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Juri Norstein

Mit Zeichentrickfilmen wie Joshik w Tumane (dt. „Der Igel im Nebel“) erschuf Juri Norstein außergewöhnliche filmische Welten, die der Animation eine neue Richtung verliehen und Kinder wie Erwachsene bis heute begeistern und berühren. Henriette Reisner über den russischen Trickfilmer, der am 15. September seinen 80. Geburtstag feierte.

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Blokadniki

Vor 80 Jahren begann die Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht. Während der Belagerung der Stadt vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 kamen über eine Million Menschen ums Leben. Die meisten verhungerten oder erfroren, viele starben im Bomben- und Artilleriebeschuss. Nina Weller über das Schicksal der Blokadniki.

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Bantiki – Haarschleifen

Je kleiner die Mädchen, desto größer die Haarschleife? Die riesigen weißen bantiki, die Haarschleifen sowjetischer Schülerinnen waren Ikonen einer idealisierten sowjetischen Kindheit. Wie die Blumensträuße für die Lehrerinnen gehören sie auch heute noch zu den Bildern des ersten Schultags, dem 1. September.

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Genrich Jagoda

Der Name Genrich Jagoda ist untrennbar mit den stalinistischen Repressionen, dem Aufbau des Straflagersystems Gulag, der Organisation der ersten sowjetischen Schauprozesse und dem sowjetischen Innenministerium NKWD verbunden, das er von 1934 bis 1936 leitete.

Genrich Jagoda (1891–1938) wurde in Rybinsk in einer jüdischen Handwerkerfamilie geboren. Aufgewachsen ist Jagoda in Nishni Nowgorod, wo er auch acht Jahre das Gymnasium besuchte. Bei der anschließenden Arbeit in der Druckerei seines Vaters kam es zu ersten Berührungen mit den Anarchisten. In den 1910er Jahren wurde er mehrfach verhaftet und für einige Jahre verbannt. 1915 wurde Jagoda in die zaristische Armee eingezogen, wo er bis zu seiner Verwundung und seinem anschließenden Ausscheiden aus den Streitkräften den Grad des Unteroffiziers erreichte.1

Karriere in der russischen Geheimpolizei

Vor der Oktoberrevolution 1917 verlief das Leben von Jagoda nicht anders als das vieler Gleichgesinnter. Zwischen Februar- und Oktoberrevolution 1917 trat Jagoda den Bolschewiki bei, wobei später sein Eintritt um zehn Jahre zurückdatiert wurde. Ab diesem Zeitpunkt begann seine steile Karriere innerhalb der russischen Geheimpolizei. Er hatte unterschiedliche Posten inne, baute seine Kontakte zu Felix Dserschinski und Stalin aus und wurde bereits 1926 zum stellvertretenden Vorsitzenden der OGPU, der damaligen Geheimpolizei.

Ganz egal, welche Projekte Jagoda in seiner 20-jährigen Dienstzeit verwirklichte – ob es um Deportationen, Entkulakisierung, Prozesse gegen Staatsfeinde und Verschwörer oder um den Ausbau des Lagersystems ging – Jagoda war stets ein Helfer Stalins, der nie ohne das Wissen und die Zustimmung des Diktators handelte. Sein rasanter Aufstieg fiel in die Zeit, als die junge Sowjetrepublik sich noch mitten im Bürgerkrieg befand und nach dem Tod Lenins 1924 der Aufbau der stalinistischen Gewaltdiktatur begann. Zu den größten Projekten, die Jagoda verantwortete, zählten der Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals (1931–1933) und der Bau des Moskau-Wolga-Kanals (1931–1934) durch Lagerhäftlinge, von denen zehntausende aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen ums Leben kamen.

Beflissener Helfer Stalins

Der Historiker Jörg Baberowski schrieb über Jagoda: „Was immer die Helfer des Diktators sich auch ausdachten – sie selbst wussten, dass auch ihr Leben an einem seidenen Faden hing, wenn sie versagten. Denn die Maßnahmen, die gegen die Feinde ergriffen wurden, mussten dem Ausmaß der Bedrohung entsprechen. Jagoda arbeitete an der Aufdeckung neuer Verschwörungen, belieferte Stalin mit neuen Informationen über Feinde und Verräter, aber er machte Fehler, die das Misstrauen des Diktators weckten.“2 Im September 1936 beschloss Stalin die Absetzung Jagodas, weil er sich unter anderem als unfähig erwiesen habe, die trotzkistischen Verschwörungsnetzwerke vollständig aufzudecken. Jagoda wurde durch Nikolaj Jeshow ersetzt, einen noch gefälligeren und schnelleren Handlanger Stalins, der in den Jahren 1937 und 1938 für den Großen Terror verantwortlich war.3

Misstrauen des Diktaktors

Der Massenterror wütete nicht nur innerhalb der Partei und des Staatsapparates, sondern betraf alle Schichten der sowjetischen Gesellschaft. Die innere Logik dieser Gewaltwelle wird meistens als der letzte „Akkord in der stalinistischen Revolution von oben“4 gedeutet, der dazu dienen sollte, mit Angst und Schrecken alle Widersacher des Systems zu vernichten. „Die Bedrohung durch Feinde war eine plausible Erklärung für das Versagen des Regimes [...]“, schrieb Jörg Baberowski.5 Und weil Genrich Jagoda in den Augen Stalins bei dem Kampf für die hohen Ziele der Bolschewiki versagt hatte, musste er bestraft werden. Einige Monate nach seiner Entlassung aus den Reihen des NKWD wurde Jagoda verhaftet und mit anderen bekannten Personen wie Nikolaj Bucharin und Alexej Rykow im dritten Schauprozess im Frühjahr 1938 verurteilt.6 Damit wurde Jagoda zum Opfer des Systems, das er selbst aufgebaut hat. Kurz nach seiner Verurteilung wurde er vermutlich in der Lubjanka, dem Hauptquartier des NKWD in Moskau, erschossen.   


1.vgl. Rayfield, Donald (2004): Stalin und seine Henker, München;  Petrov, N./Skorkin, K. (Hrsg.) (1999): Kto rukovodil NKVD 1934-1941: Spravočnik, Moskau;  Zalesskij, K. A. (2000): Imperia Stalina: Biografičeskij enciklopedičeskij slovar‘, Moskau
2.Baberowski, Jörg (2012): Verbrannte Erde: Stalins Herrschaft der Gewalt, München, S. 260
3.vgl. Baberowski, Jörg (2012): Verbrannte Erde: Stalins Herrschaft der Gewalt, München, S. 278-285. Oder: Chlevnjuk, Oleg V. (1996): Politbjuro: Mechanizmy političeskoj vlasti v 30-e gody, Moskau, S. 164f [in deutscher Übersetzung: Chlewnjuk, Oleg (1998): Das Politbüro: Mechanismen der politischen Macht in der Sowjetunion der dreißiger Jahre, Hamburg]. Zur Inventarliste, die während der Verhaftung in der Wohnung Jagodas erstellt wurde, siehe: Schlögel, Karl (2008): Terror und Traum: Moskau 1937, Bonn, S. 479–481
4.Chlevnjuk, Oleg V. (1991): 1937 god: Protivostojanie, Moskau, S. 4
5.vgl. Baberowski, Jörg/Kindler, Robert (Hrsg.) (2014): Macht ohne Grenzen: Herrschaft und Terror im Stalinismus, Frankfurt am Main, S. 9
6.zu dem Prozess innerhalb des Februar-März-Plenums des Zentralkomitees siehe: Schlögel, Karl (2008): Terror und Traum: Moskau 1937, Bonn, S. 239–266
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