bei den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges präsentieren Menschen in einer Prozession Portraits von Verwandten, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben. Der Name der Aktion spielt auf die Bezeichnung einer militärischen Einheit an: Unsterbliches Regiment. Mittlerweile finden ähnliche Aktionen auch in anderen Ländern statt – nicht nur im postsowjetischen Raum. im Grunde genommen vereinnahmt ...

Ja, die Initiative wurde vom Staat vereinnahmt und wird nun für dessen Zwecke instrumentalisiert. Das muss jedoch nicht immer schlecht sein.

Man muss von Fall zu Fall den eigenen Verstand einschalten, man kann keine generelle Strategie verkünden. Ich kann nichts Schlimmes daran erkennen, dass die Aktion Das unsterbliche Regiment eingesetzt wurde, um ein staatliches Ritual zu etablieren. Ja, mehr noch: Ich würde mich freuen, wenn beispielsweise die Aktion Die unsterbliche BarackeBessmertny Barak (dt. Unsterbliche Baracke) ist eine NGO und eine soziale Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Erinnerung an die Repressionen in der Sowjetunion zu bewahren. Das Projekt führt eine Datenbank mit biografischen Daten zu Verfolgten und ruft alle Menschen dazu auf, Informationen zu Betroffenen beizusteuern.  ebenfalls vom Staat aufgegriffen und Teil eines bewussten, durchdachten staatlichen Rituals würde.

„Die Aktion ,Das unsterbliche Regiment‘ wurde eingesetzt, um ein staatliches Ritual zu etablieren“ / Foto © Nikolaj Semzow/Wikipedia unter CC BY-SA 4.0

Was denken Sie, hat die konsequente Sakralisierung des Großen Vaterländischen KriegAls „Vaterländischer Krieg“ ging Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812 in die russische Geschichtsschreibung ein. Die russische Armee, für die der Überfall unerwartet kam, unternahm einen über mehrere Wochen dauernden Rückzug bis in die Tiefe des Landes hinein. Die erste große und blutige Schlacht, die für den Ausgang des Krieges entscheidend zu sein schien, fand in Borodino bei Moskau statt. Zwar hat die Grande Armée taktisch gesiegt und im Anschluss Moskau besetzt, jedoch waren die Verluste so groß, dass Napoleon bald selbst den Rückzug antreten musste. Im Dezember 1812 wurde Napoleons Armee an der russischen Grenze nahezu vollständig vernichtet.es in irgendeiner Art Einfluss auf die Haltung zu heutigen Kriegen? Nutzt der Staat den Sieg von damals zur Legitimierung heutiger Konflikte?

Die Kriege heute haben natürlich einen anderen Charakter. Der Gesellschaft ist das aber nicht ganz so bewusst. Und wenn man aus irgendeinem unglücklichen Zufall dann doch den Fernseher einschaltet, stellt man fest, dass sehr viel von dem, was dort zu hören ist, entweder ein direkter Kriegsaufruf ist (was ja übrigens eine Straftat darstellt), oder – das ist eher die dezente Form – die Furcht vor einem Krieg abschwächen, die Empfindsamkeit für dieses Thema senken soll.

In der Psychologie gibt es den Begriff der „Desensibilisierung“, der meiner Ansicht nach hier zutreffend ist: Er beschreibt eine zielgerichtete Verringerung von Empfindsamkeit. Und so etwas wird zweifellos auch erreicht, indem man einem siegreichen Krieg huldigt, der vor sehr vielen Jahren stattfand.

