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Stalins Tod

Der Tod Stalins am 5. März 1953 löste im ganzen Land Bestürzung aus. Niemand wusste, was der Tod des Diktators bedeuten würde. Fabian Thunemann zeichnet die Ereignisse vom März 1953 nach.

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Felix Edmundowitsch Dsershinski

Von den einen als „eiserner“ Held verehrt, von den anderen hingegen als grausamer Mörder verabscheut: Felix Dsershinski. Der einstige Chef der sowjetischen Geheimpolizei Tscheka ist im Vergleich zu Lenin oder Stalin im heutigen Russland eher eine historische Randfigur. Von größerer Bedeutung als der Täter Dsershinski ist die Debatte um sein Denkmal vor dem KGB-Gebäude in Moskau – Ende Februar war sie erneut entflammt.

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Stalin-Hochhäuser

Blickt man auf die Silhouette von Moskau, so werden die bunten Zwiebeltürme der Basilius-Kathedrale und die goldenen Kuppeln des Kreml überragt von den aufstrebenden Turmspitzen der Hochhäuser aus der Stalinära. Mit der Errichtung der Sieben Schwestern, wie diese im Stil eines eklektizistischen Neoklassizismus errichteten vielgeschossigen Gebäude im Ausland auch häufig genannt werden, wurde zwischen dem Ende des Großen Vaterländischen Kriegs und Stalins Tod 1953 begonnen. Sie sind sprechende Zeugnisse des Zeitgeschmacks, mehr aber noch eines politischen Systems, das auf Einschüchterung und Ausbeutung der Bevölkerung einerseits und staatlich verordneter Verherrlichung des woshd („Führers“) andererseits abzielte.

„Wir sind nicht gegen Schönheit, wir sind nur gegen sinnlose Dinge!“ So fiel 1954 das diskreditierende Urteil Nikita Chruschtschows über das architektonische Erbe seines Amtsvorgängers Josef Stalin aus. Damit zielte Chruschtschow auch gegen die ins Megalomane strebenden und mit verschwenderischem Baudekor überzogenen Moskauer Wolkenkratzer dieses Stalinski Ampir („Stalinsches Empire“). Im Westen verächtlich Zuckerbäckerbauten genannt, erscheinen sie wie die sozialistische Antwort auf die amerikanischen Skyscraper der 1930er Jahre. Zu den Stalin-Hochhäusern zählen neben zwei Wohngebäuden das Hauptgebäude der Lomonossow-Universität auf den Sperlingsbergen, der Sitz des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten unweit des Alten Arbats, die Hotels Ukraina und Leningradskaja sowie das Haus am Roten Tor. Ein geplantes achtes Gebäude wurde nicht realisiert. Die Hochhäuser stehen an repräsentativen Orten im Stadtensemble und sollten sich ursprünglich um den – letztlich nie errichteten – Palast der Sowjets am Moskwa-Ufer gruppieren.

Zwar wurden die Stalin-Hochhäuser von unterschiedlichen Architekten ausgeführt, sie sprechen aber dennoch eine einheitliche architektonische Sprache: Sie alle sind als geschlossene axiale Baukörper über rechteckigem Grundriss errichtet und weisen eine Betonung der Mittelachse auf. Die aufstrebenden Turmspitzen erheben sich auf den getreppten Gebäudeteilen mit repräsentativen, häufig an antike Portiken erinnernden Eingangssituationen. Überhaupt stand die antike Tempelarchitektur mit ihren Säulenstellungen Pate für die bauliche Erscheinung. Allerdings wurde die für die Antike so wichtige Verbindung von Architektur und menschlicher Proportion durch die „unmenschlichen“ Bemessungen der Bauwerke bewusst vermieden. Auch beim Baudekor berief man  sich auf die Antike; so entstand eine krude Mischung von Friesen, Gesimsen, und Pflanzenfestons, in die Symbole der Sowjetherrschaft wie der Stern oder Hammer und Sichel eingefügt sind. Aber auch andere Bauepochen wie die Gotik wurden – entleert von ihrer inhaltlichen Aussage – zitiert.

Die „Sieben Schwestern“ vermittelten den Eindruck eines glanzvollen, prosperierenden Sozialismus – Foto © Michail Egorov/Wikipedia CC BY 3.0

Der Rückgriff auf Baudekor und architektonische Repräsentationsformen der Vergangenheit ist im Kontext der Doktrin des Sozialistischen Realismus zu begreifen, die spätestens seit 1934 das Kunstschaffen in der Sowjetunion bestimmte. Diese Doktrin war der staatlich verordnete Frontalangriff auf die dynamischen Formexperimente der Avantgardekunst und -architektur. Während in der Malerei die Rückkehr zur figurativen Darstellungsweise gefordert wurde, sollte die Architektur – statisch und unverrückbar – die Machtverhältnisse ausdrücken, an deren Spitze Stalin stand. Durch den Rekurs auf die Vergangenheit wurde eine historische Kontinuität konstruiert, die gleichzeitig auch eine Legitimation der herrschenden Verhältnisse behauptete.

Der Begriff „Realismus“ erscheint irreführend, denn es ging beim Sozialistischen Realismus weniger darum, den realen Status quo wiederzugeben: Vielmehr sollte der angestrebte Sollzustand, das Morgen im Heute abgebildet werden. So vermittelten die Stalin-Hochhäuser an die eigene Bevölkerung, aber auch an das Ausland, den Eindruck eines glanzvollen, prosperierenden Sozialismus mit geradezu imperialer Strahlkraft. Die Wirklichkeit hingegen sah anders aus: Die skrupellose Industrialisierung des ersten Fünfjahrplans, der stalinistische Terror der 1930er Jahre und die grausamen Folgen des Großen Vaterländischen Kriegs hatten das Land mit unbeschreiblichem Leid überzogen, angesichts dessen die Sieben Schwestern als geradezu höhnische Prestigeobjekte erscheinen, die noch dazu erst durch den Einsatz von Zwangsarbeitern errichtet werden konnten. Den meisten Moskowitern blieb denn auch nur, die Hochhäuser von außen zu bestaunen, denn selbst die Wohngebäude an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße und am Kudrinskaja-Platz waren den Eliten vorbehalten.

Wie politisch die Architektur der Stalinära verstanden werden muss, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass der Zuckerbäcker-Stil in den 1950er Jahren auch in die Bruderländer der Sowjetunion exportiert wurde. Prägnantes Beispiel ist der von Lew Rudnew geplante Kulturpalast in Warschau, der große Übereinstimmungen mit Rudnews Hauptgebäude für die Lomonossow-Universität aufweist. In Berlin erinnert die Karl-Marx-Allee an diese architektonische Machtbekundung und territoriale Markierung des Großen Bruders Moskau.


Zum Weiterlesen:
Rüthers, Monica (2007): Moskau bauen von Lenin bis Chruschtschow: Öffentliche Räume zwischen Utopie, Terror und Alltag, Wien [u. a.]
Paperny, Vladimir (2002): Architecture in the Age of Stalin: Culture two, Cambridge
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