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Stalins Henker

Vor 101 Jahren, am 20. Dezember 1917, wurde die Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage (kurz: Tscheka) unter Felix Dsershinski gegründet – die Vorläuferorganisation des KGB. Der Kampf gegen vermeintliche innere Feinde führte knapp zwei Jahrzehnte später unter Stalin zu einer Maschinerie von Repression, Willkür und massenhaften Erschießungen, der hunderttausende Bürger der Sowjetuntion zum Opfer gefallen sind und die als Großer Terror zu einem der dunkelsten Kapitel der sowjetischen Geschichte wurde.

Wie konnte sich dieses riesige Gewaltsystem etablieren, woher rekrutierte es seine Täter? Welche regionalen Besonderheiten gab es im Verbannungsort Sibirien? Welchen Einfluss hat die Öffnung von Archiven in der Ukraine auf den Diskurs um die Vergangenheit in Russland? Wie sollte die Gesellschaft umgehen mit denen, die zunächst Täter waren und später selber zu Opfern wurden? 

Über diese Fragen spricht die Novaya Gazeta mit dem Nowosibirsker Historiker Alexej Tepljakow – ein hintergründiges Interview über die Aufarbeitung eines Themas, bei dem noch vieles im Verborgenen liegt.

Source Novaya Gazeta

Novaya Gazeta: Alexej Tepljakow, in Ihren Büchern entfaltet sich eine nicht abreißende Kette von fürchterlichen Verbrechen, die Angehörige der Strafbehörden begangen haben, und zwar seit Beginn ihres Bestehens. Die Gräueltaten der Bürgerkriegszeit lassen sich noch teilweise durch die exorbitante Brutalität der verfeindeten Seiten erklären. Allerdings brach der Große Terror erst anderthalb Jahrzehnte später aus …

Alexej Tepljakow: Aus den Unterlagen der Gerichtsverfahren, die ich einsehen konnte – aus der Zeit, in der Tschekisten zur Verantwortung gezogen wurden, die sich in den Jahren des Großen Terrors besonders „hervorgetan“ hatten – erfährt man monströse Dinge. 

Die Handlungsanweisungen, nach denen die Hinrichtungen durchgeführt wurden, sind bis heute nicht veröffentlicht. Erst kürzlich wurden allerdings Dokumente aus dem Archiv des georgischen Innenministeriums publiziert, in denen als offizielle Methode die Hinrichtung mittels eines Schusses „in die rechte Schläfe“ angegeben wird. Andererseits wurden beispielsweise in Minussinsk Menschen mit dem Brecheisen erledigt … Einen gab es, den versuchten betrunkene Henker mit einem elektrischen Sprengzünder in die Luft zu jagen …

Wobei der 1939 verurteilte Leiter des Operativen Bereichs [des NKWDdek] in Minussinsk namens Alexejew in seinen Beschwerden über die „Unbegründetheit des Urteils“ angegeben hat, dass er persönlich 2300 „Trotzkisten“ verhaftet habe, von denen 1500 erschossen worden seien. Die Behörden berücksichtigten diese gewichtigen Argumente: Im Januar 1941 wurde Alexejew freigelassen und arbeitete dann im System des Gulag …

Der ehemalige Leiter des Operativen Bereichs Kuibyschew (bis 1935: Kainsk) der NKWD-Verwaltung für das Gebiet Nowosibirsk, Lichatschewski, gab im August 1940 an: „Bei uns wurden die Urteile auf zwei Arten vollstreckt: Tod durch Erschießung und durch Erdrosseln […] Die Einsätze wurden folgendermaßen durchgeführt: In einem Raum fesselte eine Gruppe von fünf Personen den Verurteilten, dann wurde dieser in einen anderen Raum geführt, wo er mit einem Strick erdrosselt wurde. Insgesamt dauerte es bei jedem eine Minute, nicht mehr […]. Insgesamt wurden rund 500 bis 600 Menschen erdrosselt […]“

Insgesamt dauerte es eine Minute, bis jemand erdrosselt war

Einige der Henker hielten einen Wettbewerb ab, wer es schafft, den Verurteilten mit einem einzigen Tritt in die Leiste zu töten. Den Hinzurichtenden wurde der Mund mit einem Knebel verschlossen, wobei der Sekretär der Kreisverwaltung Iwanow ein Werkzeug hatte, mit dem er die Münder solcher, die sich wehrten, zwangsweise öffnete …

Die gleichen Mitarbeiter des Operativen Bereichs Kuibyschew zwangen 1938 eine verurteilte Lehrerin und einen verurteilten Mann dazu, in ihrer Gegenwart den Geschlechtsakt zu vollziehen, unter dem Versprechen, sie dann zu begnadigen. Nach dem Ende der „Vorstellung“ wurden die Unglücklichen erdrosselt.

