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Tscheburaschka

Mitte August ist der Kinderbuchautor Eduard Uspenski in Moskau verstorben. Der Welt hinterlässt er Tscheburaschka – eine bekannte sowjetische Kinderbuch- und Trickfilmfigur mit braunem Fell, einem freundlichen Gesicht, sehr großen runden Ohren, und seit seiner Erschaffung im Jahr 1966 fester Bestandteil der russischen Populärkultur.

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Jewgeni Prigoshin

„America First“ – diese Formel gilt in gewisser Weise auch im Russland der frühen 1990erDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. Jahre: Wenn Hilfe von außen erwartet wird – dann vor allem von den USA. Wenn nach einem Land gefragt wird, mit dem Russland in erster Linie zusammenarbeiten sollte – auch dann werden die Vereinigten Staaten genannt. In Meinungsumfragen sehen Mitte der 1990er Jahre nur rund sieben Prozent der Befragten die USA als Feind.1

Neben Coca Cola und Burgern repräsentieren auch Hotdogs für viele in Russland den American Way of Life. Es ist also ein unternehmerisch kluger Schritt von Jewgeni Prigoshin (geb. 1961), auf diesen Zug aufzuspringen und 1990 den – nach Eigenaussage – ersten Hotdog-Stand LeningradsDie 1703 vom Zaren Peter dem Großen gegründete und nach seinem Schutzheiligen, Apostel Simon Petrus, benannte Stadt Sankt Petersburg wurde 1914 zum ersten Mal umbenannt. Sie hieß bis zu Lenins Tod im Jahr 1924 Petrograd. Dann wurde der Name zu seinen Ehren in Leningrad geändert. Seit 1991 heißt sie wieder Sankt Petersburg, umgangssprachlich meist Piter genannt. aufzumachen. Senf ist immer noch defizitDer russische Begriff defizit (dt. „Mangelware“) war vor allem zu Zeiten der Sowjetunion sehr geläufig. Aufgrund schlechter Versorgungslage kam es oft zu dauerhaften Versorgungsengpässen, viele Waren waren über längere Zeiträume hinweg nicht erhältlich. Daneben gab es auch den Begriff des Informationsdefizits: Dieser bezog sich vor allem auf Zensur und Propaganda.   , also muss der Jungunternehmer zu Hause selbst anmischen. Es gelingt Prigoshin so gut, dass er in kürzester Zeit eine kleine Hotdog-Kette betreibt. Prigoshins Unternehmen expandiert, hinzu kommen eine Supermarktkette und Restaurants. Der Aufstieg des Jungunternehmers aus Leningrad gleicht einem American Dream. 28 Jahre später wird Prigoshin von der US-Justiz angeklagt – der Unternehmer soll sich in den US-amerikanischen Wahlkampf eingemischt haben. Ein Würstchenverkäufer, der Trump zum US-Präsidenten macht?

Angeblich und mutmaßlich

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Jewgeni Prigoshin tatsächlich eines Tages als Trumps Königsmacher dastehen wird. Zu undurchsichtig sind seine Machenschaften, ohnehin müssten fast alle seiner Attribute mit einem „angeblich“ oder „mutmaßlich“ versehen werden. Da er 1979 vom sowjetischen Unrechtssystem zu insgesamt zwölf Jahren Haft verurteilt wurde, ist er angeblich ein Betrüger, Räuber und Zuhälter von Minderjährigen. Da er in den 2000er Jahren laut Eigenaussage rehabilitiert wurde, hat er eine angeblich weiße Weste. 
© Juri Martjanow/KommersantDie Liste ließe sich fortführen, fest steht jedenfalls, dass Prigoshin 1988 begnadigt wird, 1990 ist er wieder in Leningrad. Dort zieht er innerhalb kürzester Zeit ein kleines Hotdog-Imperium auf, kauft Supermärkte und Restaurants. In dieser Zeit lernt er angeblich Wladimir Putin kennen, der in der Stadtverwaltung unter anderem für Glücksspiel-Lizenzen zuständig ist. Prigoshin engagiert sich auch im Casino-Business, und dem soll angeblich die frische Männerfreundschaft mit Putin förderlich sein. Jedenfalls isst Putin oft in Prigoshins Restaurants, und aus dem Wirt wird alsbald ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Er baut einen Catering-Service auf, betreibt prestigeträchtige Wirtshäuser und das Schiffrestaurant New Island, wo Putin unter anderem mit George Bush und Gerhard Schröder speist. Im Restaurant Staraja Tamoshnja, das ebenfalls Prigoshin gehört und als eine der ersten Adressen St. Petersburgs gilt, feiert Putin seine Geburtstage, Prigoshin betreibt das einzige private Restaurant im russischen Weißen HausGemeint ist das Regierungsgebäude der Russischen Föderation, in dem seit 1994 das Regierungskabinett seinen Sitz hat. Es wurde zwischen 1965 und 1979 erbaut und wird aufgrund seiner Farbe Weißes Haus genannt. und hat seinen Spitznamen weg – Putins Koch.

