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Der Russische Impressionismus

Kaum ein Stil der Kunstgeschichte erfreut sich einer so ungebrochenen Beliebtheit wie der Impressionismus. Mit ihm verbindet man die luftig-heiteren Szenen der Pariser Straßencafés und die subjektive Wiedergabe flüchtiger Naturphänomene von Malern wie Claude Monet, Pierre-August Renoir und Éduard Manet. Die russische Ausprägung des Impressionismus wird dagegen nur selten in den Blick genommen, wohl auch, weil die Bewegung in Russland keine institutionelle Form fand. Dabei war der Impressionismus um 1900 als Schwellenstadium im Werk vieler bedeutender russischer Künstler wirksam – von Ilja Repin bis Michail Larionow. Genreszenen, Portraits und vor allem die russische Landschaftsmalerei erhielten durch die Sprache des Impressionismus mit ihrem gestisch-spontanen Pinselstrich, den intimen Bildausschnitten und der tageslichtdurchfluteten Atmosphäre eine Erweiterung des Ausdrucks.

Trotz einiger „heimischer Vorboten“ in Russland liegt die Wiege des Impressionismus im Frankreich der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die vielen russischen Künstler, die sich zu dieser Zeit in Paris aufhielten, kamen als erste mit dieser neuen malerischen Wiedergabe der Welt in Berührung. Ilja RepinDer Maler Ilja Repin (1844–1930) gilt als der bedeutendste Vertreter des russischen Realismus. etwa, der Großmeister des russischen Realismus, traf Anfang der 1870er Jahre in der französische Metropole auf Éduard Manet. Repins Gemälde Pariser Café (1875, Christie’s 2011) bezieht sich denn auch deutlich auf Manets La Musique aux Tuileries (1862, National Gallery, London/Dublin City Gallery The Hugh Lane).

Ilja Repin, Pariser Café (1875, Christie’s 2011)

Zurück in Russland schuf der Repin-Schüler Walentin SerowDer Maler Walentin Serow (1865–1911) war ein gefeierter Porträtist des späten Zarenreichs. Die bürgerlichen Mäzene der Moskauer und St. Petersburger High Society ließen sich von ihm genauso malen wie der Adel und die Zarenfamilie. Sein Stil ist vielseitig und reicht vom lichten Impressionismus zum düsteren Symbolismus. Serow war Mitglied der Peredwishniki und von Djagilews Mir Iskusstwa, aber ebenso der Kaiserlichen Kunstakademie in St. Petersburg. Er ist ein wichtiger Vertreter einer russischen Kunstszene, die sich um die Jahrhundertwende in regem Austausch mit dem Westen befand. mit dem Portrait Mädchen mit Pfirsichen (1887, Staatliche Tretjakow GalerieEin weltweit beachtetes Museum russischer Kunst in Moskau. Den Grundstein legte die private Sammlung des Moskauer Kaufmanns Pawel Tretjakow. Im Jahr 1892 vermachte Tretjakow seine etwa 2.000 Kunstwerke der Stadt Moskau, die dafür eigens ein Gebäude errichtete. Im Jahr 1985 wurde das Museum mit der Sammlung für moderne Kunst zusammengelegt. Heute beherbergt es in mehreren Gebäuden im Stadtzentrum rund 140.000 Kunstwerke., Moskau) eine erste Ikone des russischen Impressionismus, die ganz die lockere, den Moment beschreibende Malweise des Impressionismus bezeugt. Das Gemälde gewann 1888 den Preis der Moskauer Gesellschaft der Kunstliebhaber. Damit erhielt der russische Impressionismus seine erste offizielle Auszeichnung.

Inhaltliche Neuakzentuierung

Zur gleichen Zeit wurden auch die Werke der französischen Impressionisten in Russland populär. Die Moskauer Kunstmäzene Iwan Morosow und Sergej SchtschukinDie „Theaterhochschule Schtschukin“ ist eine traditionsreiche Moskauer Lehranstalt. Sie wurde 1914 von Jewgeni Wachtangow, einem Schüler Stanislawskis, gegründet und ist bis heute stolz auf dieses Erbe. „Wir arbeiten ausschließlich nach dem Stanislawski-System“, sagt ihr derzeitiger Rektor, der gleichzeitig Schauspieler am benachbarten Wachtangow-Theater ist. Dort spielen nahezu ausschließlich Absolventen der „Schtschuka“, wie die Hochschule liebevoll in der Theaterszene genannt wird. trugen mit ihren Sammlungen moderner französischer Kunst maßgeblich zur Verbreitung des Stils bei. Viele russische Künstler zeigten sich tief beeindruckt von Werken wie Claude Monets Kathedrale von Rouen (1894, Staatliches Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin, Moskau), die sie an den Samstagnachmittagen in SchtschukinDie „Theaterhochschule Schtschukin“ ist eine traditionsreiche Moskauer Lehranstalt. Sie wurde 1914 von Jewgeni Wachtangow, einem Schüler Stanislawskis, gegründet und ist bis heute stolz auf dieses Erbe. „Wir arbeiten ausschließlich nach dem Stanislawski-System“, sagt ihr derzeitiger Rektor, der gleichzeitig Schauspieler am benachbarten Wachtangow-Theater ist. Dort spielen nahezu ausschließlich Absolventen der „Schtschuka“, wie die Hochschule liebevoll in der Theaterszene genannt wird.s geräumigem Moskauer Haus besichtigen konnten.

