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Krim

Die Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer. Sie stand lange Zeit unter osmanischem Einfluss und wurde Ende des 18. Jh. von Russland erobert. In der Sowjetunion fiel die strategisch und kulturell wichtige und als Urlaubsdomizil beliebte Krim der Ukrainischen Sowjetrepublik zu. Die 2014 erfolgte AngliederungAls Krim-Annexion wird die einseitige Eingliederung der sich über die gleichnamige Halbinsel erstreckenden ukrainischen Gebietskörperschaft der Autonomen Republik Krim in die Russische Föderation bezeichnet. Seit der im Frühjahr 2014 erfolgten Annexion der Krim ist die Halbinsel de facto Teil Russlands, de jure jedoch ukrainisches Staatsgebiet und somit Gegenstand eines ungelösten Konfliktes zwischen der Ukraine und Russland. an Russland löste eine internationale Krise aus.

Mit etwa 27.000 km2 und 2,3 Mio Einwohnern ist die Krim-Halbinsel der Größe und Bevölkerungszahl nach etwa mit Brandenburg vergleichbar. Die Krim hat eine wechselvolle Geschichte, die bis in das 5. Jh. v. Chr. zurückreicht und von zahlreichen Auseinandersetzungen verschiedener Einflussmächte geprägt ist. In der Antike siedelten hier Griechen, die der Halbinsel ihren damaligen Namen Tauris verliehen. Später konkurrierten Römer, Goten, Hunnen, Bulgaren, die Kiewer RusKiewer Rus war ein mittelalterlicher Staat, der in der russischen Geschichtsschreibung häufig als Ausgangspunkt russischer Staatlichkeit verstanden wird und der als Vorläufer von Belarus, Russland und der Ukraine gilt. Der Staat bestand in verschiedenen Formen zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert. Zu Zeiten der größten Ausdehnung erstreckte sich die Kiewer Rus über ein Gebiet von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer. , Byzanz und die Republiken Venedig und Genua um die Krim, bis sie ab dem 13. Jh. von den Mongolen beherrscht wurde. 1441 wurden diese von den Krimtataren besiegt, die unter osmanischer Schutzmacht das Khanat der Krim errichteten, welches bis 1783 Bestand hatte. Die Krimtataren griffen Russland regelmäßig an und brannten im Russischen Krimkrieg (1570-1574) Moskau fast vollständig nieder.

Die russische Geschichte der Krim beginnt 1783, als Katharina die Große nach mehreren Feldzügen gegen das schwächelnde Osmanische Reich die Halbinsel einnahm. Seither spielt die Krim eine wichtige Rolle in der militärischen ErinnerungskulturIm heutigen Russland gibt es kein homogenes „kollektives Gedächtnis“ an den Krieg, sondern mehrere mit-, neben-, und gegeneinander existierende und agierende Bilder der Kriegserinnerung. Die Verflechtung des politischen und individuellen Gedächtnisses ist das Spezifikum russischer Erinnerungskultur, zu welcher sowohl Siegesstolz als auch Trauer gehören. Russlands: Von 1853-1856 kämpfte Russland im KrimkriegDer Krimkrieg (1853–1856) war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Russland und einer Koalition aus dem Osmanischen Reich, Frankreich, Großbritannien sowie Piemont-Sardinien, die aus konkurrierenden Territorialansprüchen in Südosteuropa entstand. Russland erlitt eine verlustreiche Niederlage, die der Staatsführung die technologische und soziale Rückständigkeit des Landes vor Augen führte. Gleichwohl werden mit dem Krimkrieg bis heute heroische Motive der aufopfernden Verteidigung der Stadt Sewastopol verknüpft. gegen die Türken um die Vorherrschaft in der Region. Im zweiten Weltkrieg stand die Halbinsel von 1941-1944 unter deutscher Besatzung. Die größte Festung und wichtigste Hafenstadt Sewastopol konnte, wie ein Jahrhundert zuvor im KrimkriegDer Krimkrieg (1853–1856) war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Russland und einer Koalition aus dem Osmanischen Reich, Frankreich, Großbritannien sowie Piemont-Sardinien, die aus konkurrierenden Territorialansprüchen in Südosteuropa entstand. Russland erlitt eine verlustreiche Niederlage, die der Staatsführung die technologische und soziale Rückständigkeit des Landes vor Augen führte. Gleichwohl werden mit dem Krimkrieg bis heute heroische Motive der aufopfernden Verteidigung der Stadt Sewastopol verknüpft., lange Zeit der Belagerung standhalten und wurde als Heldenstadt zu einem Symbol des Sieges über Hitlerdeutschland.

Aufgrund ihres mediterranen Klimas und ihrer Naturschönheiten wurde die Krim zum beliebtesten sowjetischen Urlaubs- und Erholungszentrum. Generationen von Russen verbinden deshalb bis heute positive Erfahrungen mit der Halbinsel. Darüber hinaus besitzt die Krim auch eine große symbolische Bedeutung für Russland. So wird sie als Ursprung der Christianisierung der Kiewer Rus gesehen, da 988 Wladimir I.Mit der Annahme des Christentums durch den Großfürsten Wladimir im Jahr 988 begann die Christianisierung des Kiewer Reiches. Wladimir gehört zu den russischen Nationalheiligen. In der Gegenwart dient er als Symbolfigur sowohl russischer als auch ukrainischer Staatlichkeit. hier getauft worden sein soll.1 Auch in der russischen Kultur nimmt die Halbinsel einen besonderen Stellenwert ein und findet sich in zahlreichen literarischen Werken von Puschkin bis TschechowAnton Tschechow (1860–1904) gilt als einer der bedeutendsten Autoren der Weltliteratur. Vor allem seine Dramen Der Kirschgarten und Drei Schwestern erlangten enorme Bedeutung. Sie gehören zu den weltweit meistgespielten Bühnenstücken.  wieder.

Am russischen Narrativ der Krim änderte selbst die 1954 unter ChruschtschowNikita Chruschtschow (1894–1971) war zwischen 1953 und 1964 Parteivorsitzender der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Er übernahm das Amt nach Stalins Tod, 1956 initiierte er mit seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Entstalinisierung des Landes. Chruschtschow betrieb ein massives Programm der Aufrüstung, dessen Auswirkungen als eine der Ursachen für die Kuba-Krise 1962 gelten. Seine Annäherung an die BRD sowie seine tiefgreifende Parteireform kosteten ihn viele Unterstützer in der KPdSU-Führung: 1964 wurde Chruschtschow gestürzt, sein Amt übernahm Leonid Breshnew. erfolgte Übergabe an die Ukrainische Sowjetrepublik2 nichts. Die mehrheitlich von Russen bewohnte Halbinsel verblieb in der kollektiven mental map weiterhin elementar russisches Territorium. Diese tiefe Verbundenheit erklärt die riesige krymnasch-Euphorie, die die russische Bevölkerung nach der Besetzung der Halbinsel durch Grüne MännchenAls kleine grüne Männchen, manchmal auch höfliche Menschen, werden euphemistisch die militärischen Spezialkräfte in grünen Uniformen ohne Hoheitsabzeichen bezeichnet, die Ende Februar 2014 strategisch wichtige Standorte auf der Krim besetzt haben. Bestritt Moskau zunächst jegliche direkte Beteiligung und verwies auf „lokale Selbstverteidungskräfte“, so gab Präsident Putin später zu, dass es sich dabei um russische Soldaten gehandelt habe. Die grünen Männchen sind inzwischen zu einem kulturellen Symbol geworden., dem anschließenden Referendum und schließlich der als „Rückkehr“ bezeichneten Angliederung an Russland erfasste. Das Urteil des russischen Verfassungsgerichts, die Schenkung von 1954 sei rechtswidrig gewesen und die Rückführung daher rechtlich legitim, ist allerdings selbst unter russischen Völkerrechtlern umstritten. International wird die Angliederung der Krim nicht anerkannt und führte zu einer internationalen politischen Krise mit WirtschaftssanktionenAls Reaktion auf die Angliederung der Krim beschlossen sowohl die USA als auch die EU im März 2014 wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Diese umfassen Einreiseverbote für unmittelbar in den Konflikt involvierte russische Politiker und Wirtschaftsführer sowie das Einfrieren von Vermögenswerten. Wegen russischer Unterstützung für die in der Ostukraine kämpfenden Milizen erließ die EU Ende Juli und im September 2014 ein separates Sanktionenpaket. Es besteht aus dem Finanzierungsstopp russischer Staatsbanken, Öl- und Rüstungskonzernen, sowie aus verschiedenen Handelsbeschränkungen. Im Juli 2017 beschlossen die USA zudem, Russland für die Angliederung der Krim, die mutmaßliche Einmischung in den US- Präsidentschaftswahlkampf und für die Unterstützung Baschar al-Assads im syrischen Bürgerkrieg zu bestrafen. Die neuen beziehungsweise modifizierten Sanktionen können bei voller Umsetzung nachhaltig Russlands Rohstoffgeschäft schädigen  (das einen großen Teil des Staatshaushalts ausmacht). und einem neuen Ost-West-Konflikt.

Die Angliederung der Krim wurde offiziell mit dem Schutz der dort lebenden russischen Bevölkerung begründet. Zugleich wird die größte Minderheit der Halbinsel marginalisiert: die Krimtataren, die lange Zeit die Bevölkerungsmehrheit stellten. Bereits nach dem KrimkriegDer Krimkrieg (1853–1856) war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Russland und einer Koalition aus dem Osmanischen Reich, Frankreich, Großbritannien sowie Piemont-Sardinien, die aus konkurrierenden Territorialansprüchen in Südosteuropa entstand. Russland erlitt eine verlustreiche Niederlage, die der Staatsführung die technologische und soziale Rückständigkeit des Landes vor Augen führte. Gleichwohl werden mit dem Krimkrieg bis heute heroische Motive der aufopfernden Verteidigung der Stadt Sewastopol verknüpft. waren 90 Prozent der Krimtataren in das Osmanische Reich emigriert. Nach der Befreiung der Krim durch die Rote Armee wurden 1944 bis zu 400.000 Krimtataren wegen angeblicher Kollaboration mit den Deutschen nach Zentralasien deportiert, wobei die Hälfte von ihnen umkam.3 Die PerestroikaIm engeren Sinne bezeichnet Perestroika die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umgestaltung, die auf Initiative von Michail Gorbatschow ab 1987 in der Sowjetunion durchgeführt wurde. Politische Öffnung und größere Medienfreiheit führten bald dazu, dass sich die Forderungen nach Veränderung verselbständigten – obwohl die Reformen neben viel Hoffnung auch viel Enttäuschung brachten. Die Perestroika läutete einen unaufhaltsamen Prozess des Wandels ein und mündete im Ende der Sowjetunion. ermöglichte den Krimtataren eine Rückkehr in ihre Heimat. Nach der Angliederung sehen sich jedoch viele von ihnen aufgrund zunehmender Repressionen, wie zum Beispiel der Unterdrückung der krimtatarischen Medien4, Sprache und Kultur, dazu gezwungen, die Krim erneut zu verlassen.

Neben der offiziellen Rechtfertigung gibt es zwei weitere Erklärungen dafür, weshalb Russland trotz absehbarer negativer wirtschaftspolitischer Folgekosten die Krim annektierte: Erstens konnte Putin dadurch seine zuvor sinkende Popularität in der russischen Gesellschaft auf historische Höchstwerte steigern und sein Regime stabilisieren. Zweitens ist die russische SchwarzmeerflotteDie Schwarzmeerflotte ist eine der vier Flotten der russischen Marine. Sie operiert im Schwarzen und im Asowschen Meer. Das Hauptquartier befindet sich in Sewastopol auf der ukrainischen, von Russland annektierten, Halbinsel Krim. Die strategische Bedeutung der Schwarzmeerflotte hat sich parallel zu historisch-geopolitischen Entwicklungen stark gewandelt. Ihre Symbolkraft ist in Russland nach wie vor hoch. in Sewastopol stationiert. Infolge des ukrainischen Euromaidans fürchtete man, dass die Verlängerung des 2017 auslaufenden Pachtvertrags um 25 Jahre, die Russland mit dem ehemaligen ukrainischen Präsidenten JanukowitschWiktor Janukowitsch (geb. 1950) war von 2002 bis 2005 und von 2006 bis 2007 Ministerpräsident sowie von 2010 bis 2014 Präsident der Ukraine. Vor dem Hintergrund der Euromaidan-Ausschreitungen floh er nach Russland, das ukrainische Parlament Werchowna Rada erklärte ihn im Februar 2014 für abgesetzt. ausgehandelt hatte, revidiert werden könnte und Russland dadurch seinen geopolitisch wichtigen Zugang zum Schwarzen Meer und zum Mittelmeer verlieren würde. Einer solchen Entwicklung kam man durch die Angliederung zuvor.5


1.Präsident Putin verglich 2014 die Bedeutung der Krim für Russland mit der Bedeutung des Tempelbergs für Juden und Muslime. Die These, dass auf der Krim die Wiege der russischen Orthodoxie liegt, ist allerdings umstritten; vgl. Bundeszentrale für politische Bildung: Analyse: Die symbolische Bedeutung der Halbinsel Krim für Russland
2.Bundeszentrale für politische Bildung: Analyse: Geschichtspolitik statt Völkerrecht
3.Die Welt: Nationaler Mythos. Darum hängen die Russen an der ukrainischen Krim
4.Osteuropa 2015 (3): Ausgeschaltet. Unabhängige Medien auf der Krim. Dokumentation
5.Biersack, John; O'Lear, Shannon (2014). The geopolitics of Russia's annexation of Crimea: narratives, identity, silences, and energy, in: Eurasian Geography and Economics 2014 (3), Washington, D.C., S. 247-269
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