Wie stellt sich das aus Ihrer Sicht dar: Wohin kann die derzeitige verstärkte Kontrolle des Kriegsgedenkens führen? Bis hin zu Strafverfahren wegen „Entstellung der Geschichte“Seit 2014 ist die sogenannte Rehabilitierung des Nazismus in Russland gesetzlich verboten, Verstöße können mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden. Ein russischer Bürger wurde 2016 zu einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 Rubel [etwa 2700 Euro] verurteilt, weil er auf seinem VKontakte-Account geschrieben hatte, dass die Sowjetunion 1939 zusammen mit Deutschland Polen überfallen und damit den Zweiten Weltkrieg ausgelöst habe. Neben diesem Gesetz wird seit Februar 2018 ein Gesetzesvorhaben diskutiert, das Geschichtsklitterung des Großen Vaterländischen Krieges und Beleidigung der Gefühle von Veteranen unter Strafe stellen soll. oder wegen Hakenkreuzen in VideosLaut Gesetz ist die Verwendung von NS-Symbolen und Zeichen in Russland verboten. Da dieses Gesetz allerdings nicht explizit zwischen Gesinnungs-Propaganda und politischer Bildung unterscheidet, gibt es Kritik daran. So wurde beispielsweise ein russischer Bürger im Januar 2018 zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er ein Bild mit NS-Symbolen auf seinem VKontakte-Profil veröffentlichte. Da dieses in Russland sehr bekannte Foto auch in russischen Schulbüchern zu finden ist, nutzte der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny die Gerichtsentscheidung dazu, eine Aktion gegen die Idiotie auszurufen. Diese Aktion erregte großes Aufsehen in der Öffentlichkeit und führte zur Aufhebung der Geldstrafe. aus den Archiven? Welche Ergebnisse wird es geben?

Ich denke, gar keine. Diese Versuche werden nicht weit führen. Wenn man von der Zukunft spricht, muss man sich bemühen, sich auf minimale, aber relevante Voraussagen zu beschränken, und die allgemeinen tektonischen Verschiebungen in den Blick zu nehmen. Die können nämlich – im Unterschied zu einzelnen Ereignissen – vorausgesagt werden.

Eine solche Verschiebung stellt meines Erachtens jene Desensibilisierung dar, von der die Rede war; die verringerte Sensibilität gegenüber Gewalt, Krieg, Verhaftungen, Folter, Leiden und dem Tod als solchen. Das ist eine tektonische Verschiebung, die von Krieg kündet, ihn vorbereitet. Natürlich bedeutet das nicht, dass der Krieg tatsächlich eintreten wird. Es ist aber eine schwerwiegende Verschiebung. Und es ist eine Bewegung, die nur schwer zu stoppen ist.

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Der Große Vaterländische Krieg in der Erinnerungskultur

Als es der Roten Armee gelungen war, die deutsche Wehrmacht bei StalingradDie südrussische Stadt Wolgograd ist als Stalingrad durch das Inferno im Zweiten Weltkrieg in die Weltgeschichte eingegangen, hatte jedoch im Zarenreich einen anderen Namen tatarischen Ursprungs. Heute wird versucht, wieder stärker an die sowjetische Vergangenheit der Stadt anzuknüpfen, vor allem dadurch, dass die Stadt zu bestimmten Feiertagen wieder Stalingrad heißen darf. einzukesseln, markierte dies einen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Der Schriftsteller und Korrespondent Wassili GrossmanWassili Grossman (1905–1964) war ein sowjetischer Schriftsteller und Journalist. Während seine Reportagen aus dem Großen Vaterländischen Krieg in der Armeezeitung Krasnaja Swesda (dt. Roter Stern) gedruckt wurden, blieben die meisten seiner Nachkriegswerke in der Sowjetunion unveröffentlicht. Sein in den 1950er Jahren entstandenes – und später auch ins Deutsche übersetzte – Hauptwerk Leben und Schicksal erschien in der Sowjetunion erst 1989.  schrieb, dass die deutschen Soldaten und Offiziere in der schrecklichen Kriegssituation bei Stalingrad nicht nur die eigenen Kräfte, sondern auch die Staatspolitik, die Gesetze, die Verfassung, die Zukunft und die Vergangenheit des eigenen Volkes zunehmend in Frage stellten. 

Bei den sowjetischen Truppen sei genau das Gegenteil passiert: Der erste Sieg im Großen Vaterländischen KriegAls „Vaterländischer Krieg“ ging Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812 in die russische Geschichtsschreibung ein. Die russische Armee, für die der Überfall unerwartet kam, unternahm einen über mehrere Wochen dauernden Rückzug bis in die Tiefe des Landes hinein. Die erste große und blutige Schlacht, die für den Ausgang des Krieges entscheidend zu sein schien, fand in Borodino bei Moskau statt. Zwar hat die Grande Armée taktisch gesiegt und im Anschluss Moskau besetzt, jedoch waren die Verluste so groß, dass Napoleon bald selbst den Rückzug antreten musste. Im Dezember 1812 wurde Napoleons Armee an der russischen Grenze nahezu vollständig vernichtet.Als Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte. nach vielen Niederlagen hat die sowjetische Staatsführung gerechtfertigt. Die Frage aber, ob das Volk wegen oder trotz der Regierung siegte, blieb offen. Der Sieg bei Stalingrad bestimmte, so Grossman, den Ausgang des Kriegs, „aber der stumme Streit zwischen dem siegreichen Volk und dem siegreichen Staat ging weiter“.1 