In der NKWD-Verwaltung Shitomir zwangen die Tschekisten einen alten Mann zum Sex mit der Leiche einer gerade erst Erschossenen. Und das ist nur ein Teil des Horrors, den man den Archiven entnehmen kann.

Und wer waren diese Leute, die das alles angerichtet haben? Können Sie ein allgemeines Portrait eines sibirischen Tschekisten Ende der 1930er Jahre zeichnen?

Die Anzahl der operativen Mitarbeiter der NKWD-Verwaltung für die Region Westsibirien lässt sich für das Jahr 1937 mit etwas über 1000 beziffern. Das waren vorwiegend junge Männer aus bäuerlichen Familien, die in der Armee gedient hatten, oft beim Grenzschutz oder bei den Truppen des Innenministeriums, aus denen man sie vorzugsweise zu rekrutieren versuchte … Oft waren das ehemalige geheime Informanten, die dann offizielle Mitarbeiter wurden. 

Auf diese Leute ist dann auch die bis Anfang der 1930er Jahre explosionsartig gestiegene Mitarbeiterstärke der entsprechenden Behörden zurückzuführen. Während der Neuen Ökonomischen Politik (NÖP) hatte diese noch bei rund 18.000 gelegen – in ganz Russland. Ich rede von jenen Mitarbeitern, die wir heute als Offiziere bezeichnen würden: Ermittler, Führungsoffiziere ... Anfang 1937 gab es 25.000 von ihnen, zu Kriegsbeginn waren es 50.000.

Wie konnte der Terror in dieser Massivität bewerkstelligt werden? Schließlich war das System im Grunde nicht darauf vorbereitet, Hunderttausende zu erschießen. In den 1920er Jahren wurden jährlich 2000 bis 3000 Menschen hingerichtet. Anfang der 1930er Jahre waren es dann bis zu 20.000, danach folgte wieder ein starker Rückgang. 1936 etwa wurden 1118 Personen hingerichtet. Da es keine außergerichtlichen Stellen gab, die berechtigt waren, Erschießungen anzuordnen, verhängten nur Gerichte Todesurteile. 1937 wurden dann 353.000 Menschen hingerichtet und 1938 ungefähr genauso viele.

In den Jahren des Großen Terrors wurde nahezu die Hälfte der Verurteilten erschossen. Innerhalb von anderthalb Jahren (so besagen es sogar die offiziellen, um einige Zehntausend nach unten korrigierten Daten) waren das 681.692 Menschen.

Innerhalb von anderthalb Jahren wurden 681.692 Menschen hingerichtet

Damit die Behörden in diesen Extremsituationen nicht kollabierten, wurden die sogenannten Operativen Bereiche geschaffen: In Städten, in denen es ein Gefängnis gab, entstanden diese Operativen Bereiche, die auch für 10 bis 15 angrenzende Kreise zuständig waren. Dort gab es natürlich die städtische Dienststelle mit 10 bis 15 Mitarbeitern. Und es wurden jeweils sechs erfahrene Ermittler aus der Gebietsverwaltung und ein weiteres Dutzend oder zwei aus den Bezirksstellen des NKWD dorthin abgestellt. Komplettiert wurden sie durch Offiziersschüler, beispielsweise aus Lehranstalten der Grenztruppen. So trafen zum Beispiel in Nowosibirsk 50 Schüler der Moskauer Lehranstalt für Grenztruppen ein. Das waren die „Hauer“, die „Sitzhelfer“ (die den Verhafteten das Schlafen unmöglich machten), die dann zu Ermittlern heranwuchsen.

Die eigentlichen Tschekisten waren entweder auf Dienstreise oder besoffen sich

Somit arbeiteten in den Operativen Bereichen um die zwanzig, dreißig Tschekisten. Denen wurden ebenso viele (oder mehr) Polizisten der fortgeschrittenen Sorte sowie Feldkuriere beigeordnet. Schließlich gab es in jedem Abschnitt mehr Feldkuriere als Ermittler – der gesamte Postverkehr war ja geheim. Sollte jemand verhaftet werden, wurde dann nicht selten ein Feldkurier losgeschickt, der das übernehmen sollte; sollte jemand erschossen werden, passierte das Gleiche. Die eigentlichen Tschekisten waren entweder auf Dienstreise, besoffen sich oder drückten sich vor dieser Arbeit; die Kuriere jedoch waren verfügbar, die konnte man auch ins Erschießungskommando stecken, nach dem Motto: Sollen sie doch ruhig Erfahrung sammeln! Und so konnte ein energischer Kurier aus einem anscheinend harmlosen System zur Miliz abgestellt werden, oder zum Wachdienst eines Gefängnisses. Dann wurde genauer hingeschaut: Da trinkt jemand nicht besonders viel, ist fähig und gebildet, ist diszipliniert und wird als operativer Mitarbeiter angefordert. Das war der Weg, wie jemand aus einer normalen Bauernfamilie bis zu dieser Ebene aufstieg.