Russlands Cheftroll

Den Grundstein für seinen zweiten Spitznamen soll Prigoshin bereits zu einer Zeit gelegt haben, als der Begriff Internet Trolling noch gar nicht richtig geläufig war. 2011 beklagen sich Eltern aus St. Petersburg und Moskau im Netz über das Schul-Essen ihrer Kinder. Prigoshins mit Catering beauftragte Mischholding Concord steht am Netzpranger. Der Gastronom engagiert angeblich Trolle, die das Netz mit Lobliedern auf das Schul-Essen fluten. Das Prinzip funktioniert – die kritischen Kommentare der Eltern werden entweder auf die Schippe genommen oder gehen einfach in der Flut unter. Concord-catering wird zum Quasi-Monopolisten für Schulessen in Russlands HauptstädtenIn den Jahren 1712 bis 1918 war St. Petersburg, das zwischen 1914 und 1924 Petrograd hieß, die Hauptstadt Russlands. Auch heute sprechen viele Russen von zwei Hauptstädten, St. Petersburg und Moskau. St. Petersburg gilt außerdem als die Kulturhauptstadt Russlands. und sorgt auch für über 90 Prozent der Verpflegung russischer Streitkräfte.2​

Rund zwei Jahre nach dem Vorfall mit dem Schulessen wird zum ersten Mal über die sogenannte Trollfabrik gemunkelt. Vor dem Hintergrund des Euromaidan nimmt sie mutmaßlich unter dem Dach der Agentur für Internet-Recherchen in der Petersburger Uliza Sawuschkina Fahrt auf. 2015 wird die Agentur in GlawsetGlawset ist eine Nachrichtenagentur, die 2015 aus der Agentstwo Internet-Issledowanii  (dt. Agentur für Internet-Recherchen) hervorgegangen sein soll und angeblich zur Medienholding von Jewgeni Prigoshin gehört – ein russischer Unternehmer, der auch als „Chefkoch der russischen Regierung“ bekannt ist. Mit mutmaßlich mehreren hundert Mitarbeitern soll auch die größte Trollfabrik Russlands Teil von Glawset sein, mit Sitz in der Uliza Sawuschkina in St. Petersburg. Beobachter vermuten, dass die Trollfabrik hinter den russischen Hackerangriffen im französischen Wahlkampf steckte oder auch hinter der auffallenden Menge russlandfreundlicher Social-Media Kommentare zu Themen wie dem Krieg im Osten der Ukraine. unbenannt, angeblich soll diese „Nachrichtenagentur“ Teil einer Medienholding sein, die wiederum angeblich Jewgeni Prigoshin gehört. Sie heißt übersetzt Föderale NachrichtenagenturDie Föderale Nachrichtenagentur (FAN) wurde 2014 in St. Petersburg gegründet. Beobachtern zufolge gehört FAN Jewgeni Prigoshin (geb. 1961) – Besitzer des einzigen privaten Restaurants im Weißen Haus in Moskau, auch als „Chefkoch der russischen Regierung“ bekannt. (FAN), wurde 2014 gegründet und schaffte es innerhalb kürzester Zeit in die Top Ten der am meisten zitierten russischen Medien. Oft heißt die FAN schlicht Medienfabrik, laut einer investigativen Recherche von RBC ging sie aus der Trollfabrik hervor.3
Beobachter vermuten, dass diese Trollfabrik hinter den russischen Netz-Angriffen im französischen Wahlkampf steckte oder auch hinter der auffallenden Menge russlandfreundlicher Social-Media Kommentare zu Themen wie dem Krieg im Osten der UkraineDer Krieg im Osten der Ukraine ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Die Ukraine wirft dem Nachbarland Russland vor, die Rebellen mit Personal und Waffen zu unterstützen, was Russland bestreitet. Der Krieg kostete bereits etwa 10.000 Menschen das Leben. Eine anhaltende Waffenruhe konnte trotz internationaler Vermittlungsbemühungen bisher nicht erreicht werden.   . Auch das Fluten von Angela Merkels Instagram-Account im Jahr 20154 soll aus dem unscheinbaren Gebäude an der Uliza Sawuschkina in St. Petersburg erfolgt sein. Da die FAN keine Gewinne erwirtschaftet, gilt sie Vielen als eine „patriotische Holding“, ein ehemaliger FAN-Redakteur meinte: „Gewinn wird nicht immer dort gemacht, wo auch Inhalte gemacht werden.“5