Und dieser Streit ist noch immer nicht zu Ende. Das einst „siegreiche Volk“ streitet nun aber nicht nur mit dem Staat, sondern auch mit sich selbst und mit den späteren Generationen, die den Krieg nur in seiner medialen Gestalt wahrnehmen und beurteilen können. 

Im heutigen Russland gibt es kein homogenes „kollektives Gedächtnis“ an den Krieg, sondern mehrere mit-, neben-, und gegeneinander existierende und agierende Bilder der Kriegserinnerung. Die Verflechtung des politischen und individuellen Gedächtnisses ist das Spezifikum russischer Erinnerungskultur, zu welcher sowohl Siegesstolz als auch Trauer gehören.

Das heroische Bild vom Krieg spiegelte sich in den gigantischen Denkmal-Anlagen wider / Foto © CC0/Public Domain

Einen Konsens gibt es nicht einmal bei der Frage nach den Kriegsopferzahlen. Seit dem Kriegsende gehört die Arithmetik der Verluste zum Gegenstand der aktiven offiziellen Geschichtspolitik. Stalin wies sieben, später zehn Millionen aus – das Land durfte keine größeren Menschenverluste als die Kriegsgegner erlitten haben. „Der Preis des Sieges“ stieg auf 20 Millionen in den späten 1950ern, auf 27 Millionen in den 1980ern, bis im Februar 2017 der DumaAls Staatsduma wird das 450 Abgeordnete umfassende Unterhaus der Föderalen Versammlung Russlands bezeichnet. Im Verhältnis zu Präsident und Regierung nimmt die Duma verfassungsmäßig im internationalen Vergleich eine schwache Stellung ein. Insbesondere das Aufkommen der pro-präsidentiellen Partei Einiges Russland führte dazu, dass die parlamentarische Tätigkeit zunehmend von Präsident und Regierung bestimmt wurde. MEHR DAZU IN UNSERER GNOSE-Abgeordnete Nikolaj Semzow mit Verweis auf geheime Daten der staatlichen Plankommission der UdSSR eine weitere Zahl verkündete: 42 Millionen.2
 
Allein die Zahl von 27 Millionen, die in der Geschichtswissenschaft verankert ist, zeugt von der unvergleichlichen Dimension der Leid- und Opfererfahrung in den Ländern, die von Krieg und deutscher Besatzung betroffen waren. Der Krieg hat tiefe Spuren im Gedächtnis der Generationen hinterlassen: Es gibt kaum eine Familie im heutigen Russland und auch in der Ukraine, Belarus und anderen postsowjetischen Ländern, die vom Krieg unberührt geblieben ist. 
Die gesellschaftliche Verankerung des Themas auf der einen Seite und die übergeordnete Bedeutung der Kriegserinnerung für den Staat auf der anderen Seite bedingten die Entstehung einer vielschichtigen und dynamischen Erinnerungskultur.