Das waren die einfachen Tschekisten. Und wer hatte die Leitung?

In den zwanzig Vorkriegsjahren sind die Organe in Sibirien nacheinander von neun Personen geleitet worden, alles große Figuren, Leute von „Moskauer Rang“. Sechs von ihnen sind Ende der 1930er Jahre erschossen worden, einer wurde zu Lagerhaft verurteilt und ist dort gestorben, einer wurde rehabilitiert; zwei weitere haben sich erschossen.

Habe ich Sie richtig verstanden, dass sich nach 1938, nach dem Ende des Großen Terrors die Zahl der Tschekisten erhöht hat?

Und zwar drastisch! Wobei es eine massive Säuberung gegeben hatte – allein 1939 war ein Viertel der Tschekisten entlassen worden. Allerdings war das eine Säuberung der milden Art, von den 20.000 „Gesäuberten“ wurden keine fünf Prozent erschossen.

Viele hatten fürchterliche Dinge angestellt. Und nicht nur als Gesetzesbrecher, sondern auch als korrupte Figuren, als Räuber und Marodeure. Die große Masse wurde einfach so entlassen, „aufgrund kompromittierender Umstände“.

Unmittelbar vor Kriegsbeginn gab es plötzlich erheblich mehr Tschekisten als noch 1937

Es gab allerdings auch viele, die aufstiegen, die weit aufstiegen. Besonders Leute der unteren und mittleren Ebene. Die auf der oberen Ebene galten (zunächst) als Anhänger Jagodas, und später als Jeschows Leute. Von denen wurden am meisten erschossen. Und von den Dienststellenleitern, die besonders exzessiv gewütet und tausende Tote auf dem Gewissen hatten. Die Leutnants oder Oberleutnants aber, die machten eine steile Karriere. Den Gesäuberten folgten massenhaft Nachrücker, und so gab es plötzlich unmittelbar vor Kriegsbeginn erheblich mehr Tschekisten als noch 1937.

Und das mit all der Erfahrung des Großen Terrors.

Es gibt eine Version, nach der „all das“ von Letten begangen wurde, von Ungarn … und vor allem von Juden. Wenn man Bücher über den Großen Terror in der Ukraine liest, da schüttelt es einen: durchweg jüdische Namen.

Das ist eine Besonderheit der Ukraine, wo es einen besonders großen jüdischen Bevölkerungsanteil gab, speziell in den Städten. Die Ukrainer selbst waren Bauern und kaum gebildet. Gebildet waren die Nationalisten, die Petljura-Anhänger … Die Juden nahmen das Regime, nachdem sie die Gleichberechtigung erhalten hatten, als das ihre wahr und machten sich dementsprechend daran, es zu verteidigen; in der Ukraine bestand Mitte der 1930er Jahre der Operative Bereich zu rund vierzig Prozent aus Juden, bei den Leitungskräften waren es zwei Drittel. In Belarus gab es unter den Tschekisten ebenfalls viele Juden. In den anderen Regionen waren erheblich weniger Juden vertreten.

Es waren einfach aktive Leute, die aufgrund einer Maxime, die ihnen von Kindheit an eingeimpft worden war, Karriere machten: Wenn du ein Jude bist, dann musst du dich doppelt und dreifach ins Zeug legen, sonst ist dir schnell der Weg versperrt. Und das ist kein Phänomen, das es nur in Russland gibt.

Natürlich würde ich den „jüdischen Faktor“ nicht überbewerten, da die russischen, kaukasischen und ukrainischen Tschekisten keinen Deut milder waren.

Kann man denn auch von „sibirischen Besonderheiten“ des Großen Terrors sprechen?

Zweifellos. Obwohl das Regime den Terror ansatzweise rational anging, mit einer für alle Regionen gültigen Logik. Und natürlich gab es auch einen subjektiven Faktor: Sehr viel hing vom Verwaltungsleiter ab, ob dieser mehr oder weniger blutrünstig war.

Es gab Tschekisten, die waren fürchterliche Karrieristen, oder einfach nur Karrieristen

Es gab Tschekisten, die waren fürchterliche Karrieristen, oder einfach nur Karrieristen. Und es gab extreme Karrieristen.

So wurden von den verurteilten Deutschen im Gebiet Nowosibirsk 96 Prozent erschossen. Bei jungen Frauen und bei jungen Männern unter zwanzig ließ man Gnade walten, wenn auch nicht bei allen. Und wer als Spitzel angeworben wurde, wer im Lager „berichten“ sollte, der konnte davonkommen. Von den Polen wurden 94 Prozent [der Verurteilten – dek] erschossen. Im benachbarten Gebiet Omsk und in der Region Krasnojarsk war der Anteil der Erschossenen nichtrussischer Nationalitäten nur halb so groß.