Walentin Serow, Mädchen mit Pfirsichen (1887, Staatliche Tretjakow Galerie, Moskau)

Trotzdem wurde der Impressionismus nicht einfach nach Russland importiert, sondern erfuhr eine – inhaltliche – Neuakzentuierung. Während die französischen Maler zu Chronisten des modernen Großstadtlebens wurden, hielt man sich in Russland vermehrt an Stillleben, Interieurs, die russische Landschaft sowie ländliche Genreszenen, die den Müßiggang der Moskauer und St. Petersburger Upperclass auf ihren Landsitzen zeigen.

Szenen des städtischen Lebens finden sich bei den russischen Impressionisten nur dann, wenn auch sie die Pariser Cafés und Boulevards zu ihrem Motiv machten. Bestes Beispiel dafür ist Konstantin Korowins Zyklus Pariser Lichter, den der bedeutende Vertreter des russischen Impressionismus in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts in Frankreich schuf.

Konstantin Korowin, Paris. Café de la Paix (1906, Staatliche Tretjakow Galerie, Moskau)

Malewitschs „missing link“

Korowins Paris-Bilder entstanden in einer Zeit, in der sich in Russland immer deutlicher eine neue Garde in der Kunst formierte. Doch auch die kommenden Avantgardisten wie Michail Larionow durchliefen zunächst eine impressionistische Phase, die ihnen den befreiten Umgang mit den malerischen Mitteln eröffnete. Und sogar Kasimir MalewitschDer Künstler Kasimir Malewitsch ist die zentrale Figur der Russischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts. Die von ihm begründete Stilrichtung und Theorie des Suprematismus markiert den Durchbruch zu einer gegenstandslosen, auf geometrischen Formen aufbauenden Malerei, die auch für die westliche Kunstentwicklung prägend war., der Spiritus rector des gegenstandslosen Suprematismus kam nicht ohne den Impressionismus aus. So rekonstruierte er Ende der 1920er Jahre selbst das „missing link“1 in seiner künstlerischen Evolution, indem er die dann entstandenen, impressionistisch anmutenden Landschaftsdarstellungen kurzerhand auf 1903/04 vordatierte.

In der Forschung stiefmütterlich behandelt

In der kunsthistorischen Forschung der Sowjetunion wurde der russische Impressionismus stiefmütterlich behandelt, da dessen – vermeintlich – sorgenfrei-heitere und vom subjektiven Empfinden geprägte Grundhaltung als dekadent verfemt wurde.

Doch auch in der Staatskunst, dem Sozialistischen RealismusSozialistischer Realismus war seit den 1930er Jahren eine de facto staatlich verordnete Kunstrichtung, die jahrzehntelang die Kunstwelt der Sowjetunion und vieler anderer Ostblockländer prägte. In Kunst, Architektur und Literatur des Sozialistischen Realismus wurden häufig Alltagsszenen realisiert, in denen der Sowjetmensch – analog zur Staatspropaganda – als technikgläubig und optimistisch dargestellt wurde.   , lässt sich das Nachwirken des Impressionismus spüren, etwa bei Juri Pimenows Gemälde Neues Moskau (1937, Staatliche Tretjakow GalerieEin weltweit beachtetes Museum russischer Kunst in Moskau. Den Grundstein legte die private Sammlung des Moskauer Kaufmanns Pawel Tretjakow. Im Jahr 1892 vermachte Tretjakow seine etwa 2.000 Kunstwerke der Stadt Moskau, die dafür eigens ein Gebäude errichtete. Im Jahr 1985 wurde das Museum mit der Sammlung für moderne Kunst zusammengelegt. Heute beherbergt es in mehreren Gebäuden im Stadtzentrum rund 140.000 Kunstwerke., Moskau), das mit dem städtischen Sujet, dem schnappschusshaften Bildausschnitt, der hellen Palette und dem spontanen Pinselstrich dem Impressionismus verpflichtet bleibt.


1.Kruglow W. (2010): Impressionism in Russia, in: Russian impressionism: Paintings from the collection of the Russian Museum 1870s - 1970s, Ausst.-Kat., Staatliches Russisches Museum St. Petersburg, S.39
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Der Künstler Kasimir Malewitsch ist die zentrale Figur der Russischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts. Die von ihm begründete Stilrichtung und Theorie des Suprematismus markiert den Durchbruch zu einer gegenstandslosen, auf geometrischen Formen aufbauenden Malerei, die auch für die westliche Kunstentwicklung prägend war.

Walentin Serow

Der Maler Walentin Serow (1865–1911) war ein gefeierter Porträtist des späten Zarenreichs. Die bürgerlichen Mäzene der Moskauer und St. Petersburger High Society ließen sich von ihm genauso malen wie der Adel und die Zarenfamilie. Sein Stil ist vielseitig und reicht vom lichten Impressionismus zum düsteren Symbolismus. Serow war Mitglied der Peredwishniki und von Djagilews Mir Iskusstwa, aber ebenso der Kaiserlichen Kunstakademie in St. Petersburg. Er ist ein wichtiger Vertreter einer russischen Kunstszene, die sich um die Jahrhundertwende in regem Austausch mit dem Westen befand.

Tretjakow-Galerie

Ein weltweit beachtetes Museum russischer Kunst in Moskau. Den Grundstein legte die private Sammlung des Moskauer Kaufmanns Pawel Tretjakow. Im Jahr 1892 vermachte Tretjakow seine etwa 2.000 Kunstwerke der Stadt Moskau, die dafür eigens ein Gebäude errichtete. Im Jahr 1985 wurde das Museum mit der Sammlung für moderne Kunst zusammengelegt. Heute beherbergt es in mehreren Gebäuden im Stadtzentrum rund 140.000 Kunstwerke.

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