Unheroischer Krieg

Auf der Ebene der privaten, familiären, alltäglichen Erinnerung war das Bedürfnis der Trauer Raum zu geben von Anfang an da. So entstand seit dem Kriegsende in jeder sowjetischen Stadt und in jedem Dorf an einer prominenten Stelle ein Denkmal, um den nicht zurückgekehrten Soldaten zu gedenken. Schlichte Obelisken oder Granitstelen waren oft anonyme Stätten privater Trauerarbeit. 
Ab den späten 1960er Jahren wurden Ehrenmale des Unbekannten Soldaten und Anlagen mit ewigem Feuer angelegt, das Gedenken an diesen Orten wurde offizieller und staatstragender. Zugleich haben diese Orte ihre Bedeutung für die gesellschaftliche Trauerarbeit nicht verloren. 
Auch in der sowjetischen Zeit war der unheroische Krieg vor allem durch den künstlerischen Diskurs wahrnehmbar, durch Literatur, Film und Musik. Der Film Die Kraniche ziehen von Michail KalatosowMichail Kalatosow war ein sowjetischer Regisseur (1903–1973), der gebürtig aus Georgien stammte. Sein 1930 erschienener Film Das Salz Swanetiens gilt als wegweisend für die spätere sowjetische Dokumentarfilmschule. Als einziger Filmemacher der sowjetischen Geschichte bekam er 1958 die Goldene Palme beim Film-Festival in Cannes für seinen Film Die Kraniche ziehen. zeigte, dass nicht alle Frauen auf ihre Geliebten warteten, und dass ein Rotarmist auch fallen kann, ohne vorher eine Heldentat zu vollbringen. 
Der Protagonist der Erzählungen von Bulat Okudshawa Bulat Okudshawa (1924–1997) war ein sowjetischer Dichter und Liedermacher. Er gilt als einer der Begründer des sowjetischen Autorenliedes – ein Barden-Genre, das er von den 1960er bis 1980er Jahren maßgeblich mit prägte. Nach der Perestroika war Okudshawa einer der Mitbegründer des Autorenverbands P.E.N. in Russland. Er engagierte sich in der demokratischen Bewegung und war eine gewichtige Stimme bei der Aufarbeitung stalinistischer und leninistischer Verbrechen.  will im Krieg nur überleben.3 Wassil BykauWassil Bykau (1924–2003) war ein sowjetischer und belarussischer Schriftsteller. Bekannt geworden ist er vor allem wegen seiner zahlreichen Erzählungen, in denen er den Großen Vaterländischen Krieg verarbeitete. Nach dem Zerfall der Sowjetunion engagierte er sich in der belarussischen demokratischen Bewegung. Die Behörden erließen ein Publikationsverbot seiner Werke, Bykau emigrierte zuerst nach Finnland, später nach Deutschland.  schilderte in seinen Erzählungen den Krieg als eine existenzielle Erfahrung, in der es keine Sieger geben kann.4 Ales AdamowitschAliaksandr (Ales) Adamowitsch (1927–1994) war ein sowjetischer und belarussischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Er schrieb mit am Szenario für den international gefeierten Antikriegsfilm Komm und sieh, der 1985 in die Kinos kam. Einige seiner Werke, in denen er vor allem den Großen Vaterländischen Krieg thematisierte, wurden auch ins Deutsche übersetzt. beschrieb in seinen Novellen die Gewalt der deutschen Besatzer auf den okkupierten Gebieten5 und zusammen mit Daniil GraninDer sowjetisch-russische Schriftsteller Daniil Granin (1919–2017) schrieb zahlreiche fiktionale, autobiographische und essayistische Texte über die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Große Bekanntheit erlangte er als Mitherausgeber des  Blockadebuchs (Blokadnaja kniga), welches erstmals persönliche Erinnerungen von Überlebenden der Blockade Leningrads einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte. Eine wichtige Säule in Granins Werk stellt die Auseinandersetzung mit der Frage nach der gesellschaftlichen und ethischen Verantwortung des Einzelnen dar, der er in zahlreichen Prosatexten am Beispiel von Wissenschaftlerfiguren nachgeht. im Blockadebuch6 – die unvorstellbare Opfererfahrung und das Hungersterben in LeningradBlokadniki ist eine Bezeichnung für die Opfer und die Überlebenden der Leningrader Blockade. Während der Belagerung der Stadt vom 8. September 1941 bis 27. Januar 1944 durch die deutsche Wehrmacht kamen über eine Million Leningrader ums Leben. Die meisten Menschen verhungerten oder erfroren, viele starben im Bomben- und Artilleriebeschuss..
 