Was nun das wirklich Besondere der Lage in Sibirien betrifft … Das bestand in den riesigen Dimensionen der Verbannung, der politischen und der von Bauern. Die „Entkulakisierten“ wurden aus den südlichen, fruchtbaren Gegenden der Region Altai und den Gebieten Nowosibirsk, Omsk und Kemerowo nach Norden verfrachtet, etwa nach Narym, weit abseits der Eisenbahn. Es gab also hier die Verbannung, bei der Bauern [aus anderen Landesteilen – dek] „importiert“ wurden, und dann noch eine innersibirische.

Auch die jüngere Vergangenheit einer Region spielte eine Rolle, nämlich, wie aktiv die antisowjetischen Aufständischen dort während des Bürgerkrieges waren. Immerhin war Sibirien ein Ort riesiger antibolschewistischer Aufstände gewesen, deren Teilnehmer seinerzeit mehrheitlich amnestiert worden waren, die man dann aber aufzuspüren und zu erledigen versuchte – 15 Jahre später.

Es hatte eine zahlenmäßig starke, wohlhabende Bevölkerung gegeben und schon seit den 1920er Jahren ein riesiges Protestpotential, unter anderem eine ganz beträchtliche Erfahrung mit bewaffnetem Widerstand gegen die Kollektivierung … Für das alles folgte 1937 die Abrechnung.

In Belarus waren die Repressionen sehr brutal, in der Ukraine waren sie äußerst brutal, [die Zahlen – dek] doppelt so hoch wie sonst im Land. In Sibirien waren sie viermal so hoch.

Wie markant waren die Veränderungen, die der Antritt Berijas mit sich brachte? Er hat ja unter anderem angeordnet, dass die Todesurteile, die von den Troikas verhängt, aber noch nicht vollstreckt worden waren, nicht mehr vollstreckt werden sollten.

Ja. Allerdings wurde dieser Befehl in vielen Regionen ignoriert, die Hinrichtungen gingen weiter; dabei wurden sie formal zurückdatiert. Mal waren es 300, mal 200, und auf der Krim sogar 800 … Doch wurden die Tschekisten, die ertappt wurden, verhaftet – und mitunter erschossen.

Daher verwende ich mit meinem Kollegen Andrej Sawin und dem deutschen Historiker Mark Junge den Begriff „Disziplinierung der Tschekisten“, wenn wir die Ziele von Berijas Politik beschreiben. Den Tschekisten sollte klargemacht werden, dass sie zwar die bewaffnete Avantgarde der Partei sind, aber nicht über der Partei stehen, sondern lediglich deren Anweisungen auszuführen haben; und das wurde eben auch mit Hilfe von Säuberungen bewerkstelligt.

Die Verhaftungen gingen unter Berija zwar stark zurück, doch wer verhaftet wurde, wurde weiterhin geschlagen; es wurde weiterhin gefoltert. 

Also sollte man aus Lawrenti Pawlowitsch Berija keinen großen Demokraten und Bürgerrechtler machen?

Natürlich nicht! Er war ein Pragmatiker und hat die Aufgabe, die er erhielt, präzise umgesetzt, nämlich die Tschekisten zur Räson zu bringen. Schließlich – und das ist wichtig – war das nicht der erste Versuch dieser Art: 1921 hatte eine große Säuberung in der Partei begonnen, von der innerhalb weniger Monate ein Drittel der KP-Mitglieder betroffen war, und am schärfsten traf es wiederum die Silowiki, insbesondere die Tschekisten.

Bis 1924 waren die Tschekisten heftig zusammengestrichen worden; etliche wurden aus der Partei ausgeschlossen, viele wurden verhaftet, den übrigen wurden die Vollmachten drastisch beschnitten.

1939/40 wurden dann erneut massenweise Tschekisten entlassen, aus der Partei ausgeschlossen, wurden ins zweite Glied versetzt, zu den Lagerwachen, auf Streife oder in Personalabteilungen großer Unternehmen geschickt.

Und wie ernsthaft geriet diese Erneuerung der Organe? Uns wird ständig eine Zahl genannt: 20.000 Tschekisten seien während des Großen Terrors repressiert worden. Es wird sogar versucht, diese Opfer der Repressionen zu heroisieren.