Die Hinweise, dass Prigoshin hinter der Trollfabrik stecken könnte, verdichteten sich im Zuge einer weiteren investigativen Recherche von RBC. Im Oktober 2017 veröffentlichte die Nachrichtenplattform einen Bericht, in dem zahlreiche Hinweise aufgeführt werden, dass die Trollfabrik die US-Wahl 2016 manipulierte. Sie fragte rhetorisch, ob das Ausmaß der Auslandstätigkeit der Trollfabrik jene Hysterie rechtfertige, die in den USA darum entstanden ist. Gestützt wurden diese Hinweise von US-amerikanischen Geheimdiensten. Auf deren Grundlage wurde schließlich im Februar 2018 eine Anklage gegen 13 Bürger Russlands erhoben, darunter Prigoshin.6

Ein Patriot

Schon seit Dezember 2016 steht Prigoshins Name auf einer US-Sanktionsliste, seit 2017 auch seine weiteren Unternehmen, wegen Beteiligung am Krieg im Osten der Ukraine. Auf dieselbe Liste kam 2017 auch das private militärische Unternehmen TschWK WagnerTschWK Wagner ist die Bezeichnung eines inoffiziellen privaten Militärunternehmens, das nach dem Funkrufnamen des Gründers und Kommandeurs benannt wurde. Es nimmt mutmaßlich an den Kriegshandlungen in der Ostukraine und in Syrien teil., das laut Fontanka mit Prigoshin in Verbindung steht7. Wer der tatsächliche Besitzer von TschWK Wagner ist, ist weiterhin unklar, man munkelt: „angeblich“, „mutmaßlich“ sei es Prigoshin.
  
Prigoshin quittierte die SanktionenAls Reaktion auf die Annnexion der Krim und Russlands militärisches Eingreifen in der Ostukraine beschlossen sowohl die USA als auch die EU im Jahr 2014 wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Diese umfassen zunächst nur Einreiseverbote für unmittelbar in den Konflikt involvierte russische Politiker und Wirtschaftsführer sowie das Einfrieren von Vermögenswerten. Wegen russischer Unterstützung für die in der Ostukraine kämpfenden Milizen erließ die EU Ende Juli und im September 2014 ein separates Sanktionenpaket. Es besteht aus dem Finanzierungsstopp russischer Staatsbanken, Öl- und Rüstungskonzerne, sowie aus verschiedenen Handelsbeschränkungen. Im Juli 2017 beschlossen die USA zudem, Russland für die Angliederung der Krim, die mutmaßliche Einmischung in den US- Präsidentschaftswahlkampf und für die Unterstützung Baschar al-Assads im syrischen Bürgerkrieg zu bestrafen. Die neuen beziehungsweise modifizierten Sanktionen können bei voller Umsetzung nachhaltig Russlands Rohstoffgeschäft schädigen  (das einen großen Teil des Staatshaushalts ausmacht). gegen ihn süffisant als Auszeichnung: „Danke den geehrten amerikanischen Kameraden. Ich bin froh darüber, meiner Heimat nützlich zu sein.“8


1.polit.ru: Lev Gudkov: Otnošenie k SŠA v Rossii i problema antiamerikanizma
2.ru.krymr.com: „Bol’shoe Menju“ ljubimogo povara Putina   
3.rbc.ru: Rassledovanie RBK: Kak iz „fabriki trollej“ vyrosla „fabrika media“
4.Frankfurter Allgemeine Zeitung: Russische Trolle gegen Angela Merkel
5.rbc.ru: Rassledovanie RBK: Kak iz „fabriki trollej“ vyrosla „fabrika media“
6.justice.gov: Case 1:18-cr-00032-DLF Document 1 Filed 02/16/18 
7.fontanka.ru: Kuchnja častnoj armii
8.zitiert nach ria.ru: Prigožin o sankcijach SŠA protiv ego firmy: rad, čto polezen svoej rodine
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