In den frühen 1990er JahrenDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. MEHR DAZU IN UNSERER GNOSE dominierte das Bild des schrecklichen Krieges in öffentlichen Präsentationen: Zum Thema wurden die verheerenden Niederlagen der ersten Kriegsmonate, die doppelte Opfererfahrung sowjetischer Kriegsgefangener, die Not der Veteranen. Der 22. Juni, Tag des deutschen Überfalls 1941, ist seit 1996 ein staatlich anerkannter „Tag des Gedenkens und der Trauer“. An den Kriegsdenkmälern und auf den Ehrenfriedhöfen finden Gedenkzeremonien statt, die Staatsfahnen werden gesenkt und die Staatssender zeigen keine Unterhaltungssendungen.
Nicht der Sieg, sondern der „Preis des Sieges“ schien für eine kurze Zeit im Zentrum der offiziellen Erinnerungspolitik zu stehen. Auch wenn die schreckliche Erfahrung des Krieges als Diskurs an seiner dominierenden Position inzwischen stark einbüßte, existiert diese Perspektive auf den Krieg auch heute im liberalen Diskurs.7 

Staatliche Heroisierung

Der ideologische Bezug auf den Großen Vaterländischen KriegAls „Vaterländischer Krieg“ ging Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812 in die russische Geschichtsschreibung ein. Die russische Armee, für die der Überfall unerwartet kam, unternahm einen über mehrere Wochen dauernden Rückzug bis in die Tiefe des Landes hinein. Die erste große und blutige Schlacht, die für den Ausgang des Krieges entscheidend zu sein schien, fand in Borodino bei Moskau statt. Zwar hat die Grande Armée taktisch gesiegt und im Anschluss Moskau besetzt, jedoch waren die Verluste so groß, dass Napoleon bald selbst den Rückzug antreten musste. Im Dezember 1812 wurde Napoleons Armee an der russischen Grenze nahezu vollständig vernichtet. in der Sowjetzeit lässt sich mit dem Begriff des Massenheroismus zusammenfassen. Seit der Oktoberrevolution 1917Am 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. war der Heldenkult ein fester Bestandteil der sowjetischen Ideologie. In der zukunftsgerichteteten sozialistischen Weltanschauung hatte das Trauern um Opfer „historischer Prozesse“ – Revolutionen, Kriege, politische Säuberungen – keinen Platz. Die Helden, die zu ehren waren, mussten im Krieg ihr Leben opfern, besonders heldenhaft für das Vaterland sterben, wie etwa der Rotarmist Alexander MatrossowAlexander Matrossow (1924–1943) war während des Großen Vaterländischen Kriegs ein sowjetischer Soldat. Berühmt geworden ist er durch seine Selbstaufopferung, die von der sowjetischen Kriegspropaganda zur Heroisierung der Roten Armee genutzt wurde: Demnach habe Matrossow die Schießscharte eines deutschen Maschinengewehr-Bunkers mit seiner Brust verdeckt und damit das Leben seiner Kameraden gerettet. Der Ausspruch grudju na ambrasuru (dt. mit der Brust vor die Schießscharte) wurde zum geflügelten Wort, der mit nur 19 Jahren Verstorbene bekam posthum den höchsten Ehrentitel des Landes – Held der Sowjetunion., der sich auf eine Schießscharte warf, oder die Partisanin Soja KosmodemjanskajaSoja Kosmodemjanskaja (1923–1941) war während des Großen Vaterländischen Krieges eine Soldatin der Roten Armee. 1941 wurde sie als eine Diversantin (Saboteurin) ins von Deutschen besetzte Hinterland entsandt, wo sie deutsche Stützpunkte zerstören sollte. Der Auftrag gelang Kosmodemjanskaja nur zum Teil, im November 1941 wurde sie verhaftet und hingerichtet. Nach ihrem Tod wurde sie von der sowjetischen Kriegspropaganda zu einer Heldin stilisiert, ihr Name wurde in zahlreichen Liedern, Filmen und Büchern zur Heroisierung der sowjetischen Widerstands genutzt. , die auch unter der Folter ihre Mitkämpfer nicht verriet und hingerichtet wurde. 
Das heroische Bild vom Krieg spiegelte sich in den gigantischen Denkmal-Anlagen wider. Für den siegreichen Kampf stehen zum Beispiel die 85 Meter große Skulptur Mutter Heimat auf dem Mamaj-Hügel in Wolgograd (1967) und das 48 Meter große Monument Den heroischen Verteidigern LeningradsDie 1703 vom Zaren Peter dem Großen gegründete und nach seinem Schutzheiligen, Apostel Simon Petrus, benannte Stadt Sankt Petersburg wurde 1914 zum ersten Mal umbenannt. Sie hieß bis zu Lenins Tod im Jahr 1924 Petrograd. Dann wurde der Name zu seinen Ehren in Leningrad geändert. Seit 1991 heißt sie wieder Sankt Petersburg, umgangssprachlich meist Piter genannt. in St. Petersburg (1974–75).