Nun, zunächst mal ist die Zahl von 20.000 „betroffenen“ Tschekisten eine Desinformation der einstigen KGB-Führer Viktor Tschebrikow und Filipp Bobkow, die diese Zahl als erste in den öffentlichen Raum gestellt haben. In Wirklichkeit ist sie um Etliches übertrieben. Wie auch viele andere Fakten, die das Bild der Tschekisten der Stalinzeit veredeln sollen …

Vieles wird übertrieben, um das Bild der Tschekisten in der Stalinzeit zu veredeln

Insgesamt waren die Säuberungen des NKWD unter Berija nicht genereller, sondern selektiver Natur. In Omsk gingen 1939 gegen 102 Tschekisten Beschwerden wegen Misshandlung ein, eingereicht von freigelassenen Parteimitgliedern. Von diesen Tschekisten wurden bis zum Januar 1940 relativ wenige bestraft: 12 wurden verhaftet und 16 aus dem NKWD entlassen. Die Übrigen erhielten entweder einen Verweis für eine Ordnungswidrigkeit oder blieben unbehelligt, wegen „Geringfügigkeit des Vergehens“.

Nachdem ich Ihre Bücher gelesen habe, hat mich die Frage umgetrieben, wie es Ihnen wohl gelungen sein mag, Einsicht in all diese Unterlagen zu erhalten?

Ich habe mit vielen Ermittlungsunterlagen der Tschekisten gearbeitet, die unter Verschluss waren, dann freigegeben wurden und Personen aus Nowosibirsk und Barnaul betrafen, die heute rehabilitiert sind. Alles andere waren Parteiunterlagen und Dokumente aus Archiven der Sowjetzeit, in denen Berichte der Tschekisten ja unweigerlich ihre Spuren hinterlassen haben. Die Personalakten der Tschekisten liegen seelenruhig in den Parteiarchiven. Mitunter kann man ihnen fast so viel Informationen entnehmen wie den Geheimdienstakten … Damit habe ich Mitte der 1990er Jahre begonnen, als sie geöffnet wurden.

Die Personalakten der Tschekisten liegen seelenruhig in den Parteiarchiven

In Sibirien habe ich lange auf eine Gelegenheit gewartet, mit den Beständen der Staatssicherheit arbeiten zu können. Und die ergab sich dann per Zufall: 2002 begann die Arbeit an einem Gedenkbuch, und ich wurde Mitglied der Arbeitsgruppe. Aus der wurde ich erst nach anderthalb Jahren rausgeworfen. Weil die Direktorin des Gebietsarchivs, eine durchaus reaktionäre Dame, dem FSB gesteckt hatte: „Der da“ sammele wohl eine Kartei über „eure Mitarbeiter“! Und ich wurde ohne jede Erklärung … Aber einiges hatte ich bereits geschafft. Üblicherweise sind Fotokopien nicht gestattet, ich hatte mir aber ‘nen Stift mitgenommen …

Und dann ist da natürlich noch die Ukraine, wo ich 2013 und 2015 jeweils zwei Wochen lang arbeiten konnte, und zwar mit Fotoapparat und in einer Gruppe, so dass wir uns über die Funde austauschen konnten. Das ist etwas ganz anderes. Die Staatssicherheit, das ist eine vertikal organisierte Behörde, da waren alle Vorschriften zu finden, alle Befehle, alle Rundschreiben; ob nun in Nowosibirsk oder in Kiew – überall das Gleiche.

Außerdem wurden mir in Kiew Unterlagen von Ermittlungsverfahren gezeigt, die nicht gegen einfache Handlanger liefen, sondern gegen die an der Spitze. So veröffentlichen wir einige Dutzend Befehle von Berija an den NKWD zur Bestrafung von Tschekisten. Bei uns sind die Befehle noch immer geheim, die Ukrainer haben sie aber freigegeben, und wir legen sie vor. Übrigens sind dort etliche Dokumente nicht nur aus Moskau enthalten, sondern sogar welche aus Sibirien, die seinerzeit im ganzen Land verschickt wurden. Somit ist also gewissermaßen auch aus den Moskauer Archiven etwas herausgesickert.

Mein Lieblingsbild hierzu ist ein Wasserhahn: So gut er auch sein mag, er wird trotzdem zu tropfen beginnen, wenn die Dichtung hinüber ist.

Gerade erst ist in Moskau die Mauer des Gedenkens in Kommunarka mit den Namen der über 6000 Opfer des Terrors eingeweiht worden, die dort begraben liegen. Es sind unter diesen Namen auch die von repressierten Tschekisten zu finden, auch von solchen, die eindeutig Henker waren und die nicht rehabilitiert wurden. Es entstand eine leise, aber erbitterte Diskussion: Wie lassen sich die unschuldigen Opfer von jenen unterscheiden, die unmöglich als unschuldig zu bezeichnen sind? Macht der Tod sie alle gleich? Jeschow und Eiche, Jakir und Wawilow, Bucharin und Jagoda? Was soll man mit denen allen machen?

Der Tod ist ein großer Gleichmacher. Und da sie nun alle dort liegen … Es muss da ein rein rechtlicher Ansatz verfolgt werden, der erklärbar, klar verständlich und allgemeingültig ist. Zu allem Übrigen müssen sich dann die Historiker und die Öffentlichkeit äußern.

