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Erdöl – kulturhistorische Aspekte

Erdöl war die Grundlage der Wirtschaft in der UdSSR und ist es im heutigen Russland immer noch. Metaphorisch auch als „Blut der Erde“ oder „Schwarzes Gold“ bezeichnet, gilt es nicht nur als wichtigste Energiequelle, sondern auch als Motor der Geschichte insgesamt. Ilja Kalinin über kulturhistorische Aspekte des Erdöls. 

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Higher School of Economics

Die Higher School of Economics zählt zu den renommiertesten russischen Hochschulen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Reformuniversität wurde Anfang der 1990erDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. Mehr dazu in unserer Gnose gegründet, um Wirtschaftsexperten für den Aufbau der Marktwirtschaft auszubilden. Heute zählt die Hochschule zu den führenden Forschungsuniversitäten in Russland und nimmt auch politisch eine wichtige Rolle ein.

Die Entstehung der Hochschule geht auf die Initiative führender liberaler Ökonomen und Reformer wie Jewgeni JasinJewgeni Jasin (geb. 1934) ist ein liberaler russischer Ökonom, der zunächst als Berater von Boris Jelzin und von 1994 bis 1997 dann als Wirtschaftsminister die Wirtschaftsreformen der Jelzinzeit entscheidend mitprägte. Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik ist er weiterhin gesellschaftspolitisch aktiv: Jasin ist Forschungsdirektor der Higher School of Economics, leitet die Stiftung Liberale Mission und ist Kolumnist beim unabhängigen Radiosender Echo Moskwy. Als Vertreter der wirtschaftsliberalen Elite kritisiert er die zunehmende Autokratisierung in Putins Regime und fordert mehr Rechtsstaatlichkeit ein., Jaroslaw Kusminow und Jegor GaidarJegor Gaidar (1956–2009) war einer der wichtigsten Reformer der 1990er Jahre und gilt als Vater der russischen Marktwirtschaft. In der russischen Gesellschaft ist Gaidar sehr umstritten: Während seine Befürworter ihm zugute halten, dass er die Rahmenbedingungen für das private Unternehmertum in Russland schuf und das Land vor dem totalen wirtschaftlichen Kollaps bewahrte, lastet ihm der Großteil der Bevölkerung die Armut der 1990er Jahre an. Nach Gaidars Tod wurde ihm zu Ehren eine Stiftung gegründet: Diese fördert unter anderem (Wirtschafts)Wissenschaftler und engagiert sich für eine liberale Grundordnung.  Mehr dazu in unserer Gnose zurück. Sie gründeten 1992 mit der Higher School of Economics (HSE) eine neue Universität nach westlichem Vorbild, um dringend benötigtes Fachpersonal für die Systemtransformation auszubilden und die Regierung bei ihren Reformbemühungen zu unterstützen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es praktisch keine Wirtschaftswissenschaften nach „westlichem“ Vorbild, denn die ökonomische Ausbildung orientierte sich an der marxistischen IdeologieEnde des 19. Jahrhunderts wurde Karl Marx in Russland zu einem der einflussreichsten Philosophen. Schon bald nach der deutschen Erstausgabe von 1867 gab es sein Kapital auch auf Russisch. Das Werk fand in Russland ein weitaus lebhafteres Echo als in Deutschland oder irgendwo sonst in Europa. Nach der Oktoberrevolution wurde ein vermeintlich texttreuer, dogmatischer Marxismus zu einer dominierenden und schließlich sogar absolut gesetzten Ideologie. Mehr dazu in unserer Gnose .

Unterstützt durch eine üppige Finanzierung aus dem Wirtschaftsministerium entwickelte sich die HSE schnell zur führenden liberalen Wirtschaftsuniversität in Russland. Die Wyschka, wie die Higher School of Economics (russ. Wysschaja Schkola Ekonomiki) im Volksmund genannt wird, erweiterte sukzessive ihr Fächerspektrum und zählt inzwischen auch im Bereich der Sozialwissenschaften zu den besten Hochschulen im Land, gemeinsam mit der Moskauer Staatlichen Lomonossow-UniversitätDie Staatliche Universität Moskau ist eine klassische Volluniversität. Sie ist nicht nur die älteste, sondern auch die wichtigste und renommierteste Hochschule Russlands. Abgesehen von ihrer unangefochtenen Bedeutung für das Bildungssystem spielte sie immer wieder auch politisch eine wichtige Rolle und prägt zudem das architektonische Stadtbild Moskaus. Mehr dazu in unserer Gnose und dem Moskauer Institut für Internationale Beziehungen. Sie betreibt, neben dem Moskauer Hauptsitz, auch Filialen in Sankt Petersburg, PermPerm ist mit rund einer Millionen Einwohnern eine Großstadt im Osten des europäischen Teils Russlands und die Hauptstadt des Permski Krai (dt. „Region Perm“). 1723 gegründet, gilt die Stadt als ein großes Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum Russlands. Zwischen 1940 und 1957 trug die Stadt den Namen Molotow – zu Ehren von Wjatscheslaw Molotow (1890–1986), führender Politiker in der Partei der Bolschewiki und Außenminister der UdSSR unter Stalin. und Nishni NowgorodNishni Nowgorod (von 1932 bis 1990 Gorki) ist eine Großstadt (1,2 Millionen Einwohner) an der Einmündung der Oka in die Wolga, ungefähr 400 km östlich von Moskau. Zu Sowjetzeiten war die Stadt für Ausländer geschlossen. Von 1980 bis 1986 Verbannungsort von Andrej Sacharow, der hier unter ständiger Bewachung des KGB lebte..

Die wissenschaftliche Bedeutung der HSE wurde zuletzt weiter aufgewertet: Als einzige Universität mit sozialwissenschaftlichem Profil erhielt sie 2009 den begehrten Titel „Nationale Forschungsuniversität“. Zudem wird die HSE in einer Art russischer Exzellenzinitiative seit 2013 als eine von 21 russischen Universitäten zusätzlich gefördert, um international zur Weltspitze aufzuschließen.    

Aber nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch politisch kommt der HSE eine wichtige Rolle zu: Als zentrale Institution des wirtschaftsliberalen Flügels im Machtapparat wirkt die HSE an zahlreichen Reformen der Wirtschafts- und Sozialpolitik mit und war zum Beispiel maßgeblich an den Bildungsreformen der letzten Dekade und an der Ausarbeitung der Strategie 2020 beteiligt. Die liberalen Vertreter und Experten der HSE kritisieren regelmäßig politische Fehlentwicklungen im Land und zeigen in ihren Analysen Missstände verfehlter Politik auf. 

Als im Juni 2019 bekannt wurde, dass die HSE den Fachbereich für Politikwissenschaft mit einem anderen Fachbereich zusammenlegen will, glaubten viele Beobachter in Russland, dass diese Umstrukturierung vor allem eines zum Ziel hat: kritische Lehrende zum Verstummen zu bringen. Tatsächlich ist das Schicksal zahlreicher Professoren und Dozenten an der sogenannten Wyschka damit offen. Vor diesem Hintergrund meinte Alexander KynewAlexander Kynew (geb. 1975) ist ein russischer Politikwissenschaftler und Dozent an der Moskauer Higher School of Economics. In seiner Forschung beschäftigt er sich unter anderem mit den politischen Prozessen in den Regionen Russlands sowie mit dem Parteien- und Wahlsystem. Im Jahr 2012, im Nachgang zu den Massenprotesten zur Dumawahl, war er Mitbegründer der NGO Komitee der Bürgerinitiativen (Komitet grashdanskich iniziativ). Sie ist eine gemeinsame Plattform zur Schaffung einer besseren Zusammenarbeit von NGOs in Russland. in einem Interview mit Znak, dass die Hochschulpolitik der letzten Jahre einer Gesetzmäßigkeit folge: Jeder abweichende Standpunkt, so der HSE-Politologe, werde als Bedrohung angesehen. Insbesondere würden aber Hochschulen zur Zielscheibe, denn dort werde die bei Protestaktionen aktive Jugend ausgebildet.

Stand: 09.07.2019

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Moskauer Staatliche Lomonossow-Universität

Am 25. Januar 1755 wurde sie auf Initiative des Universalgelehrten Michail Lomonossow gegründet: Die Staatliche Universität Moskau ist nicht nur die älteste, sondern auch die wichtigste und renommierteste Hochschule Russlands. Das Gründungsdatum am Tatjanin Den (dt. Tatjana-Tag) wird bis heute in Russland als Feiertag der Studierenden begangen.

Jewgeni Jasin

Jewgeni Jasin (geb. 1934) ist ein liberaler russischer Ökonom, der zunächst als Berater von Boris Jelzin und von 1994 bis 1997 dann als Wirtschaftsminister die Wirtschaftsreformen der Jelzinzeit entscheidend mitprägte. Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik ist er weiterhin gesellschaftspolitisch aktiv: Jasin ist Forschungsdirektor der Higher School of Economics, leitet die Stiftung Liberale Mission und ist Kolumnist beim unabhängigen Radiosender Echo Moskwy. Als Vertreter der wirtschaftsliberalen Elite kritisiert er die zunehmende Autokratisierung in Putins Regime und fordert mehr Rechtsstaatlichkeit ein.

Lewada-Zentrum

Kurz vor der Dumawahl 2016 war es soweit: Das Lewada-Zentrum, das als das einzige unabhängige Meinungsforschungsinstitut Russlands gilt, wurde als ausländischer Agent registriert. Dem international renommierten Institut droht nun die Schließung. Weshalb das Lewada-Zentrum den russischen Behörden schon seit Jahren offenbar ein Dorn im Auge ist, erklärt Eduard Klein.

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Selbstgedreht, 1987, Foto © Gennady Bodrov/The Lumiere Brothers Center for Photography (All rights reserved)