In der postsowjetischen Zeit fand der heroisierende Diskurs vor allem in der Moskauer Denkmalanlage Park des SiegesDer Park des Sieges ist eine Gedenkstätte im Westen Moskaus. Auf dem weiträumigen Gelände befinden sich zahlreiche Statuen und Denkmäler, ein Museum sowie weitere Sehenswürdigkeiten, die an den Großen Vaterländischen Krieg erinnern. Die Parkalage hat sich nicht nur zu einem zentralen Gedächtnisort für die Feierlichkeiten am 9. Mai entwickelt, sondern ist auch als Touristenattraktion und Erholungspark bei den Moskauern sehr beliebt. (1995) seine monumentale Form. Im Zentrum steht hier eine 141,8 Meter hohe Stele – zur Erinnerung an die 1418 Kriegstage – an ihrer Spitze schwebt die Siegesgöttin Nike und an ihrem Fuß bekämpft der Heilige Georg den Drachen. Zahlreiche Namen der Helden der SowjetunionHeld der Sowjetunion war die höchste Auszeichnung des Landes. Der Ehrentitel wurde 1934 eingeführt. Mit seiner Verleihung zeichnete der Staat insgesamt 12.776 Menschen für ihren Heroismus aus. Als Propaganda-Motiv sollte der Ehrentitel zur Nachahmung animieren. Seit den 1960er Jahren bekamen auch einige Städte die Auszeichnung Heldenstadt sind an den Wänden im Gedenkraum des Museums eingraviert. 
Im heutigen offiziellen Gebot zu erinnern spielt der Aufruf, den gefallenen Helden würdig zu sein, nach wie vor eine große Rolle. In der aktuellen russischen Geschichtspolitik, die selektiv auf die stolzen Kapitel der „tausendjährigen Geschichte“ zurückgreift, ist es der militärische Ruhm. Das heroische Pathos ist die gegenwärtige Tonlage, in der die offiziellen Medien und die Regierung über den Krieg sprechen. 

Emotionalisierung und Kommerzialisierung

Die heutige Entwicklung der Kriegserinnerungskultur zeichnet sich zum einen durch Emotionalisierung, zum anderen durch Kommerzialisierung der Erinnerung aus. Durch überzeichnete Emotionalisierung und Effekthascherei verliert der Krieg – wie er etwa im Film (Stalingrad, 2013) oder im historischen ReenactmentAls Reenactment bezeichnet man die möglichst authentische Neuinszenierung historischer Ereignisse. Es ist zentraler Teil einer spezifischen Theorie der Geschichtsschreibung, die darauf abzielt, Gedanken und Absichten der historischen Akteure durch ein Nachstellen der Ereignisse nachzuvollziehen. Dabei geht es im klassischen Reenactment nicht nur um das Nachstellen militärischer Schlachten, sondern auch um zivile historische Inszenierungen. (nachgestellte Szenen der Einnahme Berlins) dargestellt wird – an Faktizität und Authentizität. Die präsentierten Inhalte werden zunehmend mythen-gesättigter wiedergegeben, das Kriegsgeschehen wird immer stärker zum Mythos.  
 