Ob uns das gefällt oder nicht – ohne sie alle wäre unser Volk unvollständig. Soll man sie posthum mit Vergessen bestrafen? Ich weiß nicht … Die Gesellschaft muss entscheiden, vor allem jedoch muss sie möglichst vollständige Informationen erhalten.

Und dafür müssen vor allem die Archive tatsächlich geöffnet werden.

Bei uns ist man zu sehr mit dem Problem beschäftigt, wie man es schafft, die Enkel und Urenkel der Henker und Spitzel nicht zu sehr zu beschämen. Jene, die angeblich leiden würden, wenn über ihre Verwandten die Wahrheit gesagt wird. Mit Recht und gesundem Menschenverstand hat diese Haltung nichts zu tun. Als Memorial Ende 2016 seine Datenbank mit über 40.000 Offizieren des NKWD vorlegte, blieb der Versuch der Angehörigen, sie zu blockieren, gleichwohl erfolglos. Dabei ist diese Datenbank ja von ungeheurer Bedeutung, was ich unbedingt betonen möchte. Selbst wenn dort nur Vorname, Vatersname, Nachname, Geburtsdatum, Jahr der Beförderung und der Entlassung aus dem Dienst aufgeführt werden. Allein das ist schon ein riesiger Durchbruch.

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„Zwischen dem Parteiausschluß und meiner Verhaftung vergingen acht Tage. Während dieser Tage blieb ich zu Hause und schloß mich in mein Zimmer ein. Ich nahm den Telefonhörer nicht ab. Ich wartete … Und alle meine Lieben warteten auch. Worauf warteten wir? Wir erklärten einander, daß wir auf den Urlaub meines Mannes warteten, […]. Sobald er beurlaubt ist, wollen wir nach Moskau fahren um weiter zu kämpfen. […] Aber insgeheim wußten wir ganz genau, daß alles das nicht eintreten würde, daß wir auf etwas ganz anderes warteten.“1

So erinnert sich die Journalistin und Autorin Jewgenija Ginsburg in ihren Memoiren2 an das Warten auf ihre Verhaftung. Es ist das Jahr 1937, der Höhepunkt des Großen Terrors, den das sowjetische Regime unter der Herrschaft Josef Stalins zunächst gegen die Eliten der Kommunistischen Partei entfacht, dann zunehmend gegen die gesamte Bevölkerung. Ginsburg wird im Februar 1937 aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und als eine angebliche Trotzkistin zu zehn Jahren Haft verurteilt. Insgesamt wurden zwischen 1936 und 1938 rund 1,6 Millionen Menschen verhaftet, knapp die Hälfte davon ermordet.3

Als einer der Auslöser für den auch als große Säuberungen bezeichneten Terror gilt die Ermordung des Ersten Leningrader Parteisekretärs Sergej Kirow am 1. Dezember 1934. In diesem Zusammenhang werden zunächst vor allem Leningrader Parteifunktionäre verhaftet, aber dann „zog die Affäre immer weitere Kreise, wie die Wellen, die entstehen, wenn man einen Stein ins Wasser wirft.“4 Für Ginsburg beginnt, wie für Millionen ihrer Landsleute, eine Zeit der Verunsicherung und des bangen Wartens. Eine Zeit, für die der britische Historiker Robert Conquest in seiner 1968 erschienenen Monografie den Begriff Großer Terror einführt.5

Altgediente Bolschewiki werden inhaftiert, einstige Vorbilder als „Volksfeinde“ entlarvt. Im Jahr 1936 kommt es in Moskau zu einem ersten Schauprozess, bei dem Grigori Sinowjew und andere bolschewistische Veteranen ihren Verrat an der Partei einräumen und zum Tode verurteilt werden – die Geständnisse waren unter Folter erpresst worden.6 Sowjetische Medien berichten ausführlich von diesem und den folgenden Schauprozessen: „Die Zeitungsblätter ätzten, verwundeten und vergifteten das Herz, wie der Stachel eines Skorpions. Nach jedem Prozeß wurde die Schlinge enger gezogen.“7

Fünf, vier, drei, zwei: Auf dem Originalbild von 1926 ist Stalin mit seinen Weggefährten abgebildet, v.l.n.r.: Nikolaj Antipow, Josef Stalin, Sergej Kirow, Nikolai Schwernik und Nikolai Komarow. Nach und nach entzieht ihnen Stalin seine Gunst, Antipow und Komarow fallen 1937 bzw. 1938 dem Großen Terror zum Opfer. Das Bild wird parallel dazu beschnitten und retuschiert. Am Ende steht Stalin nur noch mit seinem Günstling Kirow da, der 1934 unter ungeklärten Umständen von einem Attentäter erschossen wurde.

Die Repressionen beschränken sich längst nicht mehr auf Moskau, sie schwappen auch in die sowjetische Provinz über. Jewgenija Ginsburg wird im Februar 1937 in Kasan wegen der angeblichen Mitgliedschaft in einer terroristischen Untergrundorganisation verhaftet. Im August 1937 wird sie zu zehn Jahren Isolationshaft8 verurteilt, die später in Lagerhaft umgewandelt werden wird. Ihre Erleichterung über das Urteil ist groß: „Plötzlich wird es um mich hell und warm. Zehn Jahre? Das bedeutet: Leben!“9

Ginsburgs Freude lässt sich nur aus dem zeitlichen Kontext heraus erklären: Bei geschätzt 680.000 Todesurteilen, die zwischen 1936 und 1938 gefällt wurden,10 erscheinen zehn Jahre Gefängnis für ein nicht begangenes Verbrechen tatsächlich als mildes Urteil.

Jeschowschtschina

Neben Mitgliedern der Kommunistischen Partei geraten auch andere Gesellschaftsgruppen ins Visier der sowjetischen Organe: Die Rote Armee wird ebenso „gesäubert“ wie die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Eliten. Eine nochmalige Verschärfung der ohnehin angespannten Situation ergibt sich durch den von NKWD-Chef Nikolaj Jeschow am 30. Juli 1937 unterzeichneten und einen Tag später vom Politbüro bestätigten Befehl № 00447 „Über die Operation zur Repression ehemaliger Kulaken, Krimineller und anderer antisowjetischer Elemente“.11 Damit kann praktisch jeder Sowjetbürger zum sogenannten „Volksfeind“ erklärt werden.

Für die einzelnen Republiken, Gebiete und Kreise der Sowjetunion legt der Befehl Kontingente fest – um den Plan zu erfüllen, kommt es massenhaft zu willkürlichen Verhaftungen und Verurteilungen.12 Dem Befehl № 00447 folgt eine Operation, die sich gegen Angehörige ethnischer Minderheiten in der Sowjetunion richtet: gegen Polen, Deutsche, Koreaner und andere.13 Organisiert und ausgeführt wird diese – wie die Repressionen zuvor und danach – durch den NKWD, gebilligt durch das Politbüro unter der Führung Stalins, der zahlreiche Listen mit Todesurteilen selbst unterzeichnet.14

Ein Ende der Massenrepressionen deutet sich ab dem Sommer 1938 an. Im November 1938 wird NKWD-Chef Jeschow durch Lawrenti Berija ersetzt.15 Der Sturz Jeschows bringt zwar ein Ende der Massenrepressionen, in einen Rechtsstaat verwandelt sich die Sowjetunion jedoch keineswegs. Bis zu Stalins Tod 1953, und in abgeschwächter Form auch darüber hinaus, werden Operationen gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen, vermeintliche „Volksfeinde“ und „anti-sowjetische Elemente“ organisiert und durchgeführt.

1937 in der Erinnerungskultur

Zur Rechenschaft gezogen wird dafür auch nach dem Ende der Sowjetunion niemand. Eine 2007 anlässlich des 70. Jahrestages des Großen Terrors veröffentlichte Meinungsumfrage besagt, dass eine Mehrheit der russischen Bevölkerung keinen Sinn in einer juristischen Verfolgung möglicher Organisatoren und Ausführenden der Repressionen sehe. Fast die Hälfte (49 Prozent) der Befragten sprach sich dafür aus, diese „in Ruhe zu lassen“, da die Repressionen bereits zu lange her seien. Lediglich 26 Prozent befürworteten ein juristisches Verfahren.16

 


Quelle: Lewada-Zentrum

Dass die Ergebnisse im Jahr 2017 anders ausfallen würden, kann bezweifelt werden. Auch Stalin selbst erfreut sich wieder hoher Beliebtheitswerte: 46 Prozent der vom Lewada-Zentrum im Januar 2017 befragten Russen gaben an, Stalin mit „Begeisterung“, „Verehrung“ oder „Sympathie“ zu begegnen, im März 2016 hatte dieser Wert bei 37 Prozent gelegen. Allerdings stieg auch die Zahl derjenigen an, die dem Diktator mit einem unguten Gefühl, „Angst“ oder „Hass“ begegneten: von 17 auf 21 Prozent.17

Jewgenija Ginsburgs Gefängnishaft wird 1939 in zehn Jahre Lagerhaft umgewandelt, die sie in unterschiedlichen Lagern des Gulags an der Kolyma verbringt. Erst 1953 darf sie nach Zentralrussland reisen, 1955 wird sie vollständig rehabilitiert. Sie wird weder ihren älteren Sohn, der 1944 bei der deutschen Belagerung Leningrads starb, noch ihren Mann, der kurz nach ihr verhaftet wurde, wiedersehen.


Zum Weiterlesen:
Memorial Krasnojarsk: „Der Große Terror“: 1937-1938: Kurz-Chronik
Schlögel, Karl (2008): Terror und Traum: Moskau 1937, München

1.Ginsburg, Jewgenija Semjonowna (1967): Marschroute eines Lebens, Reinbek bei Hamburg, S. 42
2.Die Memoiren sind im italienischen Tamisdat erschienen. Ginsburg, Jewgenija Semjonowna (1967): Marschroute eines Lebens (Teil 1), Reinbek bei Hamburg und Ginsburg, Jewgenia (1980): Gratwanderung (Teil 2), München/Zürich
3.Bonwetsch, Bernd (2014): Gulag: Willkür und Massenverbrechen in der Sowjetunion 1917–1953: Einführung und Dokumente, in: Landau, Julia/Scherbakowa, Irina: Gulag Texte und Dokumente 1929–1956, S. 30–37, hier S. 36. Vor der Öffnung der sowjetischen Archive kursierten wesentlich höhere Zahlen.
4.Ginsburg: Marschroute eines Lebens, S. 11
5.Conquest, Robert (1993): Der Große Terror: Sowjetunion 1934–1938, München. Der Begriff knüpft an den bereits zu Bürgerkriegszeiten gebrauchten Terminus des Roten Terrors an, der seinen Ursprung wiederum in der Französischen Revolution hat.
6.vgl. Baberowski,Jörg  (2012): Verbrannte Erde: Stalins Herrschaft der Gewalt, München, S. 247
7.Ginsburg: Marschroute eines Lebens, S. 27
8.Isolationshaft ist in diesem Fall nicht gleichzusetzen mit Einzelhaft. Die meiste Zeit ihrer zweijährigen Gefängnisstrafe verbrachte Ginsburg gemeinsam mit einer weiteren Gefangenen in einer Zelle, von den anderen Häftlingen waren sie weitgehend isoliert. Dennoch gelang es ihnen, etwa über Klopfzeichen, miteinander zu kommunizieren.
9.Ginsburg: Marschroute eines Lebens, S. 156
10.vgl. Fußnote 5
11.Eine deutsche Übersetzung des Befehls № 00447 sowie eine umfangreiche Darstellung und Analyse der Operation findet sich in Binner, Rolf /Bonwetsch,Bernd /Junge, Marc (2009): Massenmord und Lagerhaft: Die andere Geschichte des Großen Terrors, Berlin
12.vgl. und siehe dazu ausführlich ebd.
13.siehe dazu ausführlich Baberowski: Verbrannte Erde, S. 341–354, außerdem Martin,Terry (2000): Terror gegen Nationen in der Sowjetunion, in: Osteuropa: Unterdrückung, Gewalt und Terror im Sowjetsystem, Nr. 6 (2000), S. 606–616 sowie Polian,Pavel (2003): Soviet Repression of Foreigners: The Great Terror, the Gulag, Deportations, in: Dundovich, Elena/Gori, Francesca/Guerctti, Emanuela (Hrsg.): Reflections on the Gulag: With a documentary appendix on the Italian victims of repression in the USSR, Mailand, S. 61–103
14.Stalins Verantwortung für die Massenrepressionen wird durch Studien belegt, die historisches Quellenmaterial auswerten. Besondere Beachtung hat die Monografie Verbrannte Erde: Stalins Herrschaft der Gewalt von Jörg Baberowski gefunden, auf die bereits verwiesen wurde. Zur Kritik an Baberowski siehe die Ausgabe Im Profil: Stalin, der Stalinismus und die Gewalt der Zeitschrift Osteuropa (4/2012).
15.Jeschow wird im April 1939 verhaftet und im Februar 1940 erschossen.
16.levada.ru: Obščestvennoe Mnenie – 2007 – hier: S. 258
17.RBC: Ljubov rossijan k Stalinu dostigla istoričeskogo maksimuma za 16 let. Die in dem Artikel verwendeten Umfragedaten stammen vom Lewada-Zentrum.
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Gnose

Tauwetter

Befreiung vom Despoten, zarte Protestkultur und Poeten als Volkshelden: Die Zeit des Tauwetters in den Jahren nach Stalins Tod brachte eine Neudefinition des sowjetischen Lebens. Kultur und Politik erfuhren eine euphorische Phase der Liberalisierung. Doch schon mit der Entmachtung Nikita Chruschtschows setzte eine politische Restaurationsphase ein, die bis zur Perestroika andauern sollte. Heutzutage wird das Tauwetter oft nostalgisch verklärt, unter Historikern ist seine Deutung weiterhin umstritten.

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DER LETZTE WINTER DER SOWJETUNION, Michael Kerstgens (All rights reserved)