Gerade weil die Kriegserinnerung auf der privaten Ebene eine sehr wichtige Rolle spielt, wird sie zunehmend als Kontext für kommerzielle Projekte genutzt. Filmproduzenten, Museumsmacher und Event-Veranstalter knüpfen daran an – in der Gewissheit, dass das Kriegsthema Aufmerksamkeit findet und sich gut verkaufen lässt. So beispielsweise im bislang teuersten russischen Film StalingradDer 2013 veröffentlichte Film Stalingrad des Regisseurs Fjodor Bondartschuk war der erste russische Film, der in 3D und Imax-Technik gedreht wurde. Der Film, der vom Kulturministerium und von der VTB Bank finanziert wurde, handelt von der Liebe eines Soldaten der Roten Armee zu einem jungen Mädchen vor dem Hintergrund der Schlacht um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg. Eine kleine Gruppe russischer Armeeangehöriger verteidigt darin ein strategisch wichtiges Wohnhaus in der Stadt. Die Kritiken des Films fielen oft negativ aus, da es viele historische Ungereimtheiten gebe und die Handlung nicht besonders durchdacht sei. (Fjodor BondartschukFjodor Bondartschuk (geb. 1967) ist ein russischer Schauspieler und Regisseur. Der Sohn des Regisseurs Sergej Bondartschuk (Ein Menschenschicksal, 1959; Der stille Don, 1994) ist Vorstandsvorsitzender der Produktionsfirma Lenfilm. Seinen Durchbruch als Regisseur erlebte er 2005 mit dem mehrfach ausgezeichneten und auch international erfolgreichen Film The 9th Company (russ. 9 Rota). Sein Kriegsfilm Stalingrad, der 2013 als erster russischer Film in 3D-Technik veröffentlicht wurde, handelt von einem jungen Mädchen, das sich während der Schlacht um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg in einen Soldaten der Roten Armee verliebt. In der Kritik fiel der Film aufgrund vieler historischer Ungenauigkeiten der Handlung durch.), der komplett in 3D gedreht wurde, in dem die Straßen- und Häuserkampfszenen im Herbst 1942 wie ein effektvoller Blockbuster inszeniert wurden und der einer Computerspiel-Ästhetik ähnelt.

Privates Gedenken im öffentlichen Raum

Aus dem Bedürfnis der Gesellschaft heraus, eigenständige Formen und Praktiken der Erinnerung zu entwickeln, entstand 2012 in der sibirischen Großstadt Tomsk die Aktion Das Unsterbliche RegimentEine Aktion, die im Jahr 2012 im sibirischen Tomsk ihren Anfang nahm: Bei den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges präsentieren Menschen in einer Prozession Portraits von Verwandten, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben. Der Name der Aktion spielt auf die Bezeichnung einer militärischen Einheit an: Unsterbliches Regiment. Mittlerweile finden ähnliche Aktionen auch in anderen Ländern statt – nicht nur im postsowjetischen Raum..8 Bei dieser Aktion tragen Menschen über Straßen und Plätze Porträts ihrer Verwandten, die am Großen Vaterländischen KriegAls „Vaterländischer Krieg“ ging Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812 in die russische Geschichtsschreibung ein. Die russische Armee, für die der Überfall unerwartet kam, unternahm einen über mehrere Wochen dauernden Rückzug bis in die Tiefe des Landes hinein. Die erste große und blutige Schlacht, die für den Ausgang des Krieges entscheidend zu sein schien, fand in Borodino bei Moskau statt. Zwar hat die Grande Armée taktisch gesiegt und im Anschluss Moskau besetzt, jedoch waren die Verluste so groß, dass Napoleon bald selbst den Rückzug antreten musste. Im Dezember 1812 wurde Napoleons Armee an der russischen Grenze nahezu vollständig vernichtet. teilgenommen haben.9 
Diese Präsenz des privaten Gedenkens im öffentlichen Raum ist das tatsächlich Neue an den Feiern des Kriegsendes. 
Viele Russen teilten in den letzten Jahren Kurzberichte über die Kriegswege ihrer Großeltern in sozialen Netzwerken, viele davon – unzensierte Familiengeschichten, also Erzählungen „jenseits“ des tradierten, heroischen Narrativs. 
Es geht nun nicht mehr darum, ein Zeichen der Zugehörigkeit zur „Wir-Gemeinschaft“ der Erinnernden zu setzen, sondern um die Stärkung der Kommunikation von privaten, familienbezogenen Erinnerungen an den Krieg.

 

Das persönliche Gedenken als Mobilisierungsressource – der Fernsehsender SwesdaDer Fernsehsender Swesda (dt. Stern) ist Teil einer Rundfunkanstalt, die vom russischen Verteidigungsministerium betrieben wird. Seit 2006 ist er in ganz Russland verfügbar. Hauptsächlich strahlt er Dokumentationen zu Themen aus Politik, Geschichte und Wissenschaft aus; ein Schwerpunkt liegt auf Berichten über die russische Armee. Dabei vertritt er „patriotische“ Standpunkte, positioniert sich also positiv zur aktuellen politischen Führung. zeigt Bilder vom Marsch des Unsterblichen Regiments

Diese neue Form des Gedenkens wird von der staatlichen Seite in letzter Zeit verstärkt auch als Mobilisierungressource genutzt.10 Sie existiert gleichzeitig mit den großen Inszenierungen, die auf Stabilitätssicherung und Patriotismus-Stiftung ausgerichtet sind. Während der Feierlichkeiten rund um den Tag des SiegesDer Tag des Sieges wird in den meisten Nachfolgestaaten der UdSSR sowie in Israel am 9. Mai gefeiert. Er erinnert an den Sieg der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland und ist in Russland inzwischen der wichtigste Nationalfeiertag. Der 9. Mai ist nicht nur staatlicher Gedenktag, sondern wird traditionell auch als Volks- und Familienfest begangen. am 9. Mai selbst agiert die Gesellschaft manchmal mit, oft aber auch neben oder gegen die staatlichen Deutungsvorschriften. Nicht immer sind Interessen des Staates und der Gesellschaft hinsichtlich der Form des Gedenkens deckungsgleich – und der Streit zwischen dem siegreichen Volk und dem siegreichen Staat geht weiter.


1.Grossman, V. (1984): Leben und Schicksal, München, S. 686
2.Novaya Gazeta: Pobeda pred“avljaet sčet
3.vgl. die Erzählung Bud’ zdorov, školjar (1961) von Bulat Okudžava, in der es um Erfahrung eines jungen Soldaten geht.
4vvgl. die Erzählung Sotnikov (1971) von Vassil Bykov.
5.vgl. die Erzählungen Chatynskaja povest’ (1971) und Ja iz ognennoj derevni (1977) von Ales Adamowitsch
6.Ales Adamowitsch arbeitete zusammen mit Daniil Granin am Blockadebuch in den späten 1970er Jahren. Das Buch, das Interviews mit Blockadeüberlebenden beinhaltet, wurde 1984 veröffentlicht.
7.So im Projekt Cena pobedy (dt. Der Preis des Sieges) auf dem Radiosender Echo Moskvy und in der Zeitschrift Diletant. Siehe z. B. den Beitrag Soldatskaja pamjat’ o vojne vom 14.5.2017.
8.Die Formen der sozialen Gedenkpraxis „von unten“ wurden im Projekt „Sieg—Befreiung—Besatzung: Kriegsdenkmäler und Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Kriegsendes im postsozialistischen Europa“ untersucht, das von der Autorin zusammen mit Mischa Gabowitsch und Cordula Gdaniec geleitet wurde. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sind in einem vor kurzem erschienenen Sammelband dokumentiert: Gabowitsch, M., Gdaniec, C., Makhotina, E. (Hrsg.) (2017): Kriegsgedenken als Event: Der 9. Mai im postsozialistischen Europa, Paderborn
9.Eine lokale, gesellschaftliche Initiative, ins Leben gerufen von Journalisten der nichtstaatlichen Tomsker Mediengruppe. Webseite des Archivs mit Familiengeschichten
10.Wie schon so oft in der Geschichte, erkannte die politische Führung schnell die symbolische Wirkungsmacht dieser neuen Erinnerungsform. Zugleich brachte die Popularität des individualisierten Gedenkens auch in die staatliche Erinnerung einen neuen Inhalt ein. Aufschlussreich ist die Teilnahme Putins an der Aktion Das Unsterbliche Regiment, und noch mehr – die Veröffentlichung seiner „Erinnerungen“ an die Kriegserzählungen der Eltern in der Zeitschrift Russki Pionier. Ein Effekt davon ist die „emotionale Aktualisierung“ der Geschichte. Dadurch versucht der Staat, das Gedenken anschlussfähig zu halten.
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Tag des Sieges

Der Tag des Sieges wird in den meisten Nachfolgestaaten der UdSSR sowie in Israel am 9. Mai gefeiert. Er erinnert an den Sieg der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland und ist in Russland inzwischen der wichtigste Nationalfeiertag. Der 9. Mai ist nicht nur staatlicher Gedenktag, sondern wird traditionell auch als Volks- und Familienfest begangen.

Großer Vaterländischer Krieg

Als Